Foto: Schwarzwälder-Bote

Wechsel: Spitzensommelier Jürgen Fendt und seine Frau Maren zieht es als Winzer ins Rebland

Er ist einer der besten Sommeliers Deutschlands, hat fast 18 Jahre im Restaurant Bareiss in Mitteltal als Chefsommelier gearbeitet. Jetzt schlägt Jürgen Fendt einen neuen Weg ein. Er widmet sich gemeinsam mit seiner Frau Maren ganz dem eigenen Unternehmen: "Fendt Weinfamilie" heißt es.

Baiersbronn-Mitteltal. Wein ist für Maren und Jürgen Fendt mehr als eine Leidenschaft. Er ist Beruf, Berufung, steht für Freude und Genuss – und: Er hat sie zusammengeführt. Bei einer Weinreise vor rund zehn Jahren haben sich die beiden Sommeliers kennengelernt. Jetzt will sich auch Jürgen Fendt voll der eigenen Firma widmen, der Fendt Weinfamilie. Apropos Familie: Zu der gehört inzwischen auch die kleine Katharina, 15 Monate alt.

Wenn das Restaurant Bareiss nächste Woche nach dem Urlaub wieder öffnet, dann ohne Jürgen Fendt. "Viel Arbeiten war nicht", erzählt er von seinem letzten Arbeitstag. Es gab eine kleine Feier mit Kollegen und Familie Bareiss. "Den Kloß im Hals, den hat man beiden angemerkt", sagt Maren Fendt über ihren Mann und seinen Kollegen Thomas Brandt. Kein Wunder, fast zwei Jahrzehnte haben die Männer Seite an Seite gearbeitet.

Und auch wenn der Umstieg vom Sommelier zum Winzer, vom Angestellten zum Unternehmer gut und lange geplant ist, der letzte Schritt ist dann eben doch ein besonderer. "Wenn man das letzte Mal aus dem Haus geht, ist das schon ein bewegender Moment", sagt Jürgen Fendt. Er ist sich bewusst, dass es in der Zukunft bestimmt Zeiten geben wird, in denen er das "Bareiss" vermissen wird. Als er in dem Mitteltaler Spitzenhotel angefangen hat, wollte er drei bis fünf Jahre bleiben, fast 18 Jahre sind es geworden. "Es war eine tolle Zeit", stellt Fendt im Rückblick fest.

Doch jetzt blicken er und seine Frau in Richtung Zukunft, wollen gemeinsam an ihrem eigenen Unternehmen arbeiten. Und dafür hat Fendt ein großes Ziel: Das genauso erfolgreich zu machen wie die Arbeit als Sommelier.

Maren Fendt hatte bei einem Praktikum bei einem Winzer soviel Spaß am Weinbau gefunden, dass sie nicht mehr in die Gastronomie zurückkehrte. Bis 2009 arbeitete sie dann in Rheinhessen bei verschiedenen Winzern. "Bis mein Mann angerufen und gesagt hat, er habe Weinberge gekauft, ich könne nach Hause kommen", sagt Maren Fendt und lacht. Eine Zeit lang fuhr sie zweigleisig, arbeitete bei anderen Winzern und am Aufbau des eigenen Unternehmens. Seit 2011 kümmert sie sich hauptberuflich um die Firma Fendt Weinfamilie, besucht Messen und Märkte, baut Kontakte auf, arbeitet an der Homepage, organisiert Veranstaltungen, zum Teil mit ortsansässigen Winzern.

"Alles in einer Hand, von der Rebe bis zum Verkauf der Flasche, nur den Ausschank machen wir nicht mehr", erklärt Jürgen Fendt die Firmenorganisation. Das kleine Unternehmen hat aber noch weitere Standbeine, Consulting für die Gastronomie, Beratung von Winzern, Weinexpertisen und die Moderation bei Veranstaltungen rund um den Wein. Wein sei heute für viele ein Thema, sagt Maren Fendt. Ihr Mann Jürgen fügt hinzu, dass sich das Bewusstsein der Verbraucher geändert hat. "Die Leute wollen mehr über Produkte, über Lebensmittel wissen."

Haben die beiden Sommeliers als Winzer eine besondere Philosophie in Sachen Wein? "Wir setzen auf ungekünstelt und ungeschminkt", sagt Maren Fendt. "Die Weine entstehen im Weinberg und nicht im Keller." Will heißen: Es wird mit weinbergseigenen Hefen vergoren, ohne Zugabe von Mitteln wie Eiweiß oder Gelatine. Dadurch würden die Weine vielleicht ein bisschen kantiger und bräuchten zum Teil auch länger, seien aber authentischer und langlebiger, erklärt die Weinexpertin.

Seinen ersten Weinberg an der Mosel hat Jürgen Fendt schon 2001 gekauft. Und der Weinbau beschäftigte ihn auch in seiner Arbeit als Sommelier im Hotel Bareiss. Um den Auszubildenden das Thema Wein näherzubringen, ging es über mehrere Jahre regelmäßig in Weinberge im Rebland zwischen Bühl und Baden-Baden. Am Schluss stand dann quasi immer ein von den Auszubildenden produzierter Wein. Inzwischen bewirtschaften die Fendts drei Hektar Weinberge im Rebland und produzieren hauptsächlich Riesling und Spätburgunder. Den Weinberg an der Mosel haben sie verpachtet. Kontinuierlich soll die Fläche wachsen. Bis zum Jahr 2020 will es das Paar auf sieben bis acht Hektar bringen.

Die Entwicklung des kleinen Unternehmens ist also in vollem Gange, zurzeit läuft die Produktion des Weins quasi in Untermiete bei einem befreundeten Winzer. Als nächstes gilt es für Maren und Jürgen Fendt, im Rebland einen Standort für eine Maschinenhalle zu finden, ein Wirtschaftsgebäude, also die Kellerei, soll später folgen. Und dann steht im Laufe dieses Jahres auch der private Umzug an – von Mitteltal auf die Fildern bei Stuttgart, wo auch das Büro und der Verkauf angesiedelt werden sollen. Denn dort lebt die Familie von Maren Fendt. Freunde und die Familien sind es auch, die die beiden in ihrer Firma unterstützen – zum Beispiel bei der Weinlese, wenn jede Hand gebraucht wird.

Maren Fendt (39), die aus Stuttgart kommt, hat ihre Ausbildung als Restaurantfachfrau in der Speisemeisterei in Stuttgart absolviert. Es folgten verschiedene Stationen, unter anderem auf der MS Deutschland. Wieder an Land, arbeitete Maren Fendt ab 2006 im Landgasthaus Zur Linde in Pliezhausen bei Tübingen, wo sie innerhalb eines Jahres auf Wein getrimmt wurde. Schon 2007 folgte das erste Praktikum bei einem Winzer in Rheinhessen. Seitdem widmet sich Maren Fendt dem Weinbau.

Jürgen Fendt (49) ist Franke. Der gelernte Restaurantfachmann hat in verschiedenen Sternerestaurants gearbeitet, bevor er im März 1999 Chef-Sommelier im Restaurant Bareiss wurde. Er gilt als einer der besten Sommeliers Deutschlands. Viermal hat er Deutschland bei Sommelier-Weltmeisterschaften vertreten, 2004 sogar im Finale bei der WM in Griechenland. Nach knapp 18 Jahren im Hotel Bareiss will er sich nun gemeinsam mit seiner Frau dem eigenen Unternehmen widmen.

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