Das Angebot, Autos kurzzeitig und flexibel zu mieten, könnte es künftig auch in Baiersbronn geben.
Bürgermeister Michael Ruf erklärte in der Ratssitzung, dass die Firma Deer aus Herrenberg als Carsharing-Anbieter bereits Standorte im Landkreis Freudenstadt habe. Nun könne man sich auch in Baiersbronn eine Zusammenarbeit vorstellen.
Jan Riel von der Hochschule in Karlsruhe stellte die Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Carsharing im Hochschwarzwald vor. „Die Auswertung zeigt, dass Carsharing nur dann erfolgreich funktioniert, wenn es in Verbindung mit einem gut ausgebauten ÖPNV-Angebot steht“, sagte Riel. Für Baiersbronn komme als Standort der Bahnhof in Frage.
In Baiersbronn bestehe kein akuter Mangel an Mobilitätsangeboten, so Riel. Die Motivation für die Nutzung von Carsharing-Angeboten liege meist an ökologischen Beweggründen. „Wir haben festgestellt, dass mindestens drei Autos pro Station für eine Kommune wie Baiersbronn wichtig sind, damit ein ausreichendes Sicherheitsgefühl für die Nutzer entsteht“, sagte der Fachmann.
Bahnhof „idealer Standort für den Start“
Die Firma Deer habe sich auf Angebote im ländlichen Raum spezialisiert. Ziel sei es, in die Fläche zu gehen und dadurch wirtschaftlich zu arbeiten. Eine Zusammenarbeit mit „Deer“ sei grundsätzlich sehr gut vorstellbar, der Bahnhof in Baiersbronn sei dabei der ideale Standort für den Start.
Bürgermeister Ruf ging auf die Bedeutung des Projekts „move.mORe“ ein, von dem er wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen erwartet. Gemeinderat Michael Seitz (SPD) sagte, er könne sich durchaus so ein Angebot in der Gemeinde vorstellen. Auch für den Tourismus könne dies interessant sein. Wichtig sei aber, auch wirtschaftliche Vernunft walten zu lassen – die Gemeinde dürfe keine übermäßigen Kosten tragen.
Experte: Carsharing wird rege genutzt
Ordnungsamtsleiter Marko Burkhardt sagte zu einer entsprechenden Frage von Ingo Christein (CDU), dass bisher die Wartung der Autos noch kein Thema war. Es gehe zunächst darum, über das Votum des Gemeinderats weitere Prüfungen zum Projekt vorzunehmen und Informationen zu sammeln.
Zu einer Frage von Lutz Hermann (FDP/UBL) erklärte Jan Riel, dass Carsharing immer noch sehr rege genutzt werde und keineswegs auf dem absteigenden Ast sei.
Kooperation mit Hochschule geht weiter
Gerhard Gaiser (SPD) meinte, dass so ein Angebot eher in den Großstädten genutzt werde. Allerdings könne er sich für Baiersbronn ein Pilotprojekt vorstellen, um entsprechende Erfahrungen zu sammeln.
Christine Günter (Freie Wähler) bat darum, Erfahrungsberichte aus Freudenstadt anzufragen, da es dort bereits so ein Angebot gebe.
Einstimmig beschloss der Gemeinderat, zusammen mit „move.mORe“, also mit der Hochschule Karlsruhe, weitere Erkenntnisse und praktische Lösungen zu sammeln und diese dann für Baiersbronn wissenschaftlich auszuwerten.
Was sich hinter „move.mORe“ verbirgt
Das Projekt
„move.mORe“ – Nachhaltige Mobilität in der Oberrheinregion – ist ein gemeinsames Verbundvorhaben der Hochschule Karlsruhe (HKA) und der Hochschule Offenburg (HSO). Es wurde im Rahmen der Förderinitiative Innovative Hochschule bewilligt und läuft seit Januar 2023 und bis Dezember 2027.
Die Ziele
Das Projekt hat folgende Hauptziele: Förderung einer nachhaltigen Mobilität von Personen und Gütern insbesondere in ländlichen Regionen der Oberrhein-Region; Vernetzung von Forschung, Wirtschaft, öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft, damit Innovationen nicht isoliert bleiben, sondern in der Praxis wirken; Entwicklung und Umsetzung regionalspezifischer Lösungen: zum Beispiel kürzere Wege, multimodale Logistik, Radverkehrsnetze, Energiesysteme, digitale Vernetzung; Technologietransfer und Wissensvermittlung: nicht nur Forschung betreiben, sondern Ergebnisse in die Region bringen und dort erproben.