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Baden-Württemberg Gesundheitsämter mit Corona-Krise überfordert

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Ab Montag gilt im Unterricht ab Klasse 5 Maskenpflicht. (Symbolfoto) Foto: Deck

Lahr/Villingen-Schwenningen/Calw/Freudenstadt/Rottweil/Lörrach/Stuttgart - Die Zahl der Coronavirus-Infektionen im Land nimmt deutlich zu. Wie steht es um die Gesundheitsämter?

Baden-Württemberg steht als erstes Bundesland unmittelbar vor der Einführung einer landesweiten Maskenpflicht im Unterricht, von der nur noch die Grundschüler sowie Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen können, ausgenommen sind. Von Montag an müssen die weiterführenden Schulen und die Berufsschulen dies umsetzen. Das hat das Kultusministerium in Stuttgart mitgeteilt.

Ministerialdirektor Michael Föll hat die Schulen am Freitag in einem Schreiben darüber unterrichtet und um Umsetzung ab Montag gebeten. Lehrer, die das Tragen einer Maske verweigern, ein Zutrittsverbot an ihrer Schule und müssen sich beim zuständigen Regierungspräsidium melden. Sie müssen mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Dritte Pandemiestufe am Montag?

Grundlage für die Einführung der Maskenpflicht in den Schulen sind die am Donnerstag vom Kultusministerium erlassene, überarbeitete Coronaverordnung für Schulen und die steigenden Infektionszahlen im Land. Am Donnerstag hat die landesweite 7-Tage-Inzidenz die Schwelle von 35 überschritten. Damit ist die Voraussetzung erfüllt, die novellierten Vorgaben an den Schulen anzuwenden. Am Freitag lag die Inzidenz im Südwesten sogar bei 42,2 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kündigte am Freitag an, dass die Bürger damit rechnen müssten, dass spätestens am Montag die dritte Pandemiestufe ausgerufen werde. Wenn es so weitergehe, werde Baden-Württemberg am Wochenende bei mehr als 50 Neuinfektionen per 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche liegen, sagte der Grünen-Politiker. Wenn die Infektions-Dynamik nicht gebrochen werde, werde es selbstverständlich auch keine Weihnachtsmärkte geben, sagte der Ministerpräsident.

Mitarbeiter aus anderen Ämtern der Ortenau unterstützen Gesundheitsamt

Wie aber sieht es mit den Gesundheitsämtern im Land aus? Mit wem hatten Infizierte zuletzt Kontakt? Wo waren sie unterwegs, wen könnten sie angesteckt haben?

Diese Fragen klären im Gesundheitsamt des Ortenaukreises 103 Männer und Frauen. Darunter sind auch 45 Mitarbeiter aus anderen Ämtern des Landratsamts, die jetzt dort fehlen, weshalb Anträge dort teils länger als gewohnt liegen bleiben. Verstärkung erhalten die "Corona-Detektive" des Gesundheitsamts von sechs Bundeswehrsoldaten, die ebenfalls mithelfen, Kontakte von Infizierten zu ermitteln und zu überprüfen. Sie alle hatten in den vergangenen Tagen alle Hände voll zu tun. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamts seien stark belastet, würden ihren Aufgaben aber mit Sorgfalt und großer Einsatzbereitschaft nachkommen, heißt es aus dem Landratsamt. Weitere Einstellungen seien geplant.

Schwarzwald-Baar-Kreis geht von weiter steigenden Zahlen aus

Mit einer drastischen Steigerung der Infektionszahlen hat auch der Schwarzwald-Baar-Kreis zu kämpfen, der schon am Donnerstag aufgrund der 7-Tages-Inzidenz von fast 60 zum Risikogebiet erklärt wurde. Die Folge waren nun eine Allgemeinverfügung, die sich an die jüngsten Beschlüsse von Bund und Länder orientiert – man dürfte damit der erste Landkreis sein, der die neuen Corona-Regeln von Kanzlerin Angela Merkel umsetzen würde, hieß es im Rahmen einer Pressekonferenz in Villingen-Schwenningen zur aktuellen Lage.

Der Inzidenzwert vom Freitag für den Schwarzwald-Baar-Kreis lag bei 61,2 je 100 000 Einwohnern. Das Landratsamt geht von weiter steigenden Zahlen aus. Das Gesundheitsamt sei derzeit dabei, 115 Kontaktpersonen der Kategorie 1 – die direkten Kontakt mit dem Infizierten hatten – ausfindig zu machen. "Das ist eine aufwendige Recherche, wir müssen aber durchhalten, um Folgefälle eindämmen zu können", macht Jochen Früh, Leiter des Gesundheitsamtes, deutlich. "Bei der Kontaktverfolgung schaffen wir auch noch ein paar mehr", berichtet derweil Landrat Sven Hinterseh – dann seien aber die Kapazitäten des Gesundheitsamtes ausgeschöpft.

Kreis Calw liegt nur noch knapp unter der kritischen 50er-Marke

Quasi rund um die Uhr arbeiten seit Tagen auch das Calwer Gesundheitsamt, die Kreisärzteschaft und auch die ehrenamtlichen Helfer des DRK. Der Kreis Calw entkam am Freitag mit 46,5 Infizierten auf 100 000 Einwohnern der kritischen 50er-Marke nur knapp.

Händeringend sucht man im Kreis Calw nun nach weiterer Unterstützung bei der Detektivarbeit, die nötig ist, um die Kontakte der Neuinfizierten nachzuverfolgen und hat auch schon die Fühler ausgestreckt, ob die Kreiskommunen und die Bundeswehr Personal bereitstellen können.

Lage im Kreis Freudenstadt wird "aufmerksam verfolgt"

Im Kreis Freudenstadt hat das Gesundheitsamt des Landratsamts wieder alle Hände voll zu tun, um die Kontakte von Neuinfizierten nachzuverfolgen. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag am Freitag bei dem Wert 29,6.

Derzeit werde die Lage "aufmerksam verfolgt", aber Konsequenzen sind offenbar noch keine geplant. Bei unveränderter Entwicklung sei jedoch zu befürchten, dass der Wert von 35 als erste kritische Marke bald überschritten werde.

Weiterer RKI-Scout in Rottweil tätig

Auch im Kreis Rottweil werden alle verfügbaren Kräfte mobilisiert: Das Gesundheitsamt hat über Neueinstellungen und auch über das Ehrenamt aktuell sieben weitere Mitarbeiter in den sogenannten Corona-Gruppen eingesetzt.

Siehe auch: Fordert Gesundheitsamt Bundeswehr an?

Zudem ist der Routinebetrieb heruntergefahren worden. So können weitere Mitarbeiter für die drängenden Aufgaben eingesetzt werden. Zusätzlich arbeitet das Amt im Schichtbetrieb, hat die Wochenenddienste personell aufgestockt, eine Urlaubssperre verhängt und Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückgerufen. Ein zweiter Scout vom Robert-Koch-Institut ist im Dienst, weiteres Personal wird akquiriert. Möglicherweise wird auch auf die Bundeswehr zurückgegriffen werden. Am Anfang nächster Woche werden erste Vorkehrungen dazu getroffen.

Ansteckungen in Lörracher Einrichtungen besorgniserregend

Fachbereichsleiterin Gesundheit Katharina von der Hardt wies bezüglich der Entwicklungen im Kreis Lörrach darauf hin, dass vor allem die Entwicklung hin zu mehr Ansteckungen in Einrichtungen wie Schulen und Pflegeheimen besorgniserregend seien. "Wir arbeiten wieder voll am Limit mit Überstunden bei der Nachverfolgung der Infektionskette. Das Virus macht am Abend und am Wochenende nicht Pause", sagte von der Hardt. Derzeit sei man mit 20 Personen im Gesundheitsamt personell ausgestattet, die sich nur um die Kontaktverfolgung kümmerten.

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