Das Bahnhofareal soll zum multimodalen Mobilitätsknoten ausgebaut werden. Schon jetzt geht es dort oft eng zu. Foto: Braun

Der Bahnhof in Baiersbronn soll zum multimodalen Mobilitätsknoten ausgebaut werden. Hinter dem kompliziert klingenden Begriff verbirgt sich ein Konzept, das einen Ort schaffen soll, an dem verschiedene Fortbewegungsformen zusammenlaufen.

Baiersbronn - Manuel Hitscherich vom Büro PTV stellte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats die Erkenntnisse der Vorplanungen vor. In Zusammenarbeit mit dem Büro TTK waren entsprechende Untersuchungen, Erhebungen und Planungen zum Standort Bahnhof erarbeitet worden. Auf dieser Grundlage können nun Anträge für die Aufnahme in das Förderprogramm gestellt werden.

Hitscherich fasste die Vorgehensweise zusammen und erklärte Eckpunkte des Konzepts. Zunächst habe man verschiedene Standorte untersucht. Der Bahnhof sei als zentraler und gut zugänglicher Platz lokalisiert worden. Dort liefen auch jetzt schon einige Mobilitätsangebote zusammen.

Abstellanlagen für Räder

Das Projekt sei bis zu 75 Prozent förderfähig, für die Radwege gebe es sogar bis zu 90 Prozent Förderung, erklärte der Experte. Zu den Zielen eines Mobilitätsknotens gehörten unter anderem die Verbesserung des Verkehrsangebots und die Steigerung der Lebensqualität der Bevölkerung. Auch der Lärm- und Umweltschutz sei eine positive Begleiterscheinung einer solchen örtlichen Bündelung. "Wir haben in dem Konzept einige Grundideen festgehalten. Darin enthalten ist die Schaffung von hochwertigen Abstellanlagen für Fahrräder, aber auch die Erweiterung des öffentlichen Verkehrsangebots", so der Planer.

Ein zunächst angedachtes Parkhaus oder eine Tiefgarage am Bahnhof wurde aus Kostengründen jedoch verworfen. "Die Variante mit der Tiefgarage hätte Kosten in Höhe von 4,8 Millionen Euro verursacht, die Variante mit ebenerdigem Parken liegt dagegen bei 1,4 Millionen Euro", ließ Hitscherich wissen. Insgesamt sei das eine Menge Geld mit einem geringen Mehrwert und zu hohen Kosten für die Gemeinde. Daher sei man übereingekommen, die Parkhaus-Variante nicht weiterzuverfolgen.

Christein: ein "Sorgenkind"

"Ich fand die Idee eines Parkhauses sehr charmant, aber die Diskrepanz zwischen Kosten und Förderung ist zu hoch, dafür sind die Mittel bei uns einfach nicht vorhanden", erklärte Bürgermeister Michael Ruf. "Wir schlagen Ihnen vor, mit der Konzeption die Förderung zu beantragen, dann gehen wir in die weitere Planung und Ausführung", fügte er hinzu.

Ingo Christein (CDU) nannte das Areal ein "Sorgenkind". Die Parkplatzsituation am Bahnhof sei ohnehin angespannt und gefährlich. "Ich finde es nicht gut, wenn wir mit Zusatzangeboten noch mehr Besucher an diesen Verkehrsknoten locken." Er wünsche sich, bei den weiteren Planungen darauf zu achten, diesen Platz nicht noch mehr zu belasten. "Die Papiercontainer müssten dort weg, und auch die große Zahl an E-Ladesäulen halte ich nicht für gut an diesem einen Standort", so Christein. Manuel Hitscherich warnte davor, mit Ladesäulen zu sparsam zu sein. Diese würden in Zukunft noch mehr gefordert. Allerdings teilte er die Meinung Christeins, die Attraktivität dieses Areals nicht noch mehr zu fördern.

Ernst Schleh (FWV) bezeichnete ebenerdiges Parken als nicht zukunftsfähig. Wertvolle Flächen mit Autos zuzuparken könne nicht das Ziel sein. Wegen der hohen Kosten gebe es keine andere Möglichkeit, aber die Zukunft liege woanders.

Georg Klumpp (FDP/UBL) fragte nach Parkmöglichkeiten für Busse. "Für große Fahrzeuge und Busse müssen wir uns überlegen, ob wir eine Fläche in der Aue schaffen", sagte Bürgermeister Ruf.

Weitere Behelfsbrücke

Fritz Kalmbach (CDU) wollte wissen, ob die Anbindung ins Sankenbachtal nun nicht mehr weiterverfolgt werde. "Nächstes Jahr soll während der Sanierung eine Behelfsbrücke im Bereich der neuapostolischen Kirche errichtet werden, dann können wir schauen, wie es läuft", antwortete Daniel Armbruster vom Bauamt.

Karlheinz Nestle (FWV) fragte, ob das Konzept auch Umsteigequalitäten und Abstimmungen berücksichtige. "Nein, darin geht es nur darum, die Umgebung zu gestalten. Fahrpläne sind Sache der Bahn oder des Landratsamts", erklärte Bürgermeister Ruf.

Michael Seitz (SPD) sieht die Zukunft im Fahrrad. Es komme darauf an, eine intelligente Verzahnung von öffentlichem Nahverkehr und privaten Bedürfnissen zu schaffen. "Wir bauen für eine andere Generation. Nicht jeder wird in Zukunft ein Auto haben", betonte Seitz.

Das Gremium segnete das vorgestellte Fachkonzept einstimmig ab und ebnete so den Weg für den Förderantrag.