Teure Aufzüge, knappe Entscheidung: Haslach stellt Weichen für hindernisarmen Bahnhof – ein Thema der ganzen Region.
Die Entscheidung war denkbar knapp: Mit neun zu sieben Stimmen hat der Haslacher Gemeinderat am Dienstagabend dafür gestimmt, 1,14 Millionen Euro für drei Aufzüge ausgeben zu wollen, die den Haslacher Bahnhof barriereärmer machen. Sie würden es Menschen mit Handicap ermöglichen, Gleis zwei sowie den hinteren Ausgang des Bahnhofs zum Mühlengrün zu erreichen. Bisher gibt es dort nur Treppen. Im Vorfeld der Abstimmung hatte es hitzige Diskussionen darüber gegeben, ob die Stadt wirklich so viel Geld für eine Investition ausgeben sollte, die eigentlich von der Deutschen Bahn getätigt werden sollte. Der BUND und „Lebenswertes Kinzigtal“ setzten sich im Vorfeld der Ratssitzung für die Aufzüge ein.
Die Diskussion, ob Gemeinden sich selbst um den barrierefreien Ausbau der Bahnhöfe kümmern sollen, ist nicht neu. Auch in anderen Kommunen wurde sie bereits geführt. Vor allem in Hausach ging es jahrelang hin und her. Der Hausacher Bahnhof ist alles andere als barrierefrei. Zu Gleis zwei und drei führen, ähnlich wie in Haslach, nur Treppen – und die sind auch noch sehr steil. Selbst E-Bike-Fahrer haben Schwierigkeiten, ihr schweres Gefährt festzuhalten, wenn sie es auf der schmalen Radrampe abwärts schieben. Den Bahnhof barrierefrei oder zumindest barrierearm umzubauen, hätte mehrere Millionen Euro gekostet. Das Bahnhofsgelände sowie die Gleise in ihrem Besitz sind, wäre es, so war man sich in Hausach einig, Sache der Bahn gewesen, diese Kosten zu tragen und alles nötige in die Wege zu leiten.
Umbau in Hausach kostet 20 Millionen Euro
Doch jahrelang passierte nichts, so dass sich die Gemeinde bemühte, ihren Bahnhof in ein Förderprogramm aufnehmen zu lassen, denn dass Hausach die damals geschätzten Kosten von 20 Millionen Euro selbst aufbringen könnte, stand außer Frage.
Das gestaltete sich jedoch schwierig, denn die Station ist zwar klein, hat jedoch ein täglich hohes Fahrgastaufkommen. Damit fiel sie durchs Raster der meisten Förderprogramme. Im Frühjahr 2021 schien endlich eine Lösung in Sicht: Hausach wurde in das Förderprogramm „Investitionsoffensive 1000-Bahnhöfe-Programm“ aufgenommen, mit dem der Bund den barrierefreien Umbau von Bahnhöfen fördert. 20 Millionen Euro wollte die Bahn in Hausach investieren. Doch im Herbst 2022 zog sich das Land aus finanziellen Gründen aus dem Programm zurück, die 20-Millionen-Euro-Förderung wurde obsolet. Allerdings tat sich eine neue Möglichkeit auf: die Finanzierung über das Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG). Der Haken: Die Stadt müsste sich an den Kosten zum Umbau des Bahnhofs beteiligen – mit drei Millionen Euro, allerdings tranchiert auf mehrere Jahre. Auch im Hausacher Gemeinderat wurde 2023 kontrovers diskutiert, ob die Stadt Kosten tragen sollte, die eigentlich die Bahn als Inhaber des Bahnhofsgelände hätte stemmen sollen. „Wenn die Kommunen nicht aushelfen, wird gar nichts passieren“, fasste Bürgermeister Wolfgang Hermann damals zusammen. Der Rat stimmte schließlich – zähneknirschend dafür, den Kostenanteil zu tragen. Die Unterschrift unter dem ersten gemeinsamen Finanzierungsvertrag im August des vergangenen Jahres markierte den Startschuss für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs. Er soll sieben Jahre dauern.
Lange Wege und steileTreppen in Steinach
Auch der Steinacher Bahnhof punktet nicht in Sachen Barrierefreiheit. Am Steinacher Haltepunkt gibt es zwei Gleise: eins für die Züge in Richtung Villingen und eins für die, die nach Offenburg fahren. Wer den Bahnhof nutzen will und nicht gut zu Fuß ist, stößt auch dort auf steile Treppen und lange Wege – gerade, wer das Gleis nach Villingen nutzen will, muss vom Parkplatz aus einen Umweg von mehreren hundert Meter zurücklegen, um auf die andere Seit des Bahnhofs zu gelangen.
Der neu gewählte Bürgermeister Benedikt Eisele, der am 1. Dezember sein Amt antritt, hat sich schon während des Wahlkampfs mit dem Thema beschäftigt. Er versprach, sich bei Bahn, Bundes- und Landesverkehrsministerium für einen barrierefreien Steinacher Bahnhof einzusetzen. Dass die Gemeinde dafür selbst Geld in die Hand nimmt, sei in der momentanen Situation schwierig, erklärt Eisele im Gespräch mit unserer Redaktion. „Am politischen Willen das umzusetzen mangelt es mir nicht. Aber die Kommunen sind finanziell alle am Anschlag. Die ersten müssen Schulden machen, nur um ihren Kernhaushalt auszugleichen. Wir sind davon abhängig, dass Bund und Länder uns helfen“, sagt er.
Der Bahnhof stünde zusammen mit anderen Dingen auf einer langen Wunschliste. Im Januar im Rahmen der Haushaltsbesprechungen müsse man schauen, welche Investitionen noch möglich seien. „Wir müssen Prioritäten setzen und werden einige unangenehme Entscheidungen treffen müssen“, blickt Eisele voraus.
Andere Bahnhöfe im Tal
Die Stationen in Hornberg, Wolfach und Halbmeil sind ebenerdig oder haben nur ein Gleis. Ein barrierefreier Ausbau stand dort aus diesem Grund nie zur Diskussion.