So soll der neue Bahnhofsvorplatz einmal aussehen – die Arbeiten dafür haben begonnen. Links zu erkennen ist das Stadthaus, das dem Platz eine klare raumordnerische Kante geben soll. Foto: Visualisierung

Es ist der letzte Mosaikstein, der bei der Neugestaltung des Balinger Bahnhofsumfelds noch fehlt – das sogenannte Stadthaus, das dem Platz eine klare Kante geben soll. Drei Architekten sind nun damit beauftragt, die städtebaulich beste und attraktivste Lösung vorzulegen.

Balingen - Ende vergangener Woche ist die sogenannte Mehrfachbeauftragung – ein kleiner Wettbewerb – von Investor Joachim Feyrer und der Stadtverwaltung, vertreten durch Baudezernent Michael Wagner und Stadtplanerin Nadine Wißmann, auf den Weg gebracht worden. Die beiden Balinger Architekturbüros Schairer und Partner sowie Wäschle und das Rosenfelder Büro Archisphäre von Nadine Preuhs sind nun gefordert, bis Ende Juni Planungen für das Stadthaus vorzulegen. Kurze Zeit später entscheidet eine Jury unter Einbeziehung des Gemeinderats, welche der vorgelegten Pläne umgesetzt werden soll.

Feyrer nennt das Vorhaben insgesamt eine "sportliche Aufgabe". Zweifel daran, dass die Büros gute Entwürfe vorlegen werden, hat er nicht. Allerdings drängt die Zeit: Das Stadthaus soll – wie der Bahnhofsvorplatz selbst sowie der gegenüberliegende neue Württemberger Hof – bis zur Gartenschau 2023 fertiggestellt sein.

Darin ansiedeln soll sich auf zwei Etagen Gewerbe. Das Gebäude wird in etwa so hoch wie das daneben befindliche frühere Posthaus, das derzeit das letzte in der Bebauungsreihe vor dem Bahnhofsvorplatz ist. Künftig soll das neue Stadthaus dem Vorplatz eine klare raumordnerische Kante geben; so sieht es der Entwurf vor, mit dem das Berliner Büro Holzwarth den Wettbewerb zur Neugestaltung des Areals gewonnen hatte.

Widerstand gegen Querbau

Die Ergebnisse dieses großen Wettbewerbs liegen seit 2017 vor, bis es nun endlich zum "kleinen Wettbewerb" kommen konnte, hatte viele Gründe. Zunächst einmal gab es reichlich grundsätzlichen Widerstand gegen den einst so genannten Querbau als neues Gebäude auf dem Vorplatz.

Ebenso mussten die eigentumsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden; schlussendlich geschah dies in den vergangenen Monaten in mehreren Schritten: Die Stadt kaufte dem früheren Eigentümer Peter Seifert den Bahnhofsvorplatz ab. Dann kam es zum Grundstückstausch zwischen der Stadt und Joachim Feyrer, dem Eigentümer der Bahnhofsgaststätte.

Vereinfacht gesagt gab er dieses Grundstück an die Stadt, damit diese dort den Platz vergrößern kann, und er erhielt dafür das Baugrundstück in Richtung Bahnhofstraße am Rande des Platzes für den Neubau. Zwischen diesem und dem Post-Gebäude soll auch künftig die Straße in Richtung Lindle und den dortigen Parkplätzen verlaufen.

Für Feyrer ging mit dem Tausch eine jahrzehntelange Hängepartie zu Ende; er sagt selbst, dass er einen "langen Atem" gebraucht und auch gezeigt habe. Im Herbst 2001 hatte Feyrer die Bahnhofsgaststätte auf Bitten des damaligen Oberbürgermeisters Edmund Merkel erworben – und so verhindert, dass diese zur Spielhalle wird. Seitdem lag das Gebäude brach, wurde nicht mehr genutzt – auch wenn Feyrer es zumindest von außen in Schuss hielt.

Die lange andauernden Überlegungen zur Zukunft des Holzverladeplatzes entlang der Schienen am Lindle neben dem Bahnhof sowie die ebenso zeitraubenden Planungen für den neuen Bahnhofsvorplatz verhinderten über nunmehr fast 20 Jahre die Weiternutzung des Gebäudes. Nun steht dessen Abriss an.

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