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Baiersbronn Die Milchproduktion herunterfahren

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Bernhard Schwenkel (links) und sein Sohn Martin (rechts) machen sich für die Milchbauern in der Gemeinde stark und fordern auch in Stuttgart eine bessere Politik. Foto: Braun Foto: Schwarzwälder Bote

Nicht nur die fallenden Milchpreise, auch der seit Jahren produzierte Überschuss macht den Milchproduzenten große Sorgen. Landwirt Martin Schwenkel und viele seiner Kollegen üben deshalb Kritik am Bauernverband.

Baiersbronn-Klosterreichenbach. Martin Schwenkel aus Klosterreichenbach ist einer von nur noch vier Bauern im Gemeindegebiet von Baiersbronn, die Milchkühe halten. Im Sommer wird er den Hof von seinem Vater Bernhard übernehmen, der den Betrieb bisher führte. "Wir waren seit 40 Jahren eine Biolandwirtschaft, aber wegen der überzogenen Vorschriften bei den Bioerzeugern sind wir ausgetreten, wirtschaften aber wie bisher nach Biostandard", sagt Jungbauer Martin Schwenkel.

Sein Vater Bernhard ist überzeugt, dass biologischer Anbau langfristig das Beste ist, aber es müsse auch wirtschaftlich sein. "Das Murgtal ist eben ein Notstandsgebiet, was die Anbaumöglichkeiten betrifft, die Grünlandbewirtschaftung und damit die Verfütterung an die Tiere ist da eine gute Möglichkeit auch unsere Landschaft zu pflegen", so Bernhard Schwenkel.

Schaut man auf die Weide gleich neben dem Hof, sieht man 28 grasende Kühe. "Wir liefern unsere Milch an die Molkerei Schwarzwaldmilch, zum Glück ist dort der Milchpreis noch stabil, aber wir wissen, dass in anderen Regionen, zum Beispiel in Ulm, der Preis auf 27 Cent pro Liter gesunken ist". Es seien die Existenzsorgen, die die Bauern zusammenstehen lassen, betont Martin Schwenkel. Kürzlich war er auf einer großen Kundgebung, um mit vielen anderen Landwirten gegen die nach seiner Meinung nach grundlegend falsche Milchpolitik zu protestieren. "In Stuttgart machte unsere Milchpyramidentour halt, und es waren einige Bauern gekommen und vor allem die Vertreter aller Parteien waren da", erzählt der 24-jährige Martin Schwenkel. Doch von vielen Parteien seien nur leere Worte gekommen.

Die Milchviehhalter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) protestierten vor dem Landtag in Stuttgart mit einer Bildaktion gegen die Einlagerung von Milchpulver und Butter. Die Probleme für die Milchviehhalter würden mit der Einlagerung allenfalls verlagert, aber nicht gelöst, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

Mittlerweile die Vertretung der Industrie

Genau aus diesem Grund war auch Martin Schwenkel dabei. Als Akteur hat er an einem kleinen Rollenspiel vor dem Landtag mitgewirkt. "Wir haben symbolisch dem Bauernverbandspräsidenten gezeigt, der es unterstützt, dass aktuell zu viel Milch produziert wird, um davon günstig Milchpulver, Butter und Käse einzulagern und zu verkaufen. Später wird es teuer ausgelagert und der Gewinn kommt bei der Milchindustrie an und nicht beim Landwirt", erläutert Martin Schwenkel.

Ganz und gar nicht zufrieden zeigt sich der junge Landwirt mit der Interessenvertretung des Deutschen Bauernverbands, mit einem Präsidenten, der mit vielen Aufsichtsratsposten nicht neutral agieren könne. "Wir würden keine fünf Verbände brauchen, sondern nur einen, der nicht die eigenen wirtschaftlichen Interessen vertritt, sondern die von uns Bauern", so Schwenkel frustriert. Der Deutsche Bauernverband sei mittlerweile die Vertretung der Industrie und nicht mehr die der Interessen der Landwirte. Wichtig sei es nicht noch mehr Milch und Milchprodukte einzulagern, denn diese müssten ja irgendwann wieder auf den Markt. "Wir fordern eine grundsätzliche Reduzierung der Milchproduktion durch entsprechende Maßnahmen, wie etwa keine Zufütterung von Kraftfutter oder einer entsprechenden Produktionsquote", sagt Bernhard Schwenkel. Er betont, dass die Ausgangssituation für die Milchbauern schon vor der Corona-Krise denkbar schlecht war, nun aber noch verstärkt werde. "Wir können nicht kalkulieren und müssen mit dem Milch- oder Schlachtpreis zufrieden sein, der uns bezahlt wird. Wir sind abhängig von den Preisen der Molkereien und Schlachtereien und das ist nicht gut", so der Senior.

Sein Sohn fügt hinzu: "Wir wissen meist erst viel später zu welchem Preis wir eigentlich gemolken haben." Sorgen mache ihm auch die mangelnde Wertschätzung seines Berufsstandes. Es müsse wohl erst so kommen wie es in der aktuellen Krise bei den Pflegeberufen sei. "Erst wenn Milch oder Fleisch knapp werden, wissen die Menschen unsere Arbeit zu schätzen".

Bedauerlich sei auch die regionale Vermarktung. Viele Gastronomiebetriebe würden nicht beim Landwirt vor Ort kaufen, das sei zu teuer höre er oft, bemerkt Martin Schwenkel.

Was die Zukunft bringt, wissen Martin und Bernhard Schwenkel nicht. Ihren Kühen geht es gut. Damit das so bleibt, dafür wollen sie kämpfen, auch wenn das bedeutet, noch mehrmals nach Stuttgart und zu Kundgebungen zu fahren.

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