Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Baiersbronn Bürgermeister-Kandidat lässt irritiertes Publikum zurück

Von
Viele Stühle, wenig Zuhörer bei der Kandidatenvorstellung in der Schwarzwaldhalle. Foto: Michel

Baiersbronn - Der Pflicht ist Genüge getan: Die offizielle Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Baiersbronn ist gelaufen – ohne Skandal und ohne Bürgermeister Michael Ruf.

Zwischen 60 und 100 Zuhörer verloren sich am Donnerstagabend in der Schwarzwaldhalle. Die meisten saßen am Rand oder in Nähe des Ausgangs. Eventuelle Sorgen waren unbegründet, Michael Wagner als uniformierter Vertreter der Ortspolizeibehörde erlebte einen ruhigen Abend.

Um Punkt 18 Uhr eröffnete Fritz Kalmbach, Gemeinderat und ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters, die Vorstellung. Er teilte mit, dass Kandidat und Amtsinhaber Michael Ruf am Morgen per E-Mail mitgeteilt habe, dass er nicht an der Vorstellung teilnehme. Daraufhin durfte Samuel Speitelsbach, laut Protokoll Nummer zwei auf der Rednerliste, direkt ans Rednerpult treten.

Ausführungen teilweise schwer verständlich

Sorgen vor einem Auftritt im Grenzbereich von Geschmack und Gesetz verflüchtigten sich schnell, als Speitelsbach ans Pult trat, seinen Rucksack mit Utensilien ab- und einen Strohhut aufsetzte. Er bezeichnete sich selbst als "hoffnungslosen Fall", der darum bitte, dass ihm jemand für die Bewerbungsrede an diesem Abend wenigstens einen Stempel für das Arbeitsamt mitgebe.

Seine Ausführungen waren teils schwer verständlich, was nicht nur am Apfel lag, auf dem er während der Rede kaute. Bisweilen ging ein Kichern durch den Saal. Sein nach eigenen Angaben größtes Ziel: "Irgendwann der größte Lobbyist aller Zeiten zu sein."

Es folgten Einlassungen zu EU-Parlament, Glyphosat, Klimawandel und anderen Themen. Nur für einen Moment hielt das Publikum den Atem an: "Wenn die Neger nun mal schon da sind, dann lasst sie wenigsten auch arbeiten." Ansonsten: eher absurdes Theater, eine Bütt. Punkt 18.20 Uhr verabschiedete sich Speitelsbach vom Publikum so freundlich, wie er gekommen war: Er verbeugte sich tief und zog den Strohhut – und ließ ein fragend blickendes Publikum zurück: War das nun Satire oder Groteske? Hält der Mann vielleicht einfach alle nur zum Narren?

Offene Frage: War das einfach nur Satire?

Dafür hatten sich Baiersbronner auch in anderer Hinsicht eine Meinung gebildet. SPD-Gemeinderat Gerhard Gaiser, der Strafanzeige gegen Speitelsbach wegen des Verdachts der Volksverhetzung gestellt hatte, erhielt am Eingang der Halle Lob: "Wenigstens einer mit Rückgrat", sagte ein Mann mittleren Alters. "In einer solchen Situation erwarte ich vom Bürgermeister, dass er kommt. Er ist immerhin Chef der Gemeinde. Das wäre seine Pflicht." Lob gab es von Gaiser für die Anzeige auch von einer Frau: "Gut hast du das gemacht. Ich würde dich am liebsten umarmen."

Fragezeichen standen dagegen vielen nach dem Auftritt Speitelsbachs im Gesicht. "Das war wie Hannes und der Bürgermeister, bloß ohne Eintrittskarte", sagte ein Mann. Auch ein anderer erklärte, sich durchaus amüsiert zu haben. Speitelsbach Aussagen beurteilte er als realitätsfern. Zwei junge Frauen sagten, sie gehen davon aus, dass es sich bei der Ein-Mann-Schau des Kandidaten um Satire gehandelt hat. "Ich glaube, er macht sich über Politik und Politiker lustig." SPD-Fraktionsvorsitzender Gerhard Gaiser stellte fest: "So kann man Demokratie auch ad absurdum führen." Dass nur so wenig Menschen gekommen waren, wertete er als richtige Antwort.

Im Vorfeld der Kandidatenvorstellung hatte es hingegen noch einmal Irritationen gegeben. Speitelsbach reagierte prompt auf Gaisers Strafanzeige. Am Mittwoch um 22.55 Uhr ging eine E-Mail von Speitelsbach in der Redaktion und im Rathaus Baiersbronn ein. Darin kündigte er Gegenanzeige an und rief Gaiser ultimativ "bis morgen" dazu auf, zu "widerrufen". Ansonsten werde Gaiser "erfahren, was es bedeutet, wenn ein Linker den Rechtsweg gehen will".

Gerhard Gaiser erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er dies als Bedrohung empfinde. An seinem Standpunkt ändere dies jedoch nichts. Er habe zahlreiche Solidaritätsbekundungen und Reaktionen auf seine Anzeige gegen Speitelsbach hin erhalten. "Sie waren allesamt positiv. Sie kamen teils von Personen, die ich gar nicht kenne, und auch von Seiten, von denen ich sie nicht erwartet hätte", so Gaiser. Er sei "sehr positiv überrascht".

Weitere Bewerbung im Rems-Murr-Kreis

Indessen wurde bekannt, dass Samuel Speitelsbach auch seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in Murrhardt im Rems-Murr-Kreis eingereicht hat. Dort gibt es drei Kandidaten. Laut Murrhardter Zeitung sind alle Bewerber für die Wahl zugelassen. Am Mittwoch, 10. Juli, 19 Uhr, findet eine von der Stadt organisierte Kandidatenvorstellung in der Festhalle statt. Jeder Kandidat erhält 15 Minuten Redezeit. Ferner sind dort weitere 15 Minuten für Publikumsfragen vorgesehen.

Ihre Redaktion vor Ort Freudenstadt

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.