Am Bahnhaltepunkt Loßburg-Rodt halten derzeit kaum noch Züge. Der geplante Ausbau ist vorerst gestoppt. Foto: Christiane Frey

Nach Enderles Einschätzung ist Loßburg nun „für mindestens zwei Jahre abgehängt“. Züge halten kaum mehr am Bahnhaltepunkt Loßburg-Rodt, der eigentlich zum multimodalen Mobilitätsknoten werden sollte. Loßburg und Schenkenzell machen Druck.

Seit dem Fahrplanwechsel am 8. Dezember halten in Loßburg nur noch wenige Züge – wochentags nach 8.30 Uhr und vor 23 Uhr ausschließlich der Schülerzug um 12.26 Uhr. Für die seit diesem Termin eingesetzten neuen Züge auf der Kinzigtalstrecke ist der Einbau einer Weiche am Freudenstädter Hauptbahnhof erforderlich. Diese Baumaßnahme könne frühestens zum Jahresende 2026/2027 fertiggestellt werden, so die Deutsche Bahn (DB). Der Unmut in Loßburg über diese Entscheidung ist riesig.

 

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats machte Bürgermeister Christoph Enderle seinem Ärger Luft. „Ich finde es unmöglich, dass mir vom Landrat zufällig ausgerichtet wird, dass Loßburg für mindestens zwei Jahre nahezu komplett abgehängt wird.“ Enderle hat den Kampf mit dem „Dinosaurier Deutsche Bundesbahn“ aufgenommen – und entnervt resigniert. „Man scheitert schon am Telefon im Zuständigkeitsgewirr der Bahn, man wird einfach abgeschmettert“, berichtete er dem Gremium. Zumindest eine frühzeitige Information seitens der DB hätte sich Enderle gewünscht.

Während dieser Zeit wird ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingesetzt werden, die Kosten trägt das Land Baden-Württemberg, also eigentlich der Steuerzahler. Auch die Gemeinde Schenkenzell sei von der DB aus dem Fahrplan gestrichen worden, dafür gebe es in Halbmeil noch einen und in Schiltach sogar zwei Haltepunkte. Diese Information sorgte für Erstaunen und eine breite Diskussion.

Nachteile für den Tourismus befürchtet

Vor allem für den Tourismus befürchtet die Gemeinde Loßburg Nachteile, denn sie bewirbt den Kinzigtalradweg. Wer diesen in Richtung Offenburg befährt, kann allerdings dann auf dem Rückweg nicht in Loßburg aussteigen, sondern muss nach Freudenstadt weiterfahren. Die Busse von Freudenstadt nach Loßburg befördern jedoch keine Fahrräder. Von da gibt es zudem keinen Alltagsradweg nach Loßburg. Den wünscht sich die Gemeinde schon seit 15 Jahren, die Topographie ist schwierig und eine mögliche Trasse würde entlang der Bahnlinie führen, was bisher bei der DB auch keine Begeisterung ausgelöst hat.

In Loßburg war eigentlich geplant, den Bahnhaltepunkt zu einem multimodalen Mobilitätsknoten auszubauen. Dort sollten auch Busse halten können, Gehwege angelegt werden, eine Ladestation für E-Fahrzeuge und E-Bikes sollte entstehen, die Möglichkeit zum Carsharing war angedacht. „Diese Pläne haben wir aus dem Haushalt 2025 gestrichen, denn wir wissen nicht, ob die Bahn ab 2027 überhaupt in Loßburg wieder halten wird“, informierte Enderle den Gemeinderat.

Postkartenaktion gestartet

Zusammen mit der Gemeinde Schenkenzell hat Loßburg eine Postkartenaktion unter der Überschrift „Die Weiche muss kommen“ auf den Weg gebracht. Der Plan: Möglichst viele dieser Postkarten sollen losgeschickt werden. Sie richten sich an Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen). Er soll dadurch aufgefordert werden, sich dafür einzusetzen, dass die Bauarbeiten zeitnah von der DB in Angriff genommen werden. Und auch an den Vorstandsvorsitzenden der DB InfraGo AG, Philipp Nagl, richtet sich die Aktion.