Beliebt ist der Nagolder Badepark. Nun steigen die Eintrittspreise. Foto: Fritsch

Der Haushalt 2021 war gerade mit Mehrheit verabschiedet, da machte sich der Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung in der Stadthalle auch schon daran, wie angekündigt dort, wo möglich, die Gebühren zu erhöhen: Zum Beispiel beim Badepark. Einstimmig hier das Votum der Räte.

Nagold - Diskutiert wurde die Erhöhung zuvor im Kultur-, Umwelt- und Sozialausschuss des Gemeinderats – nichtöffentlich. Weshalb der Entscheid jetzt hübsch geschmeidig durchs Gremium ging. Allein SPD-Fraktionssprecher Daniel Steinrode hakte noch mal nach, was denn mit den bisher wegen der Pandemie-Schließung von Bürgern nicht genutzten "33-Karten" zum Besuch des Badeparks passieren würde – denn die werden gemeinsam mit den "Familien-Saisonkarten im Winter" künftig abgeschafft. Sie hätten sich "nicht bewährt", erklärt dazu die zugehörige Sitzungsvorlage.

Philipp Baudouin, Leiter des zuständigen Amtes für Kultur, Sport und Tourismus im Nagolder Rathaus, übernahm die Antwort: Wie genau man mit den nicht genutzten 33-Karten umgehen werde, sei zwar noch nicht abschließend entschieden – aber wahrscheinlich werde es für die Betroffenen eine Gutschrift über den nicht genutzten Wertanteil der 33-Karten geben. Womit der Tagesordnungspunkt aus Sicht der Stadträte und Verwaltung erschöpfend abgehandelt war. Dabei umfasste die Thema laut Sitzungsvorlage auch den "Situationsbericht Badepark", den das Gremium zur Kenntnis zu nehmen hatte. Und der eigentlich reichlich Auskunft über die Besucherentwicklung dort in Zeiten der Pandemie gab.

"Großer Beliebtheit – sowohl im Sommer als auch im Winter"

Bleibt also nur – Nachlesen: Und danach erfreue sich der Nagolder Badepark auch "weiterhin großer Beliebtheit, sowohl im Sommer als auch im Winter". Trotz der Corona-Pandemie seien im Pandemie-Jahr 2020 rund 28 000 Sommerbesucher und 13 000 Gäste im Winter verzeichnet worden. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2015 waren es allein in den Sommermonaten über 100 000 Besucher. Weshalb die Corona-Krise auch im Nagolder Badepark ihre Spuren hinterlässt: Aufgrund von Kapazitätsbeschränkungen und insgesamt 20 Schließwochen im Jahr 2020, sei damit ein Besucherrückgang im Sommer von 59 000 Personen und im Winter von 16 600 Personen im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet worden.

Womit man bei den Kosten angelangt ist: "Die Einführung eines Onlineticketingsystems und die Umsetzung zahlreicher Hygienemaßnahmen schlugen mit etwa 15 000 Euro in 2020 zu Buche. Insgesamt musste man Verluste bei den Eintrittseinnahmen in Höhe von knapp 140 000 Euro im Vergleich zu 2019 in Kauf nehmen." Allerdings konnte man auch Einsparungen etwa bei den Kosten zum Unterhalt und bei den "sonstigen Aufwendungen" verzeichnen – wie hoch, das bleibt offen. Doch auch "in 2021 wird sich die Corona-Pandemie bemerkbar machen und Auswirkungen auf Besucherzahlen und Umsätze haben". Anpassungen des Onlineticketingsystems seien dabei ebenso erforderlich wie eine zusätzliche Personalakquise, um "die Maßnahmen gemäß der dann gültigen Coronaverordnung entsprechend umzusetzen".

Ende des Situationsberichts. In einem anderen Tagesordnungspunkt der Gemeinderatssitzung, als es um den Quartalsbericht zur Haushaltsentwicklung in Nagold im letzten Vierteljahr 2020 ging, konnte Finanzbürgermeister Hagen Breitling mitteilen, dass die Stadt Pandemie-bedingt rund neun Millionen Euro Corona-Unterstützung erhalten habe – womit die Stadt insgesamt noch "mit einem blauen Auge" aus dem Haushaltsjahr herauskomme, wie es Oberbürgermeister Jürgen Großmann ausdrückte. Ob in diesem Geld auch eine Kompensation für durch den Shutdown entgangene Einnahmen des städtischen Badeparks enthalten sind – wie in anderen Kommunen – blieb offen.

"Zahlreiche, notwendige Investitionen in den Badepark"

Stattdessen in der Sitzungsunterlage die Begründung für die ab der kommenden Sommersaison gültige – zum Teil sehr drastische (siehe Infokasten) – Gebührenerhöhung: Danach erfolgte die letzte Anpassung der Eintrittspreise im Jahr 2014. Seither seien "zahlreiche, notwendige Investitionen in den Badepark" vorgenommen worden. Von der Erneuerung der Lüftungs- und Heizungsregelung über die Sanierung des Attraktionsbeckens bis hin zur Erneuerung der Drehkreuze und der Kassenanlage habe man insgesamt rund 1,9 Millionen Euro seitens der Stadt dafür in die Hand genommen. Man sei "sich einig, dass hier Handlungsbedarf bestehe, auch in Anbetracht der Tatsache, dass notwendig gewordene Investitionen und Sanierungen dringend umgesetzt werden müssen, um weiterhin einen reibungslosen Badebetrieb aufrechterhalten zu können". Gerade der Innenbereich des Badeparks werfe immer wieder "Fragen auf, wenn es um Reparaturen oder Sanierungen" gehe. Daher plane die Verwaltung "ebenfalls eine Energieoptimierungsstudie in Auftrag zu geben".

Die nun beschlossene Preisanpassung sieht Erhöhungen sowohl für die Sommer-, als auch für Wintersaison vor. Mit den neuen Preisen liege man "im Regionalvergleich immer noch im mittleren Bereich" – und das "trotz des umfänglichen Angebots des Nagolder Badeparks". Die Einführung der Jahreskarten im Jahr 2014 habe sich dabei bewährt, weshalb man an diesem Angebot festhalten möchte. Jedoch nicht bewährt hätten sich – wie erwähnt – die Ticketprodukte "33er Karte" und "Familien-Saisonkarte im Winter", weshalb diese zukünftig entfallen sollen. Mit der Regelung, dass Kinder unter sechs Jahren weiterhin gebührenbefreit sind und die Familienkarte eigene Kinder bis einschließlich 16 Jahre inkludiert, würden Familien auch in Zukunft als wichtige Besuchergruppe fest ins Visier genommen.

Info: So teuer wird der Badepark

Für die Sommersaison gilt: Alle Tageskarten werden 50 Cent teurer. Die neuen Preise: Erwachsene 4,50 Euro (Abendtarif: 3 Euro); Jugendliche/ermäßigte Tageskarte 3 Euro (Abend: 2,50 Euro). Zehner-Karten werden 5 Euro teurer: Erwachsene 35 Euro; ermäßigt 25 Euro. Saisonkarten: Erwachsene 90 Euro (+20 Euro); ermäßigt 50 Euro (+10 Euro). Familienkarten: Saisonkarte 140 Euro (+50 Euro); Alleinerziehende 90 Euro (+20 Euro). Jahreskarten: Erwachsene 190 Euro (+40 Euro); Jugendliche 100 Euro (+20 Euro).

Für die Wintersaison gilt: Alle Tageskarten werden 50 Cent teurer. Die neuen Preise: Erwachsene 3,50 Euro (Feierabendkarte: 3 Euro); Jugendliche/ermäßigte Tageskarte 2,50 Euro (Feierabend: 2 Euro). Zehner-Karten werden 5 Euro teurer: Erwachsene 30 Euro; ermäßigt 20 Euro. Saisonkarten: Erwachsene 110 Euro (+20 Euro); ermäßigt 60 Euro (+10 Euro). Jahreskarten: Erwachsene 190 Euro (+40 Euro); Jugendliche 100 Euro (+20 Euro).

Rechenbeispiele: Der Erwachsenen-Tarif Sommer wird um 12,5 Prozent teurer, der ermäßigte Tarif um knapp 17 Prozent. Am krassesten legt die Familien-Saisonkarte Sommer zu – um über 55 Prozent.

Kommentar: Es reicht!

Kindergartengebühren, die teils um bis zu hundert Prozent steigen sollen. Familienkarten, für die bei Familien beliebteste Nagolder Freizeiteinrichtung – den Badepark –, die über 55 Prozent teurer werden.

Was denken sich die Nagolder Gemeinderäte eigentlich bei diesem massiven Angriff auf die Budgets der Familien? Dass 15 Euro mehr Kindergeld das alles rechtfertigen? Nagold behauptet von sich, familienfreundlich zu sein. Eine solche Gebührenpolitik zu Lasten derjenigen, die die Zukunft dieses Landes finanzieren beweist das Gegenteil und ist eine echte Frechheit.

Gerade jetzt in Zeiten der Pandemie, wo ebenfalls die Familien eine Hauptlast zu tragen haben. Und die Stadt Millionen-Kompensation erhält für Mehrausgaben und Einnahmeverluste, mit denen sie auf der anderen Seite die drastischen Gebührenerhöhungen begründet. Es reicht!

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