Ein Entennest im Solemar Bad Dürrheim wurde offenbar zerstört, während die Ente noch brütete – ein Badegast berichtet von dem Vorfall mit großem Entsetzen.
Das Wellness- und Gesundheitszentrum Solemar sorgte in den vergangenen Tagen für Aufruhr.
Badegast Thomas Ruf berichtet mit großem Entsetzen von einem Nest, das offenbar von der Mutterente ausgebrütet wurde. „Ich bin jeden Morgen im Solemar, und die Ente brütete seit 18 Tagen. Es haben noch zehn Tage gefehlt, bis die Jungen geschlüpft wären. Alle Badegäste waren voller Vorfreude“, erklärt Ruf traurig.
Ein unschöner Anblick
Dem 64-Jährigen zufolge wurde das Nest von Mitarbeitern zwei Mal weggetragen, am Karsamstag und Ostermontag, und von ihm jeweils wieder zu der Mutter gebracht. Am Dienstag, 8. April, kam jedoch der Schock.
„Am Dienstag nach Ostern wurde das Nest schließlich vollständig entfernt und ist seitdem unauffindbar – die Brut wurde zerstört. Die Ente wirkte aufgelöst und lief panisch hin und her“, berichtet Ruf entsetzt.
Der Badegast zeigt dafür Verständnis, dass das Solemar kein Brutplatz für Enten ist.
Aber trotz allem sieht er das Verhalten der Mitarbeiter sehr kritisch: „Die Ente hätte beim Nestbau vorsorglich umgesiedelt werden können, anstatt die Brut zu zerstören. Die anfängliche Umsiedlung durch die Gärtner zeigte noch Verständnis, die anschließende Zerstörung bleibt jedoch rätselhaft. Wie herzlos muss so ein Mensch sein, der so etwas tut? Selbst nach zwei Tagen schreit die Ente verzweifelt und sucht ihre Jungen, das ist wirklich schlimm“, so Ruf wütend.
Keine bösen Absichten
Das Solemar gab seine Sichtweise in einer Stellungnahme wieder. Das Tier wurde an Karfreitag an einen ruhigen Bereich gebracht. „Ziel war es, das Tier schrittweise in den angrenzenden Kurpark zu bringen“, erklärt die Referentin des Geschäftsführers, Monica Balog.
Jedoch hätten einzelne Badegäste das Nest wiederholt an den ursprünglichen Standort gelegt. Am Mittwoch sei es dem Team gelungen, das Nest an einen geschützten Bereich des Kurparks zu legen.
„Wir mussten am Tag danach leider feststellen, dass die Eier zerstört waren. Nach unserer Einschätzung ist dies auf natürliche Feinde zurückzuführen. Wir bedauern diesen Ausgang sehr. Gleichzeitig möchten wir betonen, dass wir in jeder Phase mit größter Rücksicht auf das Tierwohl gehandelt haben. Unser Vorgehen war darauf ausgerichtet, die Ente bestmöglich zu schützen“, so Balog zum tragischen Vorfall.
Balog betont, wie wichtig es dem Solemar gewesen sei, das Wohl des Tieres und Nestes beizubehalten.
„Das ist ein Unding“
Brütende Entennester würden unter Naturschutz stehen und seien in Ruhe zu lassen: Dieser Meinung ist Dietrich Weller, stellvertretender Vorsitzender des NABU Schwarzwald-Baar: „Wenn das wahr sein sollte, ist das ein Unding“, zeigt sich Weller empört über die Anschuldigungen. Von Anfang März bis September sind laut Weller die Enten am Brüten.
„In dieser Zeit sollte man die Tiere einfach in Ruhe lassen. Sie einfach so anzufassen geht wirklich gar nicht. Man sollte in solchen Fällen die Naturschutzbehörde kontaktieren“, erklärt Weller.