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Bad Wildbad Wolfsattacke: Schock ist inzwischen verdaut

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Schäfer Gernot Fröschle ist ein Jahr nach dem Wolfsangriff mit seiner 900-köpfigen Herde zur Normalität übergegangen. Foto: Jänsch

Bad Wildbad-Nonnenmiß  Genau ein Jahr ist vergangen seit der blutigen Wolfs-Attacke in Bad Wildbad, bei der mehr als 40 Schafe gestorben sind. Inzwischen ist weitestgehend Ruhe eingekehrt in den Ställen von Schäfer Gernot Fröschle. Doch die Mehr-Arbeit hält ihn und seine Familie auf Trab.

Besonders im vergangenen Jahr lieferten sich Wolfsgegner und Naturschützer heiße Debatten in den Medien – Auslöser war nicht zuletzt der schreckliche Wolfsriss in Bad Wildbad-Nonnenmiß, bei dem 43 Schafe starben. Einige von ihnen waren bereits tot, als Fröschle am frühen Morgen des 30. April 2018 auf seine Weide kam. Andere ertranken in Panik vor dem Wolf in der Enz oder mussten wenig später notgetötet werden, weil der Wolf sie zumindest schwer verletzt hatte.

Debatte auf kleinerer Flamme

Inzwischen wird die Debatte um den Wolf auf kleinerer Flamme geköchelt und auch die Schäferfamilie Fröschle ist längst zur Normalität übergegangen. "Am Anfang habe ich tatsächlich schlechter geschlafen", berichtet der Schäfer. Und auch jetzt sei der 50-Jährige beunruhigter als vor dem Wolfsriss. "Aber wissen Sie, wenn Sie an fünf Plätzen Schafe stehen haben, sind sie immer etwas besorgt – auch ohne Wolf."

Die Weide-Saison hatte im vergangenen Jahr gerade erst begonnen. Daher waren nur etwa 200 Schafe seiner 900- köpfigen Herde auf der Weide, als der Wolf in einen Blutrausch verfiel. Zwar seien die überlebenden Schafe am Morgen des Angriffs noch sehr ängstlich gewesen, doch wenige Wochen später habe der 50-Jährige bei seiner Herde keine Auffälligkeiten mehr erkennen können. "Das hat mich ehrlich gesagt gewundert", bekennt der Schäfer.

Seine Einstellung gegenüber Wölfen habe sich dennoch nicht geändert. "Ich bin weder Wolfsbefürworter noch radikaler Gegner. Ich sehe es so: Der Wolf ist nun einmal da und damit müssen wir leben." Auch wenn die Situation für Fröschle und seine Familie "absolut schwierig" sei.

Wir haben Schäfer Gernot Fröschle kurz nach dem Vorfall besucht:

Um die Ställe und auch die Weiden "wolfssicher" zu machen, sei der Aufwand für die Fröschles enorm angestiegen. "Das ist kaum noch leistbar", stöhnt der Schäfer. Das ginge nur, weil seine Frau Karen und ihre fünf gemeinsamen Kinder mithelfen. Denn nun müssen die Fröschles neben ihren offenen Ställen auch Bäche und Steinmauern durch Elektrozäune sichern. Das war zuvor nicht notwendig, weil man lediglich die Herde am davonlaufen, nicht aber Eindringlinge von außen abhalten wollte. "Das ist, als müssten sie das Prinzip eines Gefängnisses plötzlich anders herum denken – das ist eine wahnsinnige Arbeit", zieht Fröschle den Vergleich.

Schnell eine Entschädigung erhalten

Für seine 43 getöteten Schafe habe Fröschle im vergangenen Jahr rasch eine Entschädigung aus dem "Ausgleichsfonds Wolf" erhalten. Diesen hatten mehrere naturschutznahe Organisationen zuvor aufgesetzt, um Nutztierhalter bei Verlusten durch den Wolf zu entschädigen. "Das war ein akzeptabler Betrag", sagt der 50-Jährige – zwischen 150 und 200 Euro pro Schaf. 90 Prozent der geleisteten Entschädigungen aus dem Fonds erstattet das Land Baden-Württemberg anschließend.

Doch ab diesem Sommer gibt es neue Vorgaben für die Halter. Die Weiden müssen "wolfssicher" gemacht werden, um den Anspruch auf Entschädigungsleistungen nicht zu verlieren. Dazu gehören auch neue Elektrozäune, die den Strom besser führen sollen. "Wir haben viele dieser neuen Zäune angeschafft", erklärt der Wildbader Schäfer. 90 Prozent der Kosten für die neuen Elektrozäune trägt derzeit noch das Land. Glücklicherweise. Denn eine Rolle mit 50 Meter Zaun koste bis zu 80 Euro.

Stundenlohn ist "nicht gerade hoch"

"Der Stundenlohn ist nicht gerade hoch in der Landwirtschaft", erzählt Fröschle, "da ist es besser, man berechnet ihn erst gar nicht." Mit seiner Familie komme der Schäfer "gerade so über die Runden". Wegen der Reichtümer brauche man diesen Beruf also gar nicht zu machen, offenbart der 50-Jährige. "Wollen wir aber auch gar nicht. Wir sind einfach mit Herzblut dabei. Ohne die Leidenschaft geht es nicht. Das ist unser Leben."

Auch wenn es um den Wolf im Nordschwarzwald inzwischen ruhiger geworden ist. Fröschle ist sich sicher, dass er noch da ist. "Der Wolf taucht immer mal wieder auf Wildkameras auf und reißt auch hin und wieder ein Wild. Ich denke, dass sich das Raubtier hier angesiedelt hat und auf eine Partnerin wartet." Dieser Gedanke löst bei ihm große Besorgnis aus. Denn bei einer "eventuellen Rudelbildung" gingen die Schwierigkeiten "erst so richtig los".

Ihre Redaktion vor Ort

Bernd Mutschler

Fax: 07051 20077

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