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Baiersbronn Ältestes Exemplar zeigt den Ruhestein

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Rund 1100 Exemplare hat er schon: Gerhard Gaiser mit seinen Postkarten-Schätzen. Fotos: Braun Foto: Schwarzwälder Bote

"Grüße aus Baiersbronn": Diesen Schriftzug hat Gerhard Gaiser schon oft gelesen. Seit rund 25 Jahren sammelt der Gemeinderat und gebürtige Mitteltaler historische Postkarten. Rund 1100 Exemplare besitzt er, davon an die 600 aus Baiersbronn selbst.

Baiersbronn-Obertal. "Als ich die erste historische Postkarte auf einem Flohmarkt entdeckte, war ich gleich fasziniert", erzählt der engagierte Kommunalpolitiker. "Seither bin ich, wann immer es geht, auf der Suche nach Karten." Aber es sind nicht nur Postkarten, die den heimatgeschichtlich interessierten Sammler interessieren, auch historische Dokumente, alte Hotelprospekte und Speisekarten finden sich in seiner Sammlung.

Die Zeiten, in denen das Viertele Rotwein noch 20 Pfennig kostete, sind lange vorbei, und so faszinieren Gaisers alte Karten und Dokumente den Betrachter umso mehr. "Über die Hälfte meiner Postkarten ist älter als 100 Jahre", berichtet Gaiser, "meine älteste trägt den Poststempel von 1893 und zeigt den Ruhestein." Wie zu ihr kann der Sammler auch zu vielen anderen einiges erzählen. "Die Karten sind auch eine Zeitreise durch die letzten 100 Jahre der Gemeinde", sagt er. "Mit der ersten Reisewelle um 1900 kamen nicht nur die Gäste, sondern auch die Karten."

Interessant seien auch die Anschriften. Oft wurde nur Arzt oder Professor und der Nachname vermerkt; Bestimmungsort, Straßen und Postleitzahlen fehlten ganz. "Trotzdem wurden die Karten zugestellt, das war damals schon eine Leistung", stellt Gaiser fest. Eine weitere Besonderheit und gleichzeitig eine Möglichkeit, das Alter einer Postkarte zu bestimmen, sei die Aufteilung: "Karten vor 1902 sind selten und waren auf der Rückseite nicht gespalten. Es gab also noch keine Spalte für die Adresse."

Selten und damit auch teuer sind die Karten vor 1897. Heute kosten diese Sammlerstücke zwischen 25 und 40 Euro, je nach Angebot und Nachfrage werden aber noch höhere Preise erzielt. Zwischenzeitlich sind die Postkarten zu einer Wertanlage geworden. Ähnlich wie bei Briefmarken oder Münzen steigt der Wert mit dem Alter – guter Zustand vorausgesetzt.

"Die erste Postkarte wurde so um 1882 in Bayern verschickt", weiß Gaiser. "Ab 1890 gab es von Großstädten wie Paris und London sehr viele Motive. Allein von Paris gab es rund 3000 verschiedene Bilder." Für Baiersbronn kann Gaiser die Motive recht gut eingrenzen. Meist waren es Ortsansichten, Gebäude und volkstümliche Szenen, die festgehalten wurden. Interessant sei, "wie die Karten von Baiersbronn nach Übersee verschickt wurden und nun nach über 100 Jahren wieder hierher zurückkommen".

Das große Album von Gerhard Gaiser birgt viele Schätze. Alte Schriften und Beschreibungen zeugen von schönen Urlauben, die Landschaften sind unbebaut und grün. Spannend seien die Veränderungen. Viele Hotels von damals existierten heute gar nicht mehr. "Früher waren Postkarten auch Kunstwerke", sagt Gaiser. "Damals nutzte man aufwendige Drucktechniken oder malte die Karten von Hand, so entstanden einzigartige Unikate."

Gaiser freut sich immer, wenn jemand ihm alte Dokumente oder Karten anbietet. Auch mit Gemeindearchivarin Dorothee Kühnel arbeitet er gut zusammen. Oft macht er eine Kopie und gibt das Original ins Archiv. "Wichtig ist mir, dass die Dokumente erhalten bleiben." Falls jemand noch solche Schätze hat, ist Gaiser immer dankbar, diese zu bekommen. Für die Zukunft kann er sich auch eine Ausstellung vorstellen, etwa in der Glashütte in Buhlbach. "Eine Zeitreise mit alten Karten, Dokumenten und Bildern ist sicher für viele interessant", meint er.

Aktuell hat Gaiser, der auch Kreisrat ist, ein neues Kapitel aufgeschlagen. "Die Geschichte der SPD ist mein neues Steckenpferd, und ich habe herausgefunden, dass der erste dokumentierte SPD-Ortsverein 1903 in Obertal gegründet wurde." Eine Postkarte davon gibt es leider nicht, aber viele Dokumente, die Gerhard Gaiser bereits gesichtet hat.

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