Ein gemeinsames Hallenbad beim Klosterhof oder ein saniertes, respektive neues Stadtteilbad in Villingen? Zu dieser Frage informierten sich vor dem Bürgerentscheid am 9. Juni auch in Villingen viele interessierte Bürger.
Geschätzte 200 Besucher nutzten die dritte und letzte Infoveranstaltung in der neuen Tonhalle, um sich eine Meinung zu bilden.
Empfangen wurden sie von Oberbürgermeister Jürgen Roth und Stadtwerke-Geschäftsführer Gregor Gülpen, seinem Mitarbeiter Bäder, Christian Helbig, sowie von Hauptamtsleiter Joachim Wöhrle, die keine Antwort schuldig blieben.
Rund 15 000 Euro wurden laut Gülpen für die von der SVS betriebenen Vorplanungen bereits ausgegeben. Die ergaben die drei Möglichkeiten eines Neubaues mit einem durch eine Hubwand zu teilenden 50-Meter-Becken (41,6 Millionen Euro), zwei 25-Meter-Becken (45 Millionen Euro) oder einem 50-Meter- sowie einem 25-Meter-Becken (56,8 Millionen Euro – alle Kostenschätzungen inklusive Grundstückserwerb). Alle drei Varianten beinhalten ein Plansch- und ein Nichtschwimmerbecken.
Entscheidung trifft der Gemeinderat
Voraussetzung dafür sei eine Ja-Stimme am 9. Juni, informierte Wöhrle. Rund 66 400 Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgefordert. Sofern davon 20 Prozent dies tun, sei der Bürgerentscheid rechtsgültig. Welche der Varianten dann umgesetzt werde, liege in der Hand des Gemeinderates. Bei einem überwiegenden „Nein“ der Bürger zum gemeinsamen Bad entscheiden die Räte über das weitere Vorgehen.
Das 1965 erbaute Villinger Hallenbad sei „stark sanierungsbedürftig“, so Gülpen. Bei einer Sanierung mit erwarteten Kosten von 22,5 Millionen Euro oder einem Neubau nach Abriss (25 Millionen Euro) wäre während der Bauzeit im Gegensatz zu einem gleich großen Neubau direkt daneben und Erhalt des bisherigen Bades eventuell als Sporthalle kein Badbetrieb möglich. Das gleiche Schicksal ereile laut Gülpen „mittelfristig“ auch das 20 Jahre alte Neckarbad.
Stadt finanziert weiterhin Bustransport der Schüler
Kein Hehl machten Roth und Gülpen von ihrer Überzeugung, dass die große Lösung, der Neubau eines gemeinsamen, CO₂-neutral betriebenen „Schwimmzentrums“ mit doppelter Wasserfläche wie bisher in beiden Bädern zusammen, für die Stadt viele Chancen mit sich brächte. Die meisten Fragen zielten auf dessen Erreichbarkeit insbesondere für die Schulen. Roth versicherte, dass die Stadt auch weiterhin den Bustransport der Schüler finanziert. Laut einer Umfrage nutzten zudem auch jetzt schon 74 Prozent aller Badbesucher das private Auto.
Nicht entkräftet werden konnte ein befürchtetes größeres Verkehrsaufkommen im Zentralbereich. Dagegen sah Gülpen kein erhöhtes Personalaufkommen für ein größeres Bad. Ziel sei, den jährlich Verlust von 3,2 Millionen Euro für eine „Einrichtung der allgemeinen kommunalen Daseinsfürsorge“ auch künftig nicht zu überschreiten. Dazu werde man jedoch die Eintrittspreise auf die Aufenthaltsdauer der Gäste anpassen müssen.
SVS steuert gut fünf Millionen Euro bei
Besorgte Fragen nach der Finanzierbarkeit beantwortete Roth. Im städtischen Haushalt sei für einen Neubau bereits ein Kredit von 50 Millionen Euro eingestellt, gut fünf Millionen Euro steuere die SVS bei. Davon unbelastet bleibe der Investitionshaushalt für Hoch- und Tiefbau-Vorhaben von 25 Millionen Euro. Andere Projekte werden also nicht gestrichen, versicherte der OB, „sie dauern vielleicht nur etwas länger“.