Seit Herbst 2021 versucht die Bahn auf einem knapp sechs Kilometer langen Abschnitt der Gäubahn ein zweites Gleis zu verlegen. Der mehrfach verschobene Inbetriebnahmetermin platzt jetzt ein weiteres Mal.
Auf dem Vorhaben ruht kein Segen: Abermals muss die Deutsche Bahn (DB) eingestehen, dass der Ausbau der Gäubahn bei Horb nicht so vorangeht, wie geplant. Auf einem rund sechs Kilometer langen Abschnitt soll die bisher eingleisige Strecke um ein zweites Gleis ergänzt werden, um den Betrieb stabiler und weniger verspätungsanfällig zu gestalten. Die für Ende März angekündigte Inbetriebnahme des neuen Gleises ist schon wieder Makulatur. Nun soll es bis Ende des Jahres dauern. Ganz ursprünglich hätten die Arbeiten bereits im Oktober 2023 beendet sein sollen. Bahnexperten erwarten gravierende Folgen, die Bahn widerspricht dieser Sichtweise.
Es fehlen Kreuzungsmöglichkeiten
Auch nach mehreren Jahren der Ausbaubemühungen werde „die Strecke am 28. März zunächst eingleisig für den Zugverkehr öffnen“, erklärt eine Bahnsprecherin auf Anfrage. Was zunächst nach dem Wiederherstellen des status quo ante klingt, ist aus Sicht von Bahnexperten eine Verschlechterung. Zuvor in dem eingleisigen Abschnitt bestehende Kreuzungsmöglichkeiten, in denen sich Züge begegnen konnten, sind durch die Umbauarbeiten weggefallen. Der Abschnitt, in dem Züge in verschiedene Richtungen gleichzeitig unterwegs sein können, verlängere sich dadurch.
Die Bahn widerspricht dieser Analyse. Man sei „nach dem im Fahrplan vorgesehenen Angebot“ unterwegs. Das setzt allerdings voraus, dass eine zweite Baustelle an der Strecke – der Neubau einer Bahnbrücke über das Flüsschen Würm – tatsächlich termingerecht fertig wird. Auch dort hatte es in der Vergangenheit wiederholt Verzögerungen gegeben. Auch die Arbeiten am sogenannten Digitalen Knoten Stuttgart beeinträchtigen immer wieder den Verkehr auf der Gäubahn. „Nach Abschluss der Arbeiten für den Digitalen Knoten Stuttgart im Bereich Stuttgart-Vaihingen, Flughafen und Böblingen und dem Einschub des Würmviadukts in Ehningen fahren die Züge auf der Gäubahn dann wieder durchgehend zwischen Stuttgart und Singen“, so die Bahnsprecherin. Derzeit sind Fahrgäste auf Ersatzbusse angewiesen. Nach Beobachtungen von Fahrgästen hat deren Nutzung zuletzt stark nachgelassen, was die Vermutung nahelegt, dass die Menschen vom Zug aufs Auto umgestiegen sind.
Nochmals Sperrung zur Inbetriebnahme
Für die Verzögerung beim zweigleisigen Ausbau macht die Bahn äußere Umstände geltend. „Grund sind Eiswetter und extreme Niederschläge in den zurückliegenden Wochen sowie akute Material- und Personalengpässe“, sagt die Bahnsprecherin. Nach aktuellem Stand wolle man diese Widrigkeiten bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2024 überwunden haben und dann den zweigleisigen Streckenabschnitt in Betrieb nehmen. Allerdings müssen dazu noch „die notwendigen Tests und Abnahmen Anfang Dezember durchgeführt werden. Dafür ist eine kurze Sperrung der Bahnstrecke notwendig. Sobald die zugehörigen Fahrplankonzepte vorliegen, wird die DB dazu informieren“.