Schwimmkurse, wie hier im Nagolder Lehrschwimmbecken, sind wichtig. Der Bedarf ist nach der Corona-Krise groß. Badschließungen erschweren die Situation. Foto: Schik

Wieder soll in Calw ein Hallenbad geschlossen werden – nur gut, dass der Aufschrei groß ist. In seinem Kommentar warnt unser Autor vor einer Generation an Nichtschwimmern.

Diese Nachricht hat mich echt getroffen: Mit dem Hallenbad im Sprachheilzentrum Stammheim schließt in der Stadt Calw das letzte verbliebene Hallenbad.

 

In meinen Augen birgt dieses Thema weit mehr Sprengstoff in sich, als viele denken.

Als Kind war ich beim VfL Nagold in der Schwimmabteilung aktiv. Und ich erinnere mich noch gut an diesen einen Sonntag im Jahr, an dem es nach Calw zu den Schwimmern des TSV ging. Die Kreismeisterschaften standen an. Sportlich beeindruckte mich der Wettkampf weniger, das Calwer Hallenbad dagegen schon sehr. Als Nagolder Bub war ich regelrecht neidisch auf die Calwer und ihr schickes Hallenbad. Eine 25 Meter-Bahn – davon konnten wir in Nagold nur träumen.

Und für die Nagolder Stadtoberen hatte ich damals keinerlei Verständnis. Wie konnte man als Mittelzentrum nur kein 25-Meter-Hallenbad haben? Stattdessen mussten wir Woche um Woche im Mini-Lehrschwimmbecken auf dem Lemberg trainieren – im Nachhinein eine tolle Ausrede, dass es bei mir doch nichts mit der Karriere als Leistungsschwimmer wurde.

Seitdem hat sich viel getan. Zum Beispiel 2013: Als Calw vor zehn Jahren sein Hallenbad schloss, konnte ich das schlicht nicht begreifen. In jenen Jahren war ich beim VfL Nagold ehrenamtlich als Schwimmtrainer aktiv. Und als Journalist hatte ich mittlerweile auch ganz andere Einblicke, zum Beispiel in kommunale Finanz-Nöte. Dennoch: Es fehlt mir für jede städtische Bäderschließung bis heute das Verständnis.

Unglaublich wichtig

Dass Kinder schwimmen lernen, ist so unglaublich wichtig! Mittlerweile bin ich als Ex-Schwimmer auch mit der Stadt Nagold versöhnt – Nagold baute zwar nie ein 25-Meter-Hallenbad, doch die Stadt investierte wenigstens in den Bestand, sanierte das Lehrschwimmbecken, und betreibt auch das ebenfalls nur 16 Meter lange Allwetter-Hallenbad im Badepark weiter. Beides trotz Energiekrise. Heute weiß ich, in diesen Zeiten ist das alles andere als selbstverständlich.

Aus all den Jahren weiß ich zudem, Schwimmen, der vielleicht gesündeste Sport überhaupt, hat keine Lobby! Viel zu schnell schließen Kommunen ihre Bäder. Und dann ist es zu spät. Oder glauben Sie wirklich, dass eines Tages der große Geldsegen über die Städte hereinbricht, und diese Mittel dann in anständige Hallenbäder investiert werden?

Wartelisten bei den Schwimmkursen

Dass eine private Schule ihr Lehrschwimmbecken nicht mehr halten kann, das muss und kann ich akzeptieren. Dass sich eine Kommune aber nicht wirklich um so ein wichtiges Thema kümmert, sich einfach wegduckt, das zu akzeptieren finde ich deutlich schwieriger. Zumal ja der Blick auf die Wartelisten der Schwimmkurse deutlich macht, welch hoher Nachholbedarf nach den Corona-Jahren besteht. Es droht eine Generation an Nichtschwimmern. Das ist nicht nur hohles Geschwätz!

Der Aufschrei ist zum Glück groß. Der TSV Calw hat sich mutig sofort zu Wort gemeldet und als größter Verein selbstbewusst sein Engagement bei der Suche nach einer Lösung angekündigt. Respekt dafür! Das kann und darf eigentlich niemand ignorieren.