Die Rheuma-Liga Schonach/St. Georgen könnte deutlich mehr Patienten aufnehmen. Doch die Kapazitäten an Bädern und Therapeuten fehlen. Deshalb besteht eine Warteliste.
Vor fast 40 Jahren gründete Johanna Herr eine Selbsthilfeorganisation – der Beginn der Arbeitsgemeinschaft Schonach innerhalb des eingetragenen Vereins „Rheuma-Liga Baden-Württemberg“ mit Sitz in Bruchsal.
Die Geschichte dieses Vereins begann noch einige Jahre früher, als nämlich der Rheumatologe Martin Franke 1976 auf Initiative Betroffener diese Selbsthilfeorganisation schuf.
Ziel war es, Informationen, Bewegung (Trocken- und Wassergymnastik), Beratung und Vertretung für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen zu bieten, eine Erkrankung, zu der man heute mehr als 300 Formen kennt.
Verscheiß der Knorpelmasse
Die wohl „mildeste Form“ ist dabei die Arthrose, an der mit zunehmendem Alter wohl die Mehrzahl der Menschen leidet – ein Verscheiß der Knorpelmasse. Die Rheuma-Liga Baden-Württemberg wuchs zu einer großen Organisation heran mit über 72 000 Mitgliedern. Sie ist Teil der Deutschen Rheuma-Liga mit 16 Landesverbänden, gehört aber zu den größten Landesverbänden.
Oft hört man, Rheuma, das sei eine Sache älterer Menschen – eine falsche Denkweise, da selbst Säuglinge bereits eine rheumatische Erkrankung haben können.
Motto des Landesverbands heißt „Hilfe, die bewegt“
Was bietet nun die Rheuma-Liga? Das heutige Motto des Landesverbands heißt „Hilfe, die bewegt“. Denn Bewegung ist das A und O für Menschen mit rheumatischen Erkrankungen. Wie wichtig Bewegung ist, wissen selbst schwach Betroffene – wenn sie morgens sehr schlecht aus dem Bett kommen.
In der hiesigen Arbeitsgemeinschaft, heute Arbeitsgemeinschaft Schonach/St. Georgen (Arge), wird in der Hauptsache Funktionstraining angeboten.
Verordnung meist für ein komplettes Jahr
Dieses wird den Betroffenen durch Ärzte mit einer speziellen Verordnung verschrieben, zumeist für ein komplettes Jahr. „Ärzte verordnen das ganz gerne, da die Krankenkassen die Anwendungen in der Gruppe zwar bezahlen, diese aber wegen der geringen Kosten nicht auf das Budget der Mediziner angerechnet werden“, weiß Monika Raith, stellvertretende Vorsitzende der Arge.
Und für die Mitglieder ist die Teilnahme am Funktionstraining ansonsten kostenlos. Allerdings übernähmen die Kassen die Kosten gerade für Wassergymnastik nur für 20 Minuten, in der Arge werden aber mindestens 30 Minuten (für St. Georgen) angeboten, in Triberg oder Königsfeld sind es je 45 Minuten – was für Trockengymnastik generell üblich ist.
Verordnet wird entweder Funktionstraining als Trocken- oder aber als Wassergymnastik.
Ausgebildete Therapeuten im Einsatz
„Wir haben für unsere Funktionstrainingsgruppen ausschließlich ausgebildete Therapeuten im Einsatz. Die wissen genau, was dem entsprechenden Teilnehmer zumutbar ist“, so Raith.
Mittlerweile werde die zunehmende Beliebtheit des Funktionstrainings aber problematisch. Fehlten schon bei der eher weniger oft verordneten Trockengymnastik entsprechende Räumlichkeiten, werde es bei der Warmwassergymnastik richtig eng.
„In den letzten Jahren sind uns einige Hallenbäder weggebrochen. Das war vor Jahren noch recht unproblematisch: Wir hatten noch vor etwa zehn Jahren weniger als 250 Mitglieder, inzwischen sind wir nah an 600 Mitgliedern“, so Raith. „Und wenn dann zwei Bäder nicht mehr zur Verfügung stehen, ist das dramatisch – vor allem die Schließung des Unterkirnacher Hallenbads hat uns richtig weh getan, weil wir dort mehrere Gruppen hatten. Dazu steht uns auch das Bad im Schonacher Rebstock nicht mehr zur Verfügung“, rechnete Raith vor.
Zehn Gruppen im St. Georgener Hallenbad
Zwar habe man nunmehr zehn Gruppen mit jeweils etwa 15 Teilnehmern in St. Georgen im Hallenbad, in der Triberger Asklepios-Klinik seien zwei weitere und in der Albert-Schweitzer-Klinik in Königsfeld nochmals vier – doch „wir könnten problemlos fünf weitere Gruppen füllen, wir haben eine Warteliste“, erläuterte Raith.
Diese rühre zum einen aus einer steigenden Anzahl an Verordnungen, vor allem aber auch davon, dass das Solemar in Bad Dürrheim mittlerweile alle nicht aus der direkten Umgebung stammenden Teilnehmer an die umliegenden Arbeitsgemeinschaften verweise.
„Platz haben wir derzeit praktisch in keinem der uns zur Verfügung stehenden Bäder. Unser nächstes Problem wären dann aber auch die Therapeuten – die machen das in der Regel neben der Ausübung ihres Berufs in Praxen oder Kliniken“, verwies die stellvertretende Vorsitzende auf das Folgeproblem. Man hoffe daher auf das Verständnis der Kundschaft.