Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Mit dem Verbrennungsmotor verdient der Autokonzern Daimler zurzeit mit Abstand am meisten Geld - eine Zukunft allerdings hat diese Technologie im Pkw-Bereich bei den Stuttgartern nicht mehr. Ganz zur Freude des wichtigsten Grünen-Politikers im Land.

Stuttgart - Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat den vom Autobauer Daimler angestrebten forscheren Ausbau der Elektromobilität und den mittelfristigen Abschied vom Verbrennungsmotor im Pkw-Sektor gelobt. Mit dem Ziel einer emissionsfreien Mobilität gehe Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz „mutig und entschlossen“ voran, hieß es in einer der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Stellungnahme Kretschmanns. „Ich begrüße, dass Mercedes noch schneller als bisher geplant die Elektromobilität vorantreiben wird und noch vor Ende des Jahrzehnts vollelektrisch sein will, wo immer die Marktbedingungen es zulassen.“ Unterdessen fordert der Betriebsratschef des Daimler-Werks in Stuttgart-Untertürkheim Perspektiven für die Belegschaft.

Daimler hatte am Donnerstag deutlich ambitioniertere Ziele für den Durchbruch der eigenen Pkw-E-Flotte bekanntgegeben. Zudem kündigte der Konzern bei einem Investorentag für seine Pkw-Stammmarke Mercedes-Benz im Kern auch den baldigen Abschied vom Verbrennungsmotor an. Man bereite sich vor, bis zum Ende des Jahrzehnts „vollelektrisch zu werden“, hieß es.

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Obendrein gab Daimler überraschend den geplanten Bau von weltweit acht Gigafabriken zur Produktion von Batteriezellen - sozusagen dem Herzstück von Batterien - bekannt. Das ist eine Abkehr von bisherigen Plänen, eigentlich wollte der Konzern in diesem Segment nicht selbst tätig werden, sondern auf Zulieferer setzen und dadurch auch Geld sparen. Kretschmann äußerte, er halte die jetzige Entscheidung für „den richtigen Schritt“. Denn: „Das bedeutet neue Chancen auf Wertschöpfung und stärkt gleichzeitig unsere Unabhängigkeit.“

Der Betriebsratsvorsitzende des Daimler-Motorenwerkes Untertürkheim, Michael Häberle, sagte der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ (Freitag): „Eine verschärfte technologische Strategie zu verkünden ist das eine, echte Perspektiven für die eigene Belegschaft zu schaffen das andere.“ Dank vereinbarter Beschäftigungssicherung bis 2029 „überwiegt bei uns weniger die Sorge um den Job, dafür aber die Angst vor dem Verlust der aktuell ausgeübten Tätigkeit“. Die Ungewissheit darüber, in welchem Thema man in Zukunft tätig sein wird, sei sehr belastend. „Es sollte im Interesse des Unternehmens sein, hier für mehr Sicherheit zu sorgen“. Er forderte eine „klare Vision“ mit neuen Produkten und Tätigkeitsfeldern für den Standort.

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