Soll mit der Regionalstadtbahn Horb-Tübingen verschwinden: Der Lokführer sperrt mit einer Kette den Bahnsteig-Übergang am Bahnhof Eyach ab, damit niemand vor den Zug aus Tübingen läuft. Foto: Lück

Das wird vielen Bahnpendlern in Horb doppelt aufstoßen: Der Landkreis Tübingen setzt sich für die Gäubahn-Umleitung über Tübingen ein. Bei der neuen Regionalstadtbahn gönnen die Tübinger dagegen Eyach und Horb nicht mal einen Halbstundentakt.

Horb/Tübingen - Die Umleitung während der Gäubahn-Umleitung über Tübingen im Sommer hat den Reporter echt gestresst. Absurde Szenen am Bahnhof Eyach, als der Lokführer einfach ausgestiegen ist, um per Kette zu verhindern, dass Leute für den Zug von Tübingen aus laufen. Soll alles besser werden mit der Regionalstadtbahn Zollern-Alb.

Aber: Jetzt kommt raus, das sowohl Eyach als auch Horb bei der schnellen, elektrifizierten Verbindung abgehängt werden sollen. Und Horb zum doppelten Verlierer werden könnte.

Letzter Halt im Halbstundentakt hinter Tübingen: Bieringen

Denn: Es wird zwar ein Halbstunden-Takt auf der Strecke zwischen Tübingen und Horb während der Hauptverkehrszeit geben. Aber: Der letzte Halt für den 30 Minuten-Takt von Tübingen aus gesehen: Bieringen. Sozusagen die Milchkanne.

Sulzau, Börstingen, Eyach; Mühlen und Horb sollen weiter nur im Stunden-Takt bedient werden. Das sagen die Vorplanungen des Landkreises Tübingen, die am 12. Oktober im dortigen Kreistag beschlossen wurden.

Bürgermeister Noé: "Kein gutes Angebot"

Das stößt nicht nur Starzachs Bürgermeister Thomas Noé auf. Er sagt: "Der Halbstundentakt muss in der Hauptverkehrszeit bis Horb a. N.ckar geklärt werden. Sollte der Halbstundentakt während der Hauptverkehrszeit nur bis Bieringen bleiben, wird das für viele Berufspendler zwischen Bieringen und Horb kein gutes Angebot sein!"

In der gleichen Drucksache wird auch noch das Bemühen der Tübinger geschildert, den Horbern die Direktverbindung Richtung Böblingen und Stuttgart wegzunehmen. Die ganze Region Neckar-Alb hatte gefordert, die Gäubahn während der Interimszeit – bis die Flughafentunnel des Pfaffensteigtunnels stehen – über Tübingen und Reutlingen umzuleiten. Dagegen wehrt sich unter anderem Horbs OB Peter Rosenberger, auch Vize-Vorstand der Interessengemeinschaft Gäubahn.

Tübingen will Gäubahn-Umleitung

In der Drucksache zur Regionalstadtbahn heißt es dazu: "Eine von der Region Neckar-Alb angestoßene Lösung zur Aufrechterhaltung der Direktverbindung an den Hauptbahnhof Stuttgart wäre die Umleitung der Intercity-Züge Stuttgart-Horb-Singen-Zürich über Tübingen und Reutlingen. Für eine solche Umleitung ist die Elektrifizierung und der Streckenausbau der Oberen Neckarbahn erforderlich (…). Das Ausbauvorhaben würde somit im Rahmen einer Umsetzung durch die Deutsche Bahn aufgrund der übergeordneten Ziele und Belange eine höhere Umsetzungspriorität innerhalb des DB-Konzerns erlangen, als dies bei einer reinen Umsetzung als Streckenabschnitt der Regional-Stadtbahn Neckar-Alb der Fall wäre."

Klartext: Tübingen kämpft für die Gäubahn-Umleitung, weil sie hofft, dass auch die Elektrifizierung zwischen Horb und Tübingen damit beschleunigt wird. Und für Horb ist nicht mal eine Taktverbesserung vorgesehen, oder?

Landkreis Tübingen: "Aufwärtskompatibilität in Planungen"

Tübingens Landkreissprecherin Martina Guizetti: "Die Führung des Halbstundentakts in der Hauptverkehrszeit bis Bieringen ist nach den bisherigen Vorplanungen optimal. Da es uns ein wichtiges Anliegen ist, in vertretbarem Maß auch für künftige Angebotssteigerungen vorzusorgen, laufen aktuell Untersuchungen zu der Frage, ob und mit welchen zusätzlichen Maßnahmen eine Weiterführung des Verstärkerzuges in der Hauptverkehrszeit über Bieringen hinaus möglich wäre. Wir gehen aktuell davon aus, dass wir diese Aufwärtskompatibilität im Rahmen unserer Infrastrukturplanungen bereits berücksichtigt haben."