Die Augen der Stadträte waren nicht nur auf die verschiedenen möglichen Varianten eines neuen Bades gerichtet, sondern auch auf den bevorstehenden Bürgerentscheid am 9. Juni. Aber zu einem Zentralbad an welcher Stelle sollen die Bürger dann „ Ja“ oder „Nein“ sagen?
Am Mittwoch in der Gemeinderatssitzung war Gregor Gülpen viel weniger Stadtwerke-Chef, als vielmehr potenzieller Betreiber eines ebenso potenziellen künftigen doppelstädtischen Bades – an ihm war es, den Stadträten die Ergebnisse der Bürgerbefragung zur Bäderlandschaft in VS zu erläutern, und auch die Ideen für ein mögliches Zentralbad.
Schon bevor die Bürger im Juni ein Urteil für oder gegen ein Zentralbad fällen, ist für Oberbürgermeister Jürgen Roth glasklar: Ein Zentralbad wäre „genau das Richtige“ für das Oberzentrum. Doch ehe ihm eventuell die Doppelstädter am 9. Juni zustimmen, sind die Stadträte am Drücker: Wo sollte dieses entstehen? Geht es nach der Stadtverwaltung, soll das am Klosterhof passieren.
In jedem Fall gilt: Der Preis bestimmt die Möglichkeiten – vier Varianten von 18,6 bis 20,6 Millionen fürs Grundmodul bis 47,8 bis 56,8 Millionen Euro für die teuerste Variante stehen zur Diskussion – mit Schätz-Ungenauigkeiten von „mindestens 20 Prozent“, wie Planer Jochen Fritz, Geschäftsführer des Schwimmbad-Planers Fritz Planung, betonte.
Ein Grundmodell mit allem drum und dran?
Schon das vorgestellte Grundmodell wurde mit Rutsche, Sprungturm und Sauna präsentiert – warum, war bald klar: „Wenn Sie mit einem Schwimmbad in die Gewinnzone kommen können, dann im Grunde nur mit einer Sauna“, so Fritz. Jedoch würde das Grundmodell nur über drei Becken mit nur 25 Metern Länge verfügen. Wettkampftauglich wäre das nicht – ebenso wenig wie die Variante 1 mit ihren fünf Becken. Variante 2 enthielte zudem das gewünschte 50-Meter-Becken, Variante 3 wäre der Kompromiss – es gäbe ein 50-Meter-Becken, aber keine 25-Meter-Bahnen.
Wie schwer die Stadträte sich mit der Entscheidung tun, wurde rasch deutlich. So gab Dietmar Wildi für die CDU zu – den Christdemokraten ist die finanzielle Betrachtung zu kurz gekommen. Für eine umfassende Entscheidung, „brauchen wir auch die betriebswirtschaftliche Betrachtung. Eintritt, Personal...“. Und das war die Stelle, an der sich die Katze in den sprichwörtlichen Schwanz biss, Gülpen warf den Ball zurück: „Die Frage ist ja immer, was bauen wir – dann kann ich Ihnen auch sagen, was sind die Betriebsausgaben.“
Ein Kompromiss, der etwas taugen könnte
Ähnlich unsicher waren die Grünen. Auch wenn die Grünen-Fraktion noch keine abgeschlossene Meinung zum Bad habe, so Oskar Hahn: „Den Klosterhof fanden wir durchweg gut. Wenn es ein gemeinsames Bad geben soll, dann dort.“ Die allenfalls vagen Kostenprognosen belasten auch die Grünen – und auch der Zeitpunkt. „Macht ein Bürgerentscheid wirklich schon Sinn?“, fragte Oskar Hahn. Oder ließe sich das Ganze noch hinauszögern? OB Roth gab zu bedenken, dass nach dem Bürgerentscheid „bis zum Durchschneiden des Bandes“ ohnehin schätzungsweise fünf, sechs Jahre ins Land zögen – währenddessen müsste man das sanierungsbedürftige Villinger Bad also über Wasser halten und stetig reparieren.
Ein umfangreiches Projekt in schwierigen Zeiten
Um dessen Zukunft sorgte sich Steffen Ettwein von den Freien Wählern indes besonders. Der Standort Klosterhof für ein Zentralbad sei prima, aber der Vorschlag, bei Ablehnung eines Zentralbades, das Villinger Bad am Standort Hubenloch neu zu bauen, missfällt den Freien Wählern noch. Extrem wertvoll sei dieser Standort, so Ettwein, möglicherweise sollte man diese Entscheidung noch nicht jetzt zementieren. „Der richtige Standort ist entscheidend, wenn es zu dieser Variante kommt, das prägt unsere Stadt für Jahrzehnte.“ Er warb dafür, den Villinger Standort noch nicht jetzt festzuzurren, sondern auch die Sanierung oder einen Neubau an Stelle des alten Bades oder in dessen Umfeld in Erwägung zu ziehen – ein Vorschlag, dem das Gremium am Ende folgte.
Nicola Schurr gab in seiner Stellungnahme Einblick ins Seelenleben eines Stadtrats, wie es wohl viele Kollegen im Gremium spürten: Allgemein klage man über schwierige Zeiten und nun befasse man sich mit solch einem Projekt. Gleichwohl – die Sozialdemokraten seien mit den vorgeschlagenen Varianten und Standorten einverstanden.
Ein neues Zentralbad am Klosterhof
FDP-Rätin Kathrin Piazzolo fasste sich kurz und gab den Standorten für das von den Freidemokraten gewünschte Zentralbad – „ein bisschen Werbung machen darf man ja“ – ihren Segen.
AfD-Stadtrat Olaf Barth war es egal, welche Variante zu bevorzugen sei – „wir werden das Votum des Volkes abwarten und das dann entsprechend umsetzen“, prognostizierte er.
Und für dieses Votum gibt es jetzt eine Grundlage: Das Zentralbad, zu dem die Wähler am 9. Juni beim Bürgerentscheid „Ja“ oder „Nein“ sagen hat am Mittwochabend im Gemeinderat eine Heimat gefunden: den Klosterhof, den die Stadträte einhellig befürworteten.