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Baiersbronn Eigentümerfamilie blickt nach "Traube Tonbach"-Brand nach vorne

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Mehr als eine verkohlte Ruine ist vom Drei-Sterne-Restaurant Schwarzwaldstube nicht geblieben. Es herrscht Einsturzgefahr. Die Brandmeldeanlage hatte in der Nacht zu Sonntag angeschlagen. Beim Eintreffen der Feuerwehr war das Feuer schon weit fortgeschritten. Rund 150 Einsatzkräfte kämpften gegen das Feuer. Foto: Rosar/Michel/Schwark/Feuerwehr

Baiersbronn - Der Sachschaden geht in die Millionen, der ideelle Schaden ist nicht bezifferbar: Das Stammhaus des Hotels Traube Tonbach ist in der Nacht zum Sonntag von einem Feuer zerstört worden - und damit auch das legendäre Gourmetrestaurant Schwarzwaldstube. Es gab keine Verletzten.

"Das ist ein Totalschaden", sagt Seniorchefin Renate Finkbeiner, die seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen ist, am Sonntagnachmittag. Das Stammhaus des Fünf-Sterne-Hotels im Baiersbronner Ortsteil Tonbach im Kreis Freudenstadt ist ein Opfer der Flammen geworden -­ und damit neben Verwaltungsräumen und der Wäscherei gleich drei Restaurants: die legendäre Schwarzwaldstube, die seit mehr als 25 Jahren drei Michelin-Sterne hält, die Köhlerstube, seit 2019 mit einem Stern dekoriert, und die Bauernstube. Das Medieninteresse ist dementsprechend groß und reicht über Deutschland hinaus.

Nach ersten Angaben der Polizei wird von einem Millionenschaden ausgegangen. Das an das Stammhaus angrenzende Gästehaus Kohlwald, in dem sich 23 Zimmer befinden, wurde vorsorglich evakuiert, konnte aber vor den Flammen geschützt werden. Schon am Morgen konnten die Gäste dort wieder in ihre Zimmer. Das gegenüberliegende Haupthaus des Hotels, das den Großteil der Gästezimmer und Suiten, die Hotellobby, das Hauptrestaurant Silberberg sowie das Spa- und Ressort beherbergt, blieb laut Pressemitteilung des Hotels ebenfalls vollkommen unbeschadet.

Für die Gäste war in der Nacht zum Sonntag ab den frühen Morgenstunden an Schlaf aber kaum zu denken. "Sie waren ab etwa 3.30 Uhr nahezu vollständig in der Hotellobby", berichtet am Montag Daniela Heykes, Pressesprecherin des Hotels. Auch viele Mitarbeiter, die nicht im Dienst gewesen seien, seien gekommen. Gäste und Mitarbeiter hätten gemeinsam die Nacht verbracht. "Sie haben sich gegenseitig durch die Nacht gerettet."

Hotelchef Heiner Finkbeiner ist in dem Gebäude geboren

Wie hoch der Schaden ist? Den ideellen Wert könne man gar nicht bewerten, sagt am Sonntag Renate Finkbeiner. Der Brand des Stammhauses sei für die gesamte Familie schlimm. Ihr Mann, Hotelchef Heiner Finkbeiner, ist in dem Gebäude geboren. "Es steckt so viel Herzblut drin, auch die Kinder sind damit großgeworden." Die beiden Söhne, Matthias und Sebastian, sind Mitglieder der Geschäftsführung.

Mit unendlich vielen Leuten habe sie gesprochen, mit vielen Mitarbeitern, manche hätten geweint, berichtet Renate Finkbeiner. Da müsse man trösten, in den Arm nehmen. "Man steht da und muss es erstmal begreifen, was passiert." Ihr Arbeitszimmer sei jetzt ein Open-Air-Büro, sagt sie bitter. Telefon, Computer, alles weg.

Gegen 3.30 Uhr seien sie und ihr Mann Heiner von ihrem Sohn Sebastian informiert worden und dann zum Hotel gekommen. Das Hotel sei voll belegt gewesen, der Sonntag ohnehin großer Abreisetag, weil die Weihnachtsferien zu Ende sind. Für die Verpflegung der Gäste ist aber trotz des Brands gesorgt. "Wir haben ja oben auch eine Küche", stellt Renate Finkbeiner fest.

Und wie geht es weiter? "Zusammensitzen, planen und wiederaufbauen", sagt die Seniorchefin. Auftrieb geben ihr und ihrer Familie ihr Team und die Menschen um sie herum. Auch von Kollegen und Einheimischen erhielten sie ganz viele Nachrichten. Viele hätten ihre Hilfsbereitschaft signalisiert.

Alle Mitarbeiter werden behalten

"Wir haben in dieser Nacht viel verloren. Ich wurde im Stammhaus geboren; später hatte ich in dem 230 Jahre alten Stammhaus mein kleines Büro. Besonders um die historische Bauernstube tut es mir sehr leid. Doch unser Blick gilt nicht der Asche. Wir werden alles wieder aufbauen, und es wird gut werden. Mit meinen Team, meinen Kindern und meiner Frau sehe ich zuversichtlich in die Zukunft", sagt am Montag Heiner Finkbeiner. Die Schwarzwaldstube werde in etwa einem Jahr wieder zurückkehren – auf gleich hohem Niveau. Das Team habe dazu die Power, den Wunsch und das Können. Klar stellt Finkbeiner, dass alle Mitarbeiter behalten werden. Sie müssten keine Angst um ihre Zukunft haben.

Die ganze Familie Finkbeiner war nach der Brandmeldung auf den Beinen. Auch seine Schwestern und die Frauen von ihm und seinem Bruder Sebastian seien im Einsatz, berichtet Juniorchef Matthias Finkbeiner am Sonntag. "Alle unterstützen, wo sie können, kümmern sich um die Gäste und Mitarbeiter."

Torsten Michel, Küchenchef der Schwarzwaldstube, wirkt am späten Nachmittag des Sonntags betroffen, aber doch gefasst. "Man muss es anpacken, muss Optimismus ausstrahlen, auch für die Mitarbeiter. Wir sind froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist", sagt er vor den Resten des einstigen Stammhauses des Hotels Traube Tonbach stehend. Noch immer qualmt es um diese Zeit aus dem Gebäude, aus dem man das Löschwasser fließen hört.

Solidarität und das Verständnis der Gäste ist hoch

"Am Anfang ist man geschockt, das geht an niemandem kalt vorbei", sagt Michel. Seit 2004 ist er Mitarbeiter des Hotels Traube Tonbach, seit 2016 Küchenchef der Schwarzwaldstube, zunächst noch an der Seite von Harald Wohlfahrt, seit 2017 in alleiniger Verantwortung.

Am Sonntag wäre für ihn und seine Mannschaft der letzte Tag gewesen vor der dreiwöchigen Winterpause. Seit dem Morgen ist er vor Ort. An dem historischen Gebäude, Teile davon rund 230 Jahre alt, hänge die Familie extrem. Jetzt, meint Michel, gelte es, den Mitarbeitern zu signalisieren, dass es weiter geht, dass die Jobs gesichert sind. "Wir brauchen sie ja", sagt Michel. "Dann bauen wir es wieder auf", sagt er bestimmt, und es klingt fast ein wenig trotzig. Da könne jeder ein Teil sein, um an alte Zeiten wieder anzuknüpfen.

Es sei noch zu früh, um zu sagen, wie es genau weitergeht, betont am Montag Pressesprecherin Heykes. Es werde eine Lösung geben - auch für das Personal. Denn schließlich gebe es das Haupthaus, aber auch weitere Unternehmensstandorte, unter anderem in Meersburg und Ludwigsburg. Es werde aber auch überlegt, ob man irgendwo eine vorübergehende Restaurantlösung anstrebt. Auch für die Buchungen in den Restaurants werde man eine Lösung finden. "Das wird eine organisatorische Herausforderung sein."

Die Solidarität und das Verständnis der Gäste seien hoch, sagt Heykes. Das zeigten auch Hunderte von Nachrichten, die nach dem Brand aus aller Welt im Hotel eingingen. Die Hotelsprecherin macht eines deutlich: Die Schwarzwaldstube sei ja ein Raum. Der sei zwar zerstört, das Team und das Know-how seien aber da.

Katastrophentourismus bringt viele Zuschauer

Mehr als 150 Rettungskräfte waren im Einsatz: Rotes Kreuz, Bergwacht und Feuerwehren aus Baiersbronn und seinen Ortsteilen und darüber hinaus. Auch die Berufsfeuerwehr Karlsruhe unterstützte die Arbeiten.

Als die Nachricht vom Großbrand ihre Runde gemacht hatte, setzte der Katastrophentourismus ein. "Es kamen viele Zuschauer", berichtet Harald Bischoff, stellvertretender Gesamtkommandant der Feuerwehr Baiersbronn. Sie hätten die Arbeiten aber nicht behindert. Viele hätten die Löscharbeiten vom gegenüberliegenden Hang aus beobachtet. Als die Feuerwehr angekommen war, ist das Feuer, das vermutlich irgendwo im Erdgeschoss ausgebrochen sei, schon weit entwickelt gewesen. In der Nacht schlugen die Flammen zuweilen meterhoch aus dem Gebäude. Die Nachlöscharbeiten dauerten auch am Montag an. Die Brandursache ist noch ungeklärt.

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