Die Arbeiten am Klinik-Campus in Offenburg laufen wieder. Noch verhandelt das Ortenau-Klinikum mit Versicherungen, wer die Kosten der Unterbrechung tragen wird.
Es stampft, scheppert und zischt – beim Besuch unserer Redaktion laufen die Gründungsarbeiten in der wohl größten Baugrube der Ortenau wieder auf Hochtouren. Turmhohe Baufahrzeuge bohren sich mehrere Stockwerke tief in den Untergrund, Radlader fahren Schotter umher, Betonmischer rollen heran.
Wo wieder große Betriebsamkeit herrscht, mussten die Arbeiten Mitte Oktober teilweise gestoppt werden. Betroffen war die Baugrube, in der die Energieversorgungszentrale des neuen Klinik-Campus entstehen soll. Nötig machten die Zwangspause auf dem Areal Risse im Boden. Die waren während der bisherigen Arbeiten auf der Baustelle aufgetreten – ein mögliches Zeichen dafür, dass der Untergrund weicher sein könnte, als ursprünglich berechnet. Ein überarbeitetes Konzept zur Baugrundverbesserung war erforderlich. Bereits Anfang Dezember meldete das Ortenau-Klinikum, dass die „Bauunterbrechung am Klinikneubau teilweise aufgehoben“ sei.
„Die Arbeiten auf der Baustelle des Klinik-Neubaus in Offenburg schreiten weiterhin gut koordiniert und ohne Unterbrechung voran“, erklärt Klinikum Chefin Claudia Bauer-Rabe auf Anfrage unserer Redaktion. Die zeitweise Unterbrechung im Oktober sei inzwischen vollständig beendet. Alle Maßnahmen liefen wieder planmäßig und ohne weitere Stillstandskosten. Konkrete Zahlen zu den Kosten der Unterbrechung sowie zum überarbeiteten Konzept könne das Klinikum erst nach Abschluss der laufenden Verhandlungen mit den Versicherungen abschließend ermitteln und benennen. Das Klinikum geht davon aus, dass ein Großteil der Kosten durch die Versicherung getragen wird. Versicherung und Gutachter waren vom ersten Tag der Unterbrechung an eng in den Prozess eingebunden.
Rohbau soll auch weiterhin im Frühjahr beginnen
Die Baugrundverbesserung durch sogenannte Rüttelstopfsäulen im Bereich der Energieversorgungszentrale wurde laut Klinikum mittlerweile vollständig abgeschlossen. Dabei kam ein sogenanntes Schneckenbohrgerät zum Vorbohren für die nachfolgende Ausfüllung der Rüttelstopfsäulen zum Einsatz. Eine Tragraupe mit Schleusenrüttler brachte dann das Material zur Baugrundverbesserung ein.
Im Bereich des eigentlichen Krankenhaus-Hauptgebäudes erfolgt die Stabilisierung des Untergrund durch die Herstellung von sogenannten Bohrpfählen – also Betonpfählen. „Auch diese Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss und verlaufen planmäßig“, erläutert Rainer Stapf, Geschäftsbereichsleiter Bau und Technik.
Rohbau soll bis Frühjahr stehen
Auch im Bereich des Multi-User-Zentrums (MUZ) gingen die Arbeiten nach dem im November überarbeiteten Konzept kontinuierlich und ohne Unterbrechung gut voran. „Die Ausführung der Rüttelstopfsäulen erfolge abschnittsweise und wird durch laufende Messungen sowie eine enge Begleitung und Überwachung durch den Prüfstatiker abgesichert“, versichert Stapf gegenüber unserer Redaktion. Alle bisher bearbeiteten Abschnitte wurden demnach durch den Prüfstatiker freigegeben, so dass die Herstellung der Rüttelstopfsäulen jeweils unmittelbar fortgesetzt werden konnte.
Sofern auch die verbleibenden Abschnitte planmäßig abgeschlossen werden, geht das Ortenau-Klinikum davon aus, dass die Arbeiten für die Erstellung des Rohbaus in allen drei Bereichen im Frühjahr beginnen können.
Info – Pfähle als Fundament
400 Meter Länge, 100 Meter Breite, bis zu acht Meter Tiefe – die Ausmaße der Baugrube am Offenburger Holderstock haben es in sich. Insgesamt wurden 190 000 Kubikmeter Erdreich bewegt. Auf 20 Hektar entsteht dort bis 2030 für insgesamt 690 Millionen Euro der neue Offenburger Klinikcampus. Allein das geplante „Klinikum der Maximalversorgung“ wird mehr als 724 Betten und 37 000 Quadratmeter Nutzfläche verfügen. Der Baukörper ist so schwer, dass 756 „Bohrpfähle“ sozusagen als Fundament in den Untergrund getrieben werden müssen.