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Baiersbronn Anteil der jungen Verkehrstoten geht zurück

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Freuen sich über den Landespreis für das Präventionskonzept im Kreis: Karl Müller (links) und Matthias Klumpp. Foto: Riesterer

Kreis Freudenstadt - Das Projekt "Stop! Es ist dein Leben" wurde kürzlich als bestes Projekt 2015 mit dem Verkehrspräventionspreis des Landes ausgezeichnet. Karl Müller (57) und Matthias Klumpp (40) vom Polizeipräsidium Tuttlingen, Abteilung Prävention Freudenstadt sowie führend tätig bei der Kreisverkehrswacht, sprechen über den Preis und die Arbeit in der Verkehrsprävention.

Wie ist es, wenn man einer Familie nach einem Unfall eine Todesnachricht überbringen muss?

Müller: Gott sei Dank ist das schon ein paar Jahre her. Eine sehr unangenehme Situation. Klumpp: Man kann nicht voraussagen, wie jemand reagiert, weil man die denkbar schlechteste Nachricht überbringt. Deshalb versuchen die Kollegen immer, sich ausreichend Zeit zu nehmen und eine Vertrauensperson, etwa einen Pfarrer, dabeizuhaben, der die Person dann emotional auffangen kann.

Wie bewerten Sie die Auszeichnung Ihres Projekts?

Müller: Das ist immerhin der höchste Preis, den man in Sachen Verkehrssicherheit im Land bekommen kann. Wir sind stolz, dass unsere kontinuierliche und nachhaltige Arbeit honoriert wurde.

Worin liegt die Stärke des Projekts?

Klumpp: Was die Jury überzeugt hat, sind die Zahlen. Wir haben durch die Aktion mehr als 25 000 Personen in der Zielgruppe "junge Fahrer zwischen 18 und 25" in den vergangenen 22 Jahren erreicht. Zudem geht die Aktion über volle zwei Wochen mit vielen Aktionen. Müller: In der Breite unserer Angebote. Wir geben Vorträge über zu schnelles Fahren, Alkohol und Drogen am Steuer oder bieten Ausstellungen wie einen Überschlagsimulator. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Partnern wie Schulen, Feuerwehr, DRK oder ADAC, ohne die das Projekt nicht umsetzbar und so erfolgreich wäre.

Gibt es messbare Erfolge?

Klumpp: Prävention kann man schlecht messen, weil Dinge ja eben nicht passieren sollen. Als ich vor zehn Jahren angefangen habe, lag der Anteil unserer Zielgruppe bei schweren oder tödlichen Unfällen bei fast 45 Prozent. Jetzt sind es etwa 20 Prozent. Dabei spielen natürlich auch Faktoren wie eine bessere Fahrschulausbildung eine Rolle. Wir sind nur Teil eines Pakets.

Ist es schwierig, ein Projekt mit so vielen Akteuren zu koordinieren?

Müller: Eigentlich nicht. Wir haben mit der Zeit ein gutes Netzwerk aufgebaut, und alles läuft sehr routiniert ab.

Gibt es Akteure, die man noch mit einbeziehen muss?

Müller: Hier im Kreis haben wir alle eingebunden. Natürlich sind wir beispielsweise auf Tagungen ständig auf der Suche nach neuen Ideen und tauschen uns dort aus.

Wie wird die Zielgruppe ideal erreicht?

Klumpp: Am Besten läuft die Arbeit an weiterführenden, vor allem Berufsschulen. Nirgendwo sonst erreichen wir so viele Menschen der Zielgruppe. Im vergangenen Jahr etwa sollte eine Kunstklasse ein Logo für die Aktion entwerfen. Dabei haben sich die Schüler automatisch intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Wird es allgemein gefährlicher, Verkehrsteilnehmer zu sein?

Müller: In den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der tödlichen Unfälle im Land wieder leicht angestiegen. Davor waren sie jedoch über Jahre hinweg rückläufig. Klumpp: Die Verkehrsdichte nimmt zu, die Fahrzeugsicherheit aber auch. Dadurch kann zumindest ein starker Anstieg des Anteils der Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten verhindert werden.

Sehen Sie Smartphones als Chance, junge Menschen zu erreichen oder als Gefahr im Straßenverkehr?

Müller: Beides. Ein Handy hat grundsätzlich im Straßenverkehr nichts verloren. Über unsere Facebook-Seite, die auch mobil abgerufen wird und auf der die Stundenpläne der Aktion einsehbar sind, erreichen wir dagegen viele Personen innerhalb kurzer Zeit.

Was haben Sie ihren Kindern am ersten Schultag mitgegeben?

Klumpp: Am ersten Schultag sollten und können Kinder der ersten Klasse auf dem Schulweg nicht alleine sein. Wir haben gemeinsam den Weg ausgewählt und sind ihn zusammen abgelaufen. Müller: Auch wir haben im Vorfeld den Schulweg geübt. Bei aller Vorsicht sollte man aber immer bedenken: Es sind Kinder, keine kleinen Erwachsenen. Der Straßenverkehr wurde für Autos angelegt, nicht für Kinder.

Welchen Rat sollten Eltern ihren Kindern geben, wenn sie Fahranfänger sind?

Müller: Heute machen viele das begleitete Fahren. Es ist gut, wenn anfangs jemand mit Erfahrung dabei ist und der Jugendliche nicht allein fährt. Ist das dann der Fall, empfehle ich immer, vorher ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. Das ist das beste Geburtstagsgeschenk, das Eltern machen können. Klumpp: Fahre immer vorausschauend. Denke nicht nur an dich selbst, sondern daran, dass auch andere stets einen Fehler machen könnten. Und lass dich nicht ablenken, wenn du Freunde mit im Auto hast.

 Die Fragen stellte Fabian Riesterer

 
 

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