Die Diskussion um eine Bahnanbindung an Stuttgart ist uralt (Archivbild). Foto: Thomas Fritsch

Der Verwaltungs- und Wirtschaftsausschuss des Kreises Calw diskutiert die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. Der Ausschuss favorisiert andere Lösungen als die Magnetschwebebahn.

Nach vielen Jahren verbindet die Hermann-Hesse-Bahn ab Ende Januar Calw und Weil der Stadt mit dem Zug. Die große Kreisstadt ist damit per Schiene an die Region Stuttgart und das dortige S-Bahn-Netz angeschlossen. Solche Ideen gibt es auch in Nagold. In der Vergangenheit wurden viele Optionen diskutiert. Die Landkreise Calw und Böblingen haben mit dem baden-württembergischen Verkehrsministerium eine Machbarkeitsstudie beauftragt. Die Zwischenergebnisse diskutierte nun der Verwaltungs- und Wirtschaftsausschuss.

 

S-Bahn Hier ist das Ziel die Verlängerung der S1-Linie nach Nagold. Die fährt über Stuttgart bis nach Kirchheim unter Teck. In die andere Richtung endet sie bisher in Herrenberg. Es gibt verschiedene mögliche Trassen für die Verlängerung: über Mötzingen, über Haslach, über Öschelbronn. Doch letztlich ist für das letzte Stück nach Nagold immer ein Tunnel nötig. Und der ist teuer. Deshalb schneidet die S-Bahn-Verlängerung im Kosten-Nutzen-Verhältnis schlecht ab. Sie erreicht hier maximal einen Faktor von 0,75. Um eine Förderung zu bekommen, muss dieser Faktor mindestens bei 1 liegen.

Eine andere Zahl fällt aber ins Auge: Der möglichen S-Bahn-Verbindung bescheinigt die Studie die höchsten Fahrgastzahlen – eben weil eine direkte Verbindung nach Stuttgart ohne Umstieg in Herrenberg möglich ist. Trotzdem: Je nach Trasse kostet die S-Bahn-Verlängerung bis zu 555 Millionen Euro. Die geringste Fahrzeit von Nagold nach Herrenberg wären 14 Minuten. Von da braucht die S-Bahn bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof nochmals 40 Minuten.

Metropolexpress mit Neubau Das gilt auch für die Variante Metropolexpress (MEX). Mittels Neubaustrecke soll der MEX von Stuttgart nach Freudenstadt künftig über Nagold fahren. Die Trasse der Schiene verläuft in dieser Variante über Jettingen. Auch hier ist für das letzte Stück nach Nagold aber ein Tunnel nötig. Und auch hier belastet dieser das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Unterm Strich steht ein Faktor von 0,48. Das ist der niedrigste Wert aller untersuchten Varianten. Auch, weil der Neubau rund 480 Millionen Euro teuer wäre. Der MEX bräuchte von Nagold nach Herrenberg 14 Minuten.

Magnetschwebebahn Diese Variante wäre im Regelbetrieb in Deutschland ein Novum. Die Magnetschwebebahn des Transport System Bögl (TSB) verbände Nagold mit Herrenberg über Jettingen. Dazu kämen Haltepunkte am Eisberg und in der Nagolder Kernstadt bis nach Iselshausen. Die TSB-Strecke verläuft auf Betonstützen. Deshalb können Geländeunterschiede ausgeglichen werden. Es ist kein Tunnel nötig. Ebenso verkehrt die Magnetschwebebahn automatisiert und autonom. Dadurch sind die Betriebskosten niedriger, der Takt höher als bei anderen Varianten. All das hilft beim Kosten-Nutzen-Verhältnis. Das TSB erreicht hier den höchsten Faktor mit 1,19. Kosten würde diese Variante rund 294 Millionen Euro. Auch das TSB bräuchte 14 Minuten bis Herrenberg.

Doch im Ausschuss stieß das TSB auf wenig Gegenliebe. Denn dass TSB-System sei nicht in das normale Schienennetz integrierbar, so Rainer Prewo (SPD). Andere Züge können auf der Magnetschwebebahn eben nicht fahren. Und, so fügte Jürgen Großmann (CDU) an, es gebe das TSB in der Praxis noch gar nicht. Michael Stierle, Abteilungsleiter ÖPNV, erklärte, dass man auch Reparaturmöglichkeiten vor Ort brauche, die es für das TSB noch nicht gebe.

Stadtbahn In einer Stadtbahn könnten zwar weniger Menschen fahren, als in einer S-Bahn oder einem MEX. Allerdings können Stadtbahnen bauartbedingt höhere Steigungen überwinden. Auch diese Variante bräuchte also keinen teuren Tunnel nach Nagold. Die Trasse ist über Jettingen, den Eisberg und Haltestellen in der Nagolder Kernstadt geplant. Zusätzlich könnte die Stadtbahn die Gleise der Ammertalbahn nach Tübingen nutzen und den Nagoldern so eine umstiegsfreie Fahrt dorthin ermöglichen. Dabei sollen TramTrains zum Einsatz kommen. Die können sowohl auf Stadtbahn- als auch auf Eisenbahngleisen fahren. Genutzt wird das schon auf der Wildbader S-Bahn-Linie. All das wirkt sich positiv auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus. Der Faktor liegt bei 1,14. Die Stadtbahn würde rund 223 Millionen Euro kosten. Sie bräuchte auf dieser Trasse rund 16 Minuten bis Herrenberg.

Prewo befürwortete diese Variante. Schon vor drei Jahren habe man gewusst, dass die Stadtbahn die beste Lösung sei. Es sei schön, dass die Studie das nun belege. Die Untersuchung zeige insbesondere den Nutzen für das gesamte Schienennetz durch den Bau der Stadtbahnstrecke.

Metropolexpress im Bestand Nagolds OB Jürgen Großmann favorisiert eine andere Lösung. Die untersuchten Varianten seien zwar tolle „Visionen“, aber es brauche kurzfristig umsetzbare Lösungen. Dazu gehörten optimierte Busverbindungen. Und Großmann sprach von einer MEX-Variante im Bestand. Dieser MEX-Zug könnte die Gleise der Nagoldtal- und der Gäubahn nutzen. Es bräuchte keine neuen Gleise oder einen teuren Tunnel. Die Idee: Ein Teil des MEX fährt in Nagold los und koppelt in Eutingen an den MEX aus Freudenstadt an. Dafür müsste man nur die Strecke bis nach Eutingen elektrifizieren.

Es gebe durch diese Variante einen Stunden-Takt ohne Umstieg bis nach Stuttgart, so Großmann. Bisher bremse bei dieser Variante aber das Land. Vermutlich, weil es Elektrifizierung und Betrieb allein bezahlen müsste, sagte Großmann. Bei den anderen Varianten müsste der Landkreis mitfinanzieren. Die Stadt Nagold lässt diese Variante des MEX im Bestand aktuell untersuchen. Ergebnisse soll es im März geben.

Bahn bis nach Altensteig?Rainer Prewo (SPD) brachte immer wieder nicht nur eine Anbindung Nagolds nach Herrenberg, sondern gleich die Verlängerung der Bahntrasse bis nach Altensteig ins Spiel. Die bringe noch mehr Nutzen, so Prewo. Auch der Kreistag habe sich dafür ausgesprochen. Abteilungsleiter ÖPNV Michael Stierle erklärte, dass diese Verlängerung untersucht worden sei. Aber die Variante sei sehr teuer und erreiche somit nicht das geforderte Kosten-Nutzen-Verhältnis, erklärte Abteilungsleiter ÖPNV Michael Stierle. „Die Anbindung ist viel zu teuer“, sagte auch Jürgen Großmann (CDU).

Wie geht es weiter? Der Landkreis möchte offene Fragen – zum Beispiel zum Betrieb der TramTrains – klären und die Ergebnisse der Nagolder Untersuchung aufnehmen. Anschließend wird eine erweiterte Machbarkeitsstudie mit Vorplanung erstellt. Bis zu einer möglichen Realisierung stehen aber mindestens noch zwei weitere Planungsstufen an. Es ist also bei Weitem noch nicht sicher, ob eine der diskutierten Varianten wirklich kommt.