Siegfried (Mitte) und Renate Rudolf unterstützen mit ihren Unterschriften die Forderung nach Verkehrswende der Bahnpendler mit Harald Wendle. Foto: Bohnert-Seidel

Harald Wendle von der BI der Friesenheimer Bahnpendler hat Unterschriften für die Rückgabe der 2020 gestrichenen Haltestopps in Friesenheim gesammelt. Gefordert wird auch eine Verbesserung der Radinfrastruktur im Kernort.

„Verkehrswende jetzt“, heißt es auf gelbem Untergrund. Nicht erst morgen oder übermorgen. Verkehrswende heißt in Friesenheim keine neue Errungenschaften, sondern die Forderung nach Bahnhaltestopps, die im Jahr 2020 vom Verkehrsministerium in Stuttgart gestrichen wurden.

 

Um die seit vier Jahren andauernden Forderungen nach der Rückgabe gestrichener Haltestopps in Friesenheim zu untermauern, hat Harald Wendle von der Bürgerinitiative der Friesenheimer Bahnpendler eine Unterschriftenaktion auf dem Vorplatz im Neuen Ortszentrum gestartet.

Erst zwei Haltestopps sind nach vielen Schreiben und Argumentieren gegenüber dem Verkehrsministerium des Landes Baden-Württemberg in den vergangenen Jahren zurückgekommen. An den restlichen acht fehlenden Stopps will Wendle weiterhin arbeiten. Im Juni wird es wieder einen neuen Fahrplan geben. Je nachdem, wie die Situation aussieht, werden die Proteste weiter geführt.

Kampf gegen Ministerium gestaltet sich zäh

In zwei Stunden sammelte Harald Wendle exakt 100 Unterschriften. Der Bahnpendler sucht das Gespräch. Das Ehepaar Renate und Siegfried Rudolf unterschreibt. „Natürlich machen wir mit“, sagen die beiden Friesenheimer. Wenn nicht für sich, dann für die Kinder und Enkelkinder. Eine junge Frau hingegen winkt ab. Sie habe mit dem Zugfahren weniger am Hut. Aber Andreas Reichenbach aus Heiligenzell unterstützt die Aktion. „Es gibt auch Leute, die wieder von der Bahn zurück ins Auto gestiegen sind, weil sie einfach nur frustriert sind“, weiß Wendle und erzählt von der eigenen Tochter, die vergebens auf einen Anschlusszug nach Friesenheim gewartet habe. Solche Geschichten gibt es zuhauf.

Seit vier Jahren schreibt Wendle im Namen der Bahnpendler unermüdlich Briefe an das Verkehrsministerium, das für die Fahrpläne verantwortlich ist. Im Fahrplankatalog dürfte sich Wendle genauso gut auskennen wie die Mitarbeiter im Ministerium selbst. „Es ist ein sehr zähes Thema“, gibt er offen zu und fügt an: „Aber das ist kein Grund, aufzuhören.“ Natürlich sei es schwierig, wenn man als kleiner Bürger gegen ein Ministerium angehe, das von sich denke, es mache alles richtig. „Jetzt kommt da auf einmal ein kleiner Bürger daher, der auch noch eine Ahnung hat“, so Wendle. „Solch eine Organisation zur Umkehr zu bewegen, vielleicht mit der Zusage: Der hat ja recht und wir ändern unser Ding, das braucht Jahre und viel Zeit. Aber ich lasse nicht locker.“

Wendle will sich auch für Fahrradstraße einsetzen

In die Verkehrswende bezieht Harald Wendle auch die Situation in der Friesenheimer Hauptstraße und Bahnhofstraße für Radfahrer mit ein. Täglich fahre er die Strecke von Heiligenzell an den Bahnhof. So hat er sich Gedanken über die Fahrradinfrastruktur gemacht. „Was hindert uns eigentlich daran, auf der Südseite des Dorfbachs bis zum Bahnhof hinunter eine privilegierte Fahrradstraße einzurichten?“, so Wendle. Ohne Autoverbot, aber dem Fahrradfahrer sollte der Vorrang gewährt werden. Über den Straßenabschnitt südlich der Bahnhofstraße sagt er: „Das ist eine reine Holperpiste, weshalb viele Radfahrer lieber die Hauptverkehrsstraße Bahnhofstraße nehmen.“ Beides müsse verbessert werden: Der ÖPNV und die Priorisierung von Radfahrern. Damit ließen sich mehr Menschen zum Umsteigen bewegen, ist sich Wendle sicher. „Leider wird man in Friesenheim als Radfahrer an den Rand gedrängt“, so Wendle. Umso mehr heißt das für ihn: „Wir müssen dranbleiben.“

Das ist bisher geschehen

Am 15. Juni 2020 trat ein neuer Fahrplan für den Bahnhof in Friesenheim in Kraft. Zehn Haltestopps wurden gestrichen. Mit Protestbriefen haben sich Bahnpendler an das Ministerium gewandt. Seit dem 14. Dezember 2020 gibt es wieder den Haltestopp 7.03 Uhr und seit dem 12. Dezember 2021 den Haltestopp um 8.03 Uhr. Nach wie vor fehlen acht Haltestopps, vor allem in den Abendstunden von 15.30 bis 19 Uhr.