Ein Regionalexpress krachte in einen Sattelzug, der auf dem Bahnübergang festsaß (Archivfoto). Foto: Wagner

An einem unbeschrankten Bahnübergang ist in Freudenstadt ein Mann ums Leben gekommen. Das weckt Erinnerungen an einen schweren Zugunfall im Kreis Rottweil – mit Konsequenzen.

Es war ein schrecklicher Unfall, der sich vergangene Woche im Nachbarlandkreis ereignete: Mit der Einsatzinformation „Person unter Zug“ war die Feuerwehr zu einem unbeschrankten Fußgängerüberweg alarmiert worden.

 

Ein 63-Jähriger, der ein Fahrrad dabeihatte, wollte laut Polizei vermutlich den Bahnübergang queren und wurde von einem Zug erfasst. Er übersah dabei einen herannahenden Regionalzug. Dem Mann konnte nicht mehr geholfen werden, er starb an der Unfallstelle.

Regionalexpress erfasst Lkw

Die Diskussion zur Sicherheit an Bahnübergängen, die jetzt aufflammt, gab es auch im Kreis Rottweil schon – und zwar aus traurigem Anlass. Am Bahnübergang in Epfendorf-Talhausen hatte Anfang Juli 2014 ein Regionalexpress auf einem unbeschrankten Bahnübergang einen Lkw erfasst. 33 Personen wurden verletzt, sechs davon schwer, zwei befanden sich zunächst in Lebensgefahr.

Sattelzug mit 48 Tonnen viel zu schwer

Der Sattelzug war laut Polizeiangaben nach dem Unglück mit 48 Tonnen viel zu schwer und hätte die Brücke nicht befahren dürfen. Er setzte beim Überqueren des Bahnübergangs auf und bekam das Fahrzeug nicht mehr frei. Für Bemühungen, die Bahn noch zu verständigen, war die Zeit zu kurz, die Schranken senkten sich – der 50 Personen besetzte Zug krachte trotz eingeleiteter Notbremsung in den Sattelzug.

Der Schaden lag bei rund 1,5 Millionen Euro. Gegen den Fahrer des Sattelzugs wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet.

In der Folge flammten die Diskussionen über den Bahnübergang hoch. Bei einem Ortstermin mit dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden und Abgeordneten Volker Kauder, Vertretern der Bahn und der Gemeinde knapp zwei Monate später wurde beschlossen, die Kuppe über die Bahngleise abzuflachen, die Gemeindeverbindungsstraße umzubauen und weitere Verkehrsschilder aufzustellen.

Die Maßnahme wurde 2015 umgesetzt. Und der Bahnübergang beschäftigte die Gemeinde auch in den Folgejahren. Um den technischen Erfordernissen der Bahn Rechnung zu tragen, wurde auch die Gemeinde Epfendorf kräftig zur Kasse gebeten. Auch weitere Verbotsschilder für übergroße Fahrzeuge wurden aufgestellt. Hundertprozentige Sicherheit wird auch das aber an Bahnübergängen nicht geben.

Größte Unfallgefahr ist Ablenkung

In Freudenstadt handelte es sich um einen reinen Fußgängerüberweg. Dort wurde ein Sachverständiger zur Klärung des genauen Hergangs hinzugezogen. Als größte Gefahr an Bahnübergängen nennt die Polizei Ablenkung – zum Beispiel wenn Jugendliche einen Übergang mit Kopfhörern überqueren.

Auch für die Einsatzkräfte und die betroffenen Lokführer seien derartige Unfälle eine schwere Belastung. Manche, so informierte ein Polizeisprecher nach dem Unglück in Freudenstadt, geben danach ihren Beruf auf.