Der Bad Wildbader Bergort steht 2026 zusammen mit Hünerberg seit 100 Jahren „unter Strom“. Die Elektrizitätsversorgung im Nordschwarzwald startete mit einem Gemeindeverband.
Seit 100 Jahren steht Meistern „unter Strom“. Seit 1926 ist das Dorf – darauf machte Willi Kübler aus dem Wildbader Höhenstadtteil aufmerksam – mit Elektrizität versorgt. Nachlesen kann dies jeder Interessierte an der Tafel mit historischen Daten und Bildern gleich beim Ortseingang.
Festgehalten ist darauf auch, dass Meistern zusammen mit den beiden anderen Ortsteilen Hünerberg und dem namengebenden Aichelberg sowie der Reh- und Kälbermühle als zuvor selbstständige Kommune im Januar 1974 im Rahmen eines freiwilligen Anschlusses Stadtteil der Bäderstadt wurde.
Bergorte Allerdings kam die Gemeinde mit dem bis 1938 geführten Namen Bergorte damit einer 1975 zu erwartenden Zwangsvereinigung durchs Land zuvor. Bergorte hatte sich erst 1850 mit damals 250 Einwohnern von Neuweiler gelöst und war in die Selbstständigkeit gegangen.
Selbstständige Gemeinden
Eine Stromversorgung im Oberamt Calw aufzubauen hatte Neubulachs Stadtschultheiß Friedrich Müller zusammen mit sieben Bürgermeister-Kollegen aus den damals selbstständigen Gemeinden Altbulach, Liebelsberg, Martinsmoos, Oberhaugstett, Stammheim, Zwerenberg und dem zum Bezirk Nagold gehörenden Gaugenwald vorangetrieben.
Zweckverband Ihre 1905 gestartete Initiative führte am 13. Mai 1907 zur Gründung des Zweckverbands „Gemeindeverband Elektrizitätswerk für den Bezirk Calw“ (GEC). Mit als Muster für das Vorhaben mag die 1896 gegründete Schwarzwaldwasserversorgung gedient haben. Auch daran war Müller entscheidend beteiligt; als Verwaltungsaktuar für kleinere Gemeinden – gleichbedeutend mit dem Auftrag des Oberamts, als fachlicher Berater zu wirken – leistete er in beiden Fällen wichtige Pionierarbeit.
Auf breitere Schultern
Dem GEC, den er leitete, sind gleich anfangs 24 Gemeinden mit rund 8000 Einwohnern beigetreten. Ein Förderer war auch der Calwer Oberamtmann Völter.
Ein anlässlich des 20-jährigen Bestehens verfasster Rückblick hält fest, ihm – den man heute Landrat nennen würde – sei rasch klar gewesen, „dass das geplante Unternehmen auf breitere Schultern und stärkere wirtschaftliche Kräfte gelegt werden muss.“
359 Brennstellen Am 1. Januar 1927 umfasste der Verband 107 Gemeinden aus seinem Bereich und den benachbarten Oberämtern Freudenstadt, Leonberg, Nagold und Neuenbürg. Darunter war die Gemeinde Bergorte mit 408 Einwohnern und 46 Anschlüssen, die 359 Brennstellen und 19 Motoren betrieben, wie Unterlagen des Verbands zu entnehmen ist.
Dokumentiert ist auch, dass Hünerberg, Meistern und Unterschwandorf im späteren Calwer Kreisgebiet 1926 die letzten Dörfer waren, die den Stromanschluss erhielten.
Ende 1910 waren die ersten Verbandsgemeinden mit in Herrenberg gekaufter Energie vom GEC versorgt worden. Eigenen Strom produzierte der Verband ab 1911 mit Gasmaschinen, sprich: mit Hilfe ölbetriebener Motoren. 1913 begann der in „Gemeindeverband Elektrizitätswerk Teinach-Station“ (GET) umbenannte Zusammenschluss mit dem Bau eines zunächst durch die Reutlinger Kreisregierung – vergleichbar einem Regierungspräsidium – verhinderten Wasserkraftwerks im Teinachtal. Seit 1915 dient dieses der Stromerzeugung, heute unter den Fittichen der EnBW.
„Unteramt Nuwyler“ Am Ortseingang von Meistern ist auch nachzulesen, dass dort 1721 zwei Lehen bewirtschaftet wurden.
In Hünerberg war dies die gleiche Zahl. Für beide Ansiedlungen weist dies schon 1523 das „Altwürttembergische Lagerbuch aus der österreichischen Zeit“ so aus.
Darin sind Aichelberg, Hünerberg und Meistern als zum Calwer „Unteramt Nuwyler“ gehörig genannt, zu dem außerdem noch Hofstett, Aichhalden sowie Wenden gehörten. Neuweilers Schultheiß Ziriax Böler standen 1523 neun Richter (Gemeinderäte) zur Seite, darunter von den Bergorten „Caspar Cüntzlin ‚uff dem‘ Eichelberg, Hans Gütjar gen. Thürysen ‚uff den‘ Meistern“.
Die bei Erstellung von Meisterns Informationstafel genannte Jahreszahl 1523 für die Erstnennung verlegt eine beim Landesarchiv ausgewertete ältere Urkunde auf das Jahr 1461 zurück. Damit ist Meistern schon vor 565 Jahren belegt.