Der Bahnknoten Basel platzt aus allen Nähten. Die Kapazitäten müssen dringend erweitert werden. Foto: Michael Werndorff

Das Basler Herzstück soll in einer reduzierten Form weiterverfolgt werden. Unterdessen macht sich ein Verkehrsplaner für eine andere Lösung stark.

Das Herzstück, also die unterirdische Durchmesserlinie zwischen dem Bahnhof Basel SBB und Badischer Bahnhof, ist in seiner ursprünglichen Version vom Tisch. Von den neuen Stationen in der Stadt am Rheinknie und einer Abzweigung zum Bahnhof St. Johann haben die beiden Basel Abstand genommen.

 

In Bern setzen sich die Akteure jetzt für eine schnell realisierbare unterirdische Durchmesserlinie ein. Denn diese sei zwingend für einen grundlegenden Ausbau des triregionalen S-Bahn-Systems, wie beide Regierungen vor Kurzem bei der Vorstellung ihrer Pläne darlegten.

Indes: Das Herzstück würde Basel nichts bringen, wie jetzt der pensionierte Verkehrsplaner Paul Stopper erklärt, der die 2014 fertiggestellte Zürcher Durchmesserlinie mitgestaltete. Denn: Eine direkte Verbindung zwischen den Basler Bahnhöfen unter dem Rhein hindurch wäre aufgrund des großen Gefälles sehr teuer.

Höhendifferenz von 55 Metern

Der Experte verweist im Gespräch mit dem SRF Regionaljournal auf eine Höhendifferenz von 55 Metern bei einer Unterquerung. „Das bringt einfach nichts, wenn man keine Haltestelle hat“, macht Stopper deutlich.

Eine oberirdische Ringbahn via St. Johann und Rhein wäre sinnvoller. „Und dann muss man sich fragen: Ist das Bedürfnis, vom Bahnhof SBB zum Badischen Bahnhof zu kommen, das wichtigste Thema in Basel?“ Das sei es eben nicht, betont der Experte.

Gesamtes Bahnnetz genau anschauen

Anstelle einer Unterquerung müsse Stopper zufolge das gesamte Basler Bahnnetz genau betrachtet werden. Besser wäre ein oberirdischer Ausbau. Konkret müsste an zwei Orten angesetzt werden, führt er aus. Und zwar im Norden, wo es von Deutschland kommend eine Abzweigung zum EuroAirport (EAP) brauche. „Dort könnten Regional- und Fernverkehr durchfahren“, erklärt Stopper. Auf diese Weise ließen sich die deutsche und die französische Seite miteinander verbinden.

Verbindung zum Flughafen

Dementsprechend bestünde dann eine Verbindung von Freiburg zum Badischen Bahnhof – oder über die neue Verbindung zum Flughafen und zum Bahnhof Basel SBB. So ließen sich die vielen Züge aus Deutschland besser verteilen, ist der Planer überzeugt. Der zweite Teil seines Ansatzes ist in Basel selbst verortet. Eine Art Ringbahn soll den Badischen Bahnhof mit dem Bahnhof Basel SBB verbinden, und zwar via St. Johann mit einer Brücke über den Rhein. Eine Herausforderung hat der Plan von Paul Stopper: Basel muss dann nämlich mit Frankreich und Deutschland zusammenarbeiten. Dies sei schwierig, meint der Planer. Aber: „Mit einem guten Projekt kann man auch grenzüberschreitend etwas Gutes machen“, sagt er gegenüber dem SRF. Die Schweiz sehe er hierbei in einer Vermittlerrolle für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Idee einer Ringbahn nicht neu

Die Idee einer Ringbahn sei nicht neu, erklärt unterdessen Marco Galli, Koordinator für den Bahnknoten Basel. Eine Ringbahn um das Zentrum benötige aber viel Platz, und günstiger sei sie auch nicht. „Ringbahnen haben wir in der Vergangenheit immer wieder untersucht, sie bringen aber nicht denselben Nutzen wie eine direkte, unterirdische Verbindung“, erwidert Galli.

Und was den Vorschlag zur Anbindung des Flughafens angeht, müsse man unterscheiden, ob man auf den Ausbau des Regional- oder des Fernverkehrs abziele. Die EAP-Anbindung und der Fernverkehrausbau seien ein anderes Projekt, auf dem der Fokus derzeit nicht liege. „Wir setzen jetzt voll auf die Durchmesserlinie“, so Galli weiter. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die nötigen Gelder aus Bern fließen werden. Die Durchmesserlinie ist nämlich nur halb so teuer wie das Herzstück – rund sieben Milliarden Franken.