Das „Schweizers Lieblingslädle“ in Balingen Foto: Silke Thiercy

Die Bäckerei Schweizer ist bald Geschichte. Der Traditionsbetrieb wird zum Jahreswechsel vom Backhaus Mahl übernommen. Schweizer hat mit dem „Lieblingslädle“ auch eine Verkaufsstelle in Balingen. An der hat Mahl aber kein Interesse.

Die Öffnungszeiten sind seit einigen Wochen eingeschränkt, nachmittags ist der Laden zu. An der Eingangstür hängt ein Plakat: „Mitarbeiter gesucht“. Am Personalmangel liegt es aber nicht, dass es mit dem „Lieblingslädle“ in der Oberen Kirchstraße 10 in Balingen womöglich nicht weitergeht.

 

Mahl übernimmt nicht alle Schweizer-Filialen

Betrieben wird die Filiale seit 2014 von der Bäckerei Schweizer mit Hauptsitz in Bisingen-Steinhofen. Mit 69 respektive 66 Jahren gehen die Inhaber Alfred und Jutta Schweizer in den Ruhestand. Sohn Florian Schweizer kann den Betrieb nicht weiterführen – er hat eine Mehlstauballergie, wie es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Mahl und Schweizer heißt.

Die Mitarbeiter werden weiter beschäftigt

Die 30 Schweizer-Mitarbeiter werden laut Mitteilung bei Mahl weiterbeschäftigt. Allerdings werden drei Filialen geschlossen, da sie für das Unternehmen nicht rentabel seien: eine in Grosselfingen, eine in der Hohenlaienstraße in Bisingen und eben jene in Balingen.

Die angekündigte Schließung ist das Top-Thema bei den Kunden in der Oberen Kirchstraße, die sich dort auch gerne auf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen treffen. „Vielleicht findet sich ja einer, der das weiter betreibt“, meint eine ältere Dame. Ihre Bekannte wirft ein: „Es wäre schade um die Einrichtung.“

Kunden mussten einen Umweg laufen

Ab Februar waren die Obere und die Untere Kirchstraße für den Verkehr gesperrt. Die Stadt ließ Nahwärme-Leitungen unter dem Asphalt verlegen. Das habe man am Umsatz gemerkt, sagt Alfred Schweizer gegenüber unserer Redaktion. Die Kunden hätten einen Umweg um die Bauzäune laufen müssen, um an ihre Pfefferbrezeln oder Dinkelbrote zu kommen. Das war vielen wohl zu umständlich.

Ab dem Frühjahr hat der Bäckermeister sich bei Kollegen umgehört, erklärt Schweizer. „Ich habe unter Bekannten und Betrieben gefragt, wer Nachfolger werden will.“ Dass mit dem Backhaus Mahl ein Traditionsbetrieb seinen Traditionsbetrieb weiterführt freue ihn sehr.

Suche nach einem Betreiber geht weiter

Als reine Verkaufsstelle ohne angegliederte Backstube sei das „Lieblingslädle“ für das Unternehmen Mahl nicht rentabel. Gleichwohl sei er weiter auf der Suche nach Interessenten, sagt Schweizer. „Ich habe aber noch niemanden gefunden.“

Bekannt ist die Balinger Schweizer-Filiale unter anderem für die Pfefferbrezeln. Sind diese im Angebot, scheint sich das unter den Kunden herum zu sprechen – diese Backwaren sind ruckzuck ausverkauft. Müssen die Balinger in Zukunft auf diese Spezialität verzichten?

Schweizer gibt es seit 1964

Das ist auch für die anderen Filialen, die Mahl sicher übernimmt, noch nicht geklärt. Die Bäcker befänden sich derzeit noch in der Abstimmung, welche Schweizer-Produkte den Weg ins Sortiment von Mahl finden, heißt es von Unternehmensseite.

1964 kamen Bäckermeister Alfred Schweizer und seine Frau Gertrud aus Schwäbisch Gmünd nach Bisingen-Steinhofen, um die dortige Bäckerei zu übernehmen. 1990 übergaben die beiden den Betrieb an ihren Sohn Alfred und dessen Frau Jutta. Einem zweiten Standort in Bisingen folgte 2001 ein weiterer im Hechinger Stockoch, heute unterhält Schweizer fünf Standorte in Bisingen, Hechingen, Grosselfingen und Balingen.

Das Backhaus Mahl hat seinen Hauptstitz in Stetten am kalten Markt.