Fahrdienstleiter Jörg Kurschuss hat in der Leitstelle Gammertingen die Züge und Stellwerke auf der Zollern-Alb-Bahn 2 zwischen Hechingen und Sigmaringen dank modernster Technik im Blick. Stehend (von links): Tobias Harms, Vorsitzender der SWEG-Konzerngeschäftsführung; Winfried Hermann, Landesverkehrsminister, und Markus Remmel, Geschäftsführer der SWEG Schienenwege GmbH. Foto: Matthias Badura

Die Zollern-Alb-Bahn 2 – Hechingen/Sigmaringen – verfügt jetzt über eine hochmoderne Leit- und Sicherungstechnik. Die Gesamt-Streckensanierung soll 2028 abgeschlossen sein.

Es war einer der letzten offiziellen Termine, die scheidender Landesverkehrsminister Winfried Hermann wahrzunehmen hatte.

 

Doch dieser Termin war ihm, wie er sagte, besonders wichtig: Die Besichtigung der Zugleitstelle Gammertingen, die als Zentrale gleichsam für die Erneuerung der gesamten Stellwerkstechnik auf der Strecke Hechingen/Sigmaringen steht.

„Die Anlage stellt einen Meilenstein in der Grunderneuerung der Zollern-Alb-Bahn 2 von Hechingen nach Sigmaringen dar“, so Tobias Harms, Vorsitzender der SWEG-Konzerngeschäftsführung, bei der Begrüßung auf dem Gammertinger Bahnhof. Hintergrund: Im Zuge dieser „Grunderneuerung“ modernisiert die SWEG seit 2021 auf der Zollern-Alb-Bahn 2 Gleisanlagen und Brücken für Gesamtkosten von 150 Millionen Euro.

Die Gesamtsanierung der Strecke soll 2028 abgeschlossen sein. Der Großteil der Arbeiten ist schon erledigt. Foto: SWEG

Die Arbeiten, hieß es, werden voraussichtlich im Jahr 2028 abgeschlossen sein.

30 Millionen Euro der Gesamtsumme kostete die Einrichtung der neuen Leit- und Stellwerktechnik. „Sie ist ein Garant für die Stabilität und Verfügbarkeit der Verbindungen und garantiert damit zugleich die Zuverlässigkeit des Alltagsbetriebes“, sagte Harms.

Nicht ohne Stolz fügte er hinzu: „Dort, wo wir auf unserer eigenen Infrastruktur mit unseren Fahrzeugen unterwegs sind, erreichen wir eine Pünktlichkeit von fast 100 Prozent. Sobald wir aber auf fremden Schienennetzen fahren, sackt die Pünktlichkeit um bis zu 40 Prozent weg.“ Natürlich – der Name Leit- und Sicherungstechnik sagt’s – geht es auch um die Sicherheit der Passagiere. In der Zugleitstelle und mithilfe der modernen Stellwerke und der digitalen Technik lässt sich der Verkehr auf der gesamten Strecke überblicken und kontrollieren. Die Schienenwege sind eingleisig. Es gilt zu verhindern, dass zwei Züge zur gleichen Zeit auf der Strecke fahren, und es ist sicherzustellen, dass die Rangiervorgänge in den Bahnhöfen reibungslos ablaufen.

„Sind wir schon in der DDR – oder noch in der BRD?“

Markus Remmel, Geschäftsführer der SWEG Schienenwege GmbH, erinnerte sich zurück: „Bevor wir den Gammertinger Bahnhof 2017 neu gebaut und hier das erste elektronische Stellwerk installiert haben, gab es noch ein mechanisches Hebelstellwerk, das ins Museum gehörte.“ Zwar stammten die damals vorhandenen Stellwerke immerhin aus dem Jahr 1995, doch für eine rechnergesteuerte Technik sei das „ein stolzes Alter“ gewesen. „So, als würden Sie daheim bei sich noch mit einem Rechner aus den 90ern arbeiten“, zog Remmel einen Vergleich. Die Umstellung sei dann „der Auslöser“ für die Sanierung des gesamten Streckennetzes gewesen. Der Geschäftsführer blickte nochmals zurück: Die Planung für die neuen Stellwerke begann im Jahr 2020, die Ausschreibungen folgten 2022, daraufhin startete der Tiefbau für Kabel und die Fundamente. Die Stellwerke selbst wurden 2025 errichtet. Bis auf Restarbeiten sei dieses Teilprojekt innerhalb der Gesamtsanierung nun erfolgreich abgeschlossen.

Auch der Verkehrsminister erinnerte sich zurück. Als man vor 15 Jahren beim Antritt seiner Amtszeit auf den Gammertinger Bahnhof kam, so Hermann, habe man nicht recht gewusst: „Sind wir noch in Deutschland oder schon in der DDR?“

Die Anlage habe „elendiglich“ ausgesehen, hoffnungslos veraltet. „So konnte man sich die Zukunft des Personennahverkehrs nicht vorstellen.“

Es sei ihm wichtig gewesen, ein gutes Konzept für den Schienennahverkehr in Baden-Württemberg zu entwickeln, „mit neuen Zügen, mit regelmäßigen, zuverlässigen Takten.“ Was gemeinsam auf dem langen Weg von 15 Jahren erreicht wurde, könne man heute sehen, meinte Hermann. „Ich bin wirklich stolz, dass unsere SWEG so gut aufgestellt ist. Und ich bin überzeugt, sie wird sich auch noch weiterentwickeln. Das ist auch gut für die Entwicklung der Region.“

Hintergrund

Schnittstellen
Die SWEG Schienenwege GmbH, in der die Hohenzollerische Landesbahn, HzL, aufgegangen ist, betreibt eine Schienenlänge von 210 Kilometern, 120 davon entfallen auf das Netz in Hohenzollern. Die neuen Stellwerke zwischen Hechingen und Sigmaringen sichern eine Schienenlänge von 50 Kilometern. In diesem Bereich mit 14 Bahnhöfen sind acht miteinander verbundene Einzelstellwerke erforderlich. „Schnittstellen“, die den Übergang in Schienennetze der angrenzenden Betreiber regeln, befinden sich in Sigmaringen und Hechingen.

Finanzierung
An den Kosten der Gesamtsanierung beteiligt sich der Bund mit 50 Prozent, hinzu kommen 6,8 Millionen Euro Landesmittel.