International unterwegs: Der TGV nach Paris und ein ÖBB-Zug aus Wien am Münchner Hauptbahnhof Foto: //Wolfgang Maria Weber

Der Schienenverkehr nach Frankreich wächst und ersetzt viele umweltschädliche Flüge. Mit dem Start von Stuttgart 21 soll das Angebot nochmals deutlich ausgeweitet werden.

Paris ist eines der meistbesuchten Reiseziele weltweit. Davon profitiert auch die bundeseigene Deutsche Bahn AG. Die Zugverbindungen nach Frankreich sind gefragt und werden beständig ausgebaut. Seit Mitte Dezember fährt erstmals der ICE direkt von Berlin an die Seine und verbindet die beiden Hauptstädte in acht Stunden Fahrzeit mit bis zu 320 km/h. Außerdem verkehrt dadurch ein zusätzliches Zugpaar zwischen Frankfurt am Main und Paris. Weitere Verbindungen sind geplant.

 

„Auch unsere neuen Angebote laufen sehr gut“, sagt Marco Kampp, der den internationalen Fernverkehr bei der DB leitet. Der weitere Ausbau der grenzüberschreitenden Verbindungen in Europa ist ein erklärtes strategisches Ziel des Staatskonzerns. Bisher setzen die großen nationalen Anbieter dabei meist auf Kooperationen. Mit Frankreichs Staatsbahn SNCF bietet die DB schon seit 2007 schnelle Zugverbindungen mit ICE und TGV zwischen beiden Ländern an.

Deutsche Bahn ist zufrieden

Mehr als 33 Millionen Reisende haben seither die Direktzüge Frankfurt–Paris, Frankfurt–Marseille sowie Stuttgart–Paris genutzt, im Sommer kommt noch Frankfurt–Bordeaux dazu. Mit dem neuen ICE ab Berlin gibt es nun täglich 26 Verbindungen zwischen Deutschland und Frankreich. „Wir sind mit der Entwicklung auch im vorigen Jahr sehr zufrieden“, berichtet Kampp im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Fahrgastzahlen seien auf hohem Niveau stabil geblieben – und das trotz der sechsmonatigen Sperrung der wichtigsten ICE-Strecke Frankfurt-Mannheim, die generalsaniert wurde, was auch den Verkehr von und nach Frankreich erheblich beeinträchtigte.

Positive Effekte fürs Klima

„Wir erwarten in diesem Jahr ein weiteres deutliches Wachstum“, betont der Manager, der seit zwei Jahrzehnten bei der DB arbeitet. Die schnellen Zugverbindungen ins Nachbarland bringen auch positive Effekte fürs Klima. Auf der dreistündigen Strecke Stuttgart–Paris hat sich seit Corona der Verkehr weitgehend auf die Schiene verlagert. Statt den Flieger nutzen inzwischen fast 90 Prozent der Reisenden die Hochgeschwindigkeitszüge, die einmal täglich auch schon ab München fahren und von dort nach Paris nur sechs Stunden brauchen.

Wenn Ende nächsten Jahres das mehrfach verzögerte Megaprojekt Stuttgart 21 endlich fertig sein wird, soll es nochmals schneller gehen. „Dann werden wir die Angebote nach Frankreich erneut deutlich ausweiten“, kündigt Kampp an. Nach Paris werden dann mehrere zusätzliche Zugpaare eingesetzt: „Die exakte Zahl steht noch nicht fest, da sind wir noch in der Diskussion.“ Auf jeden Fall aber werde es deutlich mehr Verbindungen ab München über Stuttgart nach Paris geben. Eine Verlängerung der Linie bis nach Wien sei bisher nicht vorgesehen, dafür wäre eine Zulassung der Züge in Österreich nötig.

Internationaler Fernverkehr wächst

Der internationale Fernverkehr auf der Schiene in Europa wächst seit dem Ende der Pandemie kräftig. Die DB beförderte 2023 rund 24 Millionen Reisende auf den grenzüberschreitenden Verbindungen in zahlreiche Nachbarländer und darüber hinaus, ein Plus von 21 Prozent im Vergleich zu 2019 vor Corona. Besonders starken Zuwachs gab es auf den Strecken von München nach Verona, Wien und Zürich sowie von Berlin nach Amsterdam sowie Warschau. Im abgelaufenen Jahr reisten viele Fans aus Nachbarländern zur vierwöchigen Fußball-Europameisterschaft in deutschen Stadien an, was einen weiteren Schub brachte. Allerdings enttäuschte die DB manche Fahrgäste, Züge waren teils massiv verspätet und übervoll.

Studie: Mehr Bahnstrecken sind möglich

Der Ausbau des internationalen Fernverkehrs auf der Schiene würde sich für Europa mehrfach auszahlen, betont Kampp und verweist auf eine Studie der DB, die voriges Jahr mit neun weiteren großen Bahnunternehmen erstellt und unter anderem der EU-Kommission präsentiert wurde. Demnach könnten zwischen 2030 und 2050 insgesamt 21 000 km zusätzliche Hochgeschwindigkeitsstrecken zwischen Metropolen des Kontinents gebaut und so 60 Prozent der EU-Bürger an die schnellen Netze angeschlossen werden. Bisher umfasst das Highspeed-Schienennetz nur gut 11 000 Kilometer.

Hohe Investitionen wären nötig

Die Investitionen für ein drei Mal so großes Netz wären zwar mit mindestens 500 Milliarden Euro enorm hoch, doch sie brächten der Studie zufolge massive positive Effekte für den Klimaschutz und würden helfen, mehr nachhaltige Mobilität und die EU-Ziele des „Green Deal“ zu erreichen. Die Fahrgastzahlen in Highspeed-Zügen könnten sich demnach bis 2050 im Vergleich zu 2015 vervierfachen, der Marktanteil sich auf 27 Prozent verdoppeln, zumindest bei Entfernungen zwischen 500 und 1000 Kilometern.

„Die Studie ist auf sehr positive Resonanz gestoßen“, sagt Kampp. Allerdings steht der Ausbau der transeuropäischen Schienenverbindungen schon seit Jahrzehnten auf der EU-Agenda und kommt bisher viel langsamer voran als geplant. Dabei würden attraktive Bahnverbindungen über die Grenzen hinweg die Reisezeiten teils enorm verkürzen, viele umweltschädliche Flüge vermeiden helfen und Europas Regionen auf der Schiene näher zusammenbringen.