Der Haslacher Bahnhof ist nicht barrierefrei. Aufzüge würden hohe Kosten bedeuten. Aus dem Rat gibt es Bedenken. BUND und „Lebenswertes Kinzigtal“ sind alarmiert.
Erneut wird der Haslacher Bahnhof beziehungsweise die Frage, wie er barrierefrei wird, Thema im Haslacher Gemeinderat sein. Nachdem ein Planungsbüro dem Gremium bereits im Oktober verschiedene Möglichkeiten erörtert hatte, wie und wo die dafür erforderlichen Aufzüge installiert werden könnten, hatten mehrere Räte Bedenken wegen der hohen Kosten geäußert.
Einige plädierten dafür, das Projekt zu begraben. 3,3 Millionen Euro sollte es kosten, nach Abzug der möglichen Förderungen bliebe der Stadt ein Eigenanteil von 1,14 Millionen Euro. Bei seiner Sitzung im Am morgigen Dienstag, 18. November, um 18 Uhr im Sitzungssaal des Haslacher Rathauses wird das Planungsbüro den finalen Entwurfsvorschlag vorstellen. Der Rat wird danach entscheiden, ob er den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs mit drei Aufzügen voranzutreiben will. In diesem Fall wird er des Weiteren einen Antrag zur Aufnahme in das Förderprogramm des LGVFG für den Neubau für den Bau der Aufzüge stellen.
Im Vorfeld der Sitzung hat äußern sich der BUND und der Verein „Lebenswertes Kinzigtal“ in einer Pressemitteilung „besorgt über die jüngsten Signale aus dem Gemeinderat zur Zukunft eines barrierefreien Bahnhofs in Haslach“. Dass diese beiden Fraktionen erklärt hatten, dass sie den Antrag zur Aufnahme in das Förderprogramm des Landes vermutlich ablehnen werden, stößt bei den beiden Vereinen auf Unverständnis.
Unverständnis bei Initiativen
„Wieso will man eine beauftragte Planung, bereits mit der Deutschen Bahn (DB) abgestimmt, bezahlen und dann nicht weiter benutzen?“, fragen sie. BUND und „Lebenswertes Kinzigtal“ erinnern daran, dass die DB deutlich gemacht habe, dass sie selbst den Bahnhof nicht vor 2030 in die Planungen mitaufnehmen wird. Ohne die Aufnahme in das Landesförderprogramm würde eine barrierefreie Umgestaltung der Bahnunterführung somit vermutlich um Jahrzehnte verzögert.
DB wird Bahnhof nicht vor 2030 in Planung aufnehmen
„Wir sprechen hier nicht über ein ‚Nice to have‘, sondern über Grundversorgung und Teilhabe“, so die beiden Gruppen. „Ein Bahnhof, der nur von Menschen genutzt werden kann, die gut zu Fuß sind, ist kein moderner Bahnhof – und er passt nicht zu einer Stadt, die altersgerecht, offen und zukunftsfähig sein will.“
Der barrierefreie Ausbau sei nicht nur ein Thema von Inklusion, sondern auch von Verkehrswende, Klimaschutz und Standortattraktivität. Wer in Haslach umsteigt, pendelt oder zu Besuch kommt, müsse unkompliziert und sicher ankommen und abreisen können. Dass CDU und Freie Wähler trotz dieser Bedeutung den Antrag ablehnen möchten, sei „nicht nachvollziehbar und politisch kurzsichtig“, wird Lu Martin vom BUND in der Mitteilung zitiert.
Allerdings heißt es dort auch: „BUND und Lebenswertes Kinzigtal wissen natürlich, dass es nicht Aufgabe der Stadt ist, die Bahnunterführung umzubauen. Dennoch solle man zumindest den Antrag auf Aufnahme in das Förderprogramm stellen. Wer weiß wie die finanzielle Situation in zehn Jahren sein wird?“ Stoppen könnte man dieses „städtische Projekt“ dann immer noch, nicht aber zum jetzigen Zeitpunkt. „Die Bahnunterführung verbindet auch die Ortsteile Haslachs miteinander. Es muss Ziel sein, diese Unterführung zeitnah barrierefrei zu gestalten“, wird auch Wolfgang Schmid vom „Lebenswerten Kinzigtal“ zitiert.
Die beiden Vereine appellieren in der Mitteilung deshalb an alle Gemeinderäte, am Dienstag ein klares Signal an die Menschen in Haslach und Umgebung zu senden.
Treffen vor dem Rathaus
Um ihrer Forderung nach einem barrierefreien Bahnhof zu unterstreichen, treffen sich die Gruppen vor der Gemeinderatssitzung am 18. November vor dem Rathaus, um anschließend die öffentliche Gemeinderatssitzung zu besuchen. Mitbürger sind dazu eingeladen.