Die Bahngleise kreuzen bei Allmendshofen einen landwirtschaftlichen Weg, den auch viele Radfahrer und Fußgänger nutzen. Foto: Daniel Vedder

Bahnübergang weg, Umweg her? In Donaueschingen wächst der Widerstand gegen Pläne der Deutschen Bahn im Riedgraben.

Es ist ruhig im Donaueschinger Riedgraben. Ein Spaziergänger läuft zur Mittagszeit auf dem kleinen asphaltierten Weg von der Bundesstraße 27 kommend in Richtung Allmendshofen. Gleichzeitig rauscht wenige hundert Meter entfernt ein Liegerad über einen Bahnübergang.

 

Auf vier Rädern ist in diesem Moment wenig Verkehr unterwegs. Kein Wunder, denn das Verbindungsstück zwischen Allmendshofen und Haberfeld ist für landwirtschaftlichen Verkehr vorgesehen.

Aber braucht es diese Querung dann überhaupt noch? Diese Frage hat sich die Deutsche Bahn allgemein gestellt und in den vergangenen Monaten rund um die Donauquellstadt Bahnübergänge auf ihre Notwendigkeit geprüft. Zum Übergang im Riedgraben hatten DB und der Donaueschinger Gemeinderat nun Redebedarf.

Die Bahn ist nämlich zum Schluss gekommen, dass die Querung fallen gelassen werden sollte. „Hier sind relativ viele Fahrradfahrer und Fußgänger unterwegs, die den Übergang kreuzen“, sagt DB-Vertreter Florian Betz im Technischen Ausschuss des Gremiums.

Umleitung erdacht

Eine Zählung über drei Tage habe demnach ergeben, dass im Schnitt fast 200 Radfahrer an dieser Stelle unterwegs seien. Hingegen hätte das Unternehmen bei seiner Analyse nur knapp 40 Kraftfahrzeuge pro Tag gezählt, davon sieben aus der Landwirtschaft.

Ein Umleitungskonzept hat sich die Bahn dafür auch überlegt. Wer zu Fuß oder nur auf zwei Rädern unterwegs ist, sollte in diesem Fall von Allmendshofen kommend nicht mehr nach Norden über die Querung in Richtung Haberfeld geleitet werden. Die Ersatzroute führt 300 Meter weiter über den neuen Rad- und Fußweg direkt an der Bundesstraße.

Anders würde sich die Situation bei einer Aufhebung für Autos und landwirtschaftliche Fahrzeuge darstellen. „Für Autos ist dieser Weg zu schmal. Die Umleitung wäre dann vier Kilometer lang.“ Eine Option, die bei den Ausschussmitgliedern keine Zustimmung findet.

FDP/FW-Stadtrat Max Wolf ist als Landwirt selbst im Riedgraben unterwegs. Foto: Johann Müller-Albrecht

FDP/FW-Stadtrat Max Wolf ist als Landwirt selbst vor Ort involviert, er wäre von einer Umleitung durch die Stadt massiv betroffen. Er sagt, die Kreuzung ist nicht nur für ihn entscheidend, sondern für den kompletten landwirtschaftlichen Verkehr, der zwischen Blumberg und Villingen unterwegs ist und nicht über die B 27 darf. Das sei substanzieller als in der Zählung über die drei Tage festgestellt wurde. „Ich fahre jeden Tag darüber. Aus Erfahrung kann ich sagen: Es sind in der Regel deutlich mehr Fahrzeuge als die festgestellten Zahlen.“

Folgen für die Stadt befürchtet

Diesen Verkehr umzuleiten, sei nicht nur für betroffene Landwirte ein enormer Umweg, sondern eine große Belastung für den Verkehr in der Stadt, wenn die schwere Maschinerie etwa über den Hindenburgring geleitet würde.

Auch die mögliche Umleitung für Radfahrer und Fußgänger stößt auf Gegenwind, unter anderem von Ralf Gliese (GUB) und Annie Bronner. „Die Umleitung entlang der Bundesstraße ist für Familien mit Kindern auch sehr unschön“, so Bronner. Sie bezeichnet die Lösungsansätze der Bahn als unkreativ.

Alternative wäre wohl teuer

Die Alternative zur Aufhebung der Querung, so Florian Betz, sei eine komplette Erneuerung des Kreuzungspunkts. Dieser müsse bei einem Fortbestand etwa breiter gemacht werden, um moderne Sicherheitsstandards zu erfüllen. In vergleichbaren Fällen habe das die Bahn etwa 1,5 Millionen Euro gekostet, erklärt Betz.

Der DB-Vertreter sagt, er könne die Enttäuschung verstehen, allerdings müsse die Bahn auch Vorgaben der Bundesbehörde und gesetzlichen Regelungen dafür erfüllen, wie Übergänge gestaltet sein müssen. Zudem würde jeder Bahnübergang weniger zugleich eine potenzielle Fehlerquelle weniger und mehr Zuverlässigkeit bedeuten.

Weiter Redebedarf

Für die Bahn als Betreiberin der Gleise und zahlungspflichtige Partei für eine eventuelle Erneuerung wäre die Aufhebung der Querung günstiger. Zugleich möchte das Unternehmen bewusst in den Austausch mit der Stadt treten, um eine passende Lösung für alle Beteiligten zu finden. Das muss sie laut Eisenbahnkreuzungsgesetz auch. Gelingt das nicht, müsste die zuständige Stelle – wohl das Regierungspräsidium – eine Anordnung zum weiteren Vorgehen erteilen. Damit dürfte es mit dem Redebedarf zwischen Stadt und Bahn also noch nicht erledigt sein.

Eisenbahnkreuzungsgesetz

Die Prüfungen
Die Deutsche Bahn hat rund um Donaueschingen sogenannte Entfallensprüfungen an Bahnübergängen vorgenommen. Diese Prüfungen führt das Unternehmen im Zusammenhang mit dem Eisenbahnkreuzungsgesetz aus. Die Rechtslage
Das Gesetz regelt, wie genau Kreuzungen zwischen Straße und Schienen aussehen müssen. Untersucht wird dabei, ob eine Kreuzung durch eine Überführung, Unterführung oder ersatzlose Schließung entfallen kann.