Basel plant das sogenannte Herzstück neu: Die unterirdische Durchmesserlinie zwischen Bahnhof Basel SBB und Badischer Bahnhof soll ohne Haltestellen in der Innenstadt realisiert werden. Foto: Michael Werndorff

Die beiden Basel setzen sich in Bern neu für eine schnell realisierbare, unterirdische Durchmesserlinie zwischen dem Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof ein.

Eine neue Verbindung zwischen dem Bahnhof Basel SBB und dem Badischen Bahnhof ist zwingend für einen grundlegenden Ausbau des triregionalen S-Bahn-Systems, wie es in einer Medienmitteilung der Regierungen von Kanton Basel-Stadt und Baselland sowie der Handelskammer beider Basel heißt.

 

Diese Verbindung wollen die Kantone nun schnell vorantreiben und dafür im nächsten Bahnausbauschritt bis 2045 auf das Großprojekt Herzstück mit Tiefenbahnhof verzichten. Die reine Durchmesserlinie könne hingegen „in einem überschaubaren Zeitrahmen umgesetzt“ und finanziert werden und habe eine große Wirkung.

Die Basler Verkehrsdirektorin Esther Keller (GLP) äußert sich zum vorläufigen Verzicht der beiden Basel auf das Herzstück. Drei „rote Flaggen“ seien entscheidend für das Umdenken entscheidend gewesen, sagte sie. Bei den roten Flaggen handelt es sich laut Keller um die zunächst gesteigerte Kostenprognose, die Meldung zur längeren Umsetzungsdauer und den Bericht Weidmann.

Klares Signal nach Bern

„Es ist ein klares Signal nach Bern, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, dass wir die Zeichen der Zeit gesehen haben und uns auf die Durchmesserlinie fokussieren“, sagte Keller zum Umdenken. Im Gegenzug für die Fokussierung fordert die Regierungsrätin vom Bundesrat, dass er die Durchmesserlinie im Januar in den Eckwerten der Verkehrspolitik verankert, wie sie sagte.

Die beiden Basel setzen sich in Bern neu für eine schnell realisierbare, unterirdische Durchmesserlinie zwischen dem Bahnhof SBB und dem Badischen Bahnhof in Basel ein. Damit ist das Großprojekt Herzstück vorerst vom Tisch.

Kritik an Gutachten

Noch im Oktober hatten sich die Kantone für einen Tiefenbahnhof im nächsten Ausbauschritt eingesetzt und das Gutachten von Ulrich Weidmann von der ETH Zürich kritisiert, in dem er das Herzstück depriorisiert hatte. Laut Mitteilung ist das Umdenken im Austausch mit dem Gutachter erfolgt.

Die neue, sechs Kilometer lange Durchmesserlinie soll die „umständlichen Spitzkehren in den beiden Bahnhöfen überflüssig machen“, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Weil im Gegenzug auf den Westasttunnel und unterirdische Haltestellen in der Stadt verzichtet werde, könne das Projekt für die Hälfte der Kosten des Herzstücks kosten und lasse sich schneller realisieren.

Den neuen Planungen zufolge soll die Station Mitte nicht gebaut werden. Foto: Herzog de meuron

„Mit der Fokussierung auf die Durchmesserlinie trägt die Region dem Umstand Rechnung, dass die Mittel für den Ausbau der Bahninfrastruktur limitiert sind. Aber jetzt muss es auch zügig vorwärts gehen“, wird die Basler Ständerätin Eva Herzog (SP) in der Mitteilung zitiert. Die Region Basel setzt sich schon seit langer Zeit für einen Ausbau des lokalen Bahnknotens ein. Sie befürchten, dass dieser bei unzureichender Kapazität zu einem Flaschenhals im S-Bahnverkehr und im internationalen Güterverkehr werden könnte.

Zuletzt wurde das Bahnangebot in der Region mit dem Fahrplanwechsel diesen Dezember ausgebaut. Es gibt nun bessere Verbindungen in die Westschweiz und auf der Strecke Basel-Olten. Die SBB und die BLS sprachen vom „größten Bahnausbau in der Nordwestschweiz in 20 Jahren“.

Die Reaktionen auf das neue Vorgehen sind gemischt: Der VCS beider Basel schreibt in seiner Medienmitteilung von einer Kapitulation, die die Gefahr bringe, dass Basel weiterhin lange auf eine echte trinationale S-Bahn warten müsse. Die Kantone hätten ihre Pläne reduziert, bevor klar gewesen sei, welche Schlüsse der Bundesrat aus dem Bericht von Ulrich Weidmann ziehe.

Bahnausbau gebremst

Zudem kritisiert der VCS, dass während der Bahnausbau „deutlich gebremst“ werde, beim von der Bevölkerung abgelehnten Rheintunnel keine Redimensionierung erfolge. Der Verein befürchtet eine Verlagerung zum umweltschädlichen Straßenverkehr. „Dies steht in krassem Widerspruch zum Willen der Bevölkerung“, heißt es.

Die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr Nordwestschweiz (IGöV) schlägt mildere Töne an. „Sollte es mit der Fokussierung auf die Durchmesserlinie gelingen, die Finanzierung des Lückenschlusses zwischen dem badischen und dem schweizerischen Bahnnetz verbindlich zu sichern, wäre dies ein großer Gewinn für das S-Bahnnetz der Region“, heißt es in deren Medienmitteilung.

Kurzfristige Maßnahmen umsetzen

Auf der anderen Seite fordert die IGöV die schnelle Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen, wie etwa der Ausbau der S-Bahn zum EuroAirport oder die konsequenten Umsetzung des Tramnetzes 2030. Auch sie spricht sich gegen den Rheintunnel aus und bedauert den Verzicht auf unterirdische Haltestellen und den Westanschluss, wie sie schreibt.

Die Grünen Baselland und Basel-Stadt schreiben in einer gemeinsamen Medienmitteilung, dass die Durchmesserlinie eine „sinnvolle Projektanpassung“ sei. Nach der Depriorisierung des Herzstücks im Gutachten „Verkehr 2045“, brauche es jetzt Tempo beim Ausbau des Bahnknotens Basel. „Mit der Durchmesserlinie erhält die Region die Chance, die S-Bahn substanziell zu stärken und den ÖV im Alltag vieler Pendelnden attraktiver zu machen“, heißt es seitens der Grünen.