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Bad Wildbad Wolfsangriff: Experte gibt neue Details bekannt

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Umweltstaatssekretär Andre Baumann will die Weidetierhaltung trotz des Wolfes erhalten. Foto: Busch

Bad Wildbad - Mehr als 40 tote Schafe nach einem mutmaßlichen Wolfsangriff bei Bad Wildbad – die Rückkehr des Wolfes nach Baden-Württemberg stellt Weidetierhalter vor neue Probleme.  Andre Baumann, Staatssekretär im Umweltministerium des Landes, erläutert mögliche Konsequenzen.

Vor einigen Wochen hofften Sie noch, der Wolf würde sich mit der Rückkehr nach Baden-Württemberg Zeit lassen, um besser auf ihn vorbereitet zu sein. Jetzt ist er da. Haben Sie einen Notfallplan?

Wir haben uns zwischenzeitlich auf den Wolf deutlich besser vorbereitet und das Wolfsmanagement weiterentwickelt. Dabei arbeiten wir mit Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland eng zusammen, um Wölfe in Zukunft effektiver zu beobachten und zu überwachen. Das ist wichtig, damit wir Weidetierhalter rechtzeitig informieren können und diese Schutzmaßnahmen treffen können.

Reichen diese Maßnahmen aus?Der Schäfer, der bei einem mutmaßlichen Wolfsangriff mehr als 40 Schafe verloren hat, fordert mehr Geld für Personal und Schutzmaßnahmen.

Der Vorfall in Bad Wildbad hat mich sehr betroffen gemacht, zumal dieser Schäfer eine hervorragende Naturschutzarbeit leistet. Auf diese Arbeit dürfen wir in Baden-Württemberg nicht verzichten, sonst können wir wertvolle Kulturlandschaften nicht erhalten. Deshalb ist es die originäre Aufgabe des staatlichen Naturschutzes dafür zu sorgen, dass es hierzulande auf Dauer eine zukunftsfähige Schäferei gibt.

Dass jetzt der Wolf dazu kommt, macht die Sache nicht einfacher,  und die Freude über seine Rückkehr hält sich bei mir in Grenzen. Ehrlich gesagt, ich wünsche mir den Wolf in Baden-Württemberg nicht. Aber er ist da, streng geschützt,  und deshalb müssen wir Lösungen finden, wie die Weidetierhaltung trotz des Wolfes erhalten werden kann.

Wie könnten diese Lösungen aussehen?

Wir arbeiten mit dem Landesschafzuchtverband und dem Naturschutzbund zusammen und haben ein weiteres Herdenschutzprojekt am Start, das vom Umweltministerium finanziert wird. Dabei suchen wir gemeinsam nach Herdenschutzmaßnahmen, die in Baden-Württemberg praktikabel umsetzbar sind, das ist auch die Forderung der Schafzüchter im Land.

Aktuell haben wir uns darauf geeinigt, dass für Schutzzäune eine Mindesthöhe von 90 Zentimetern ausreichend ist. Das ist bei den meisten Tierhaltern schon Standard. In anderen Bundesländern liegt die Mindesthöhe bei 1,20 Metern, aber das ist bei uns in steilen, steinigen Lagen nicht praktikabel. Geplant sind zudem Experten-Teams, die einen Wolf im Bedarfsfall länderübergreifend verfolgen, fangen, mit einem Sender ausstatten und verhaltensauffällige Tiere notfalls auch töten können.

Wann ist ein Wolf  verhaltensauffällig?

Die Verhaltensauffälligkeit eines Wolfes kann in zwei Richtungen gehen: Zum einen, wenn er sich Menschen nähert oder sich ihnen gegenüber aggressiv zeigt. Letztes hatten wir aber in Deutschland in den vergangenen Jahren noch nie. Der Wolf kann aber auch gegenüber Nutztieren Verhaltensauffälligkeiten zeigen, wenn er wiederholt eine korrekt gesicherte Herde attackiert. Solche Tiere können nach geltendem Recht getötet werden,  und dieses Gesetz werden wir auch konsequent anwenden.

Und wenn sich ein Schäfer die Schutzmaßnahmen nicht leisten kann?

Bisher haben wir keine Hinweise darauf, dass es in Baden-Württemberg ein Wolfsrudel oder sesshafte Einzelwölfe gibt. Die Tiere sind hier bislang auf der Durchreise gewesen. Solange dies so ist, gilt Kompensation vor Prävention. Das heißt die Entschädigung des Tierhalters hat Vorrang. Wenn sich ein Wolf in einer Gegend nachweislich niedergelassen hat, wird die Region zur Wolfsregion erklärt,  und die Handhabung kehrt sich um: Dann gilt Prävention vor Kompensation.

Die Anschaffung von wirksamen Schutzzäunen wird in diesem Fall bis zu 90 Prozent gefördert. Geplant ist, in der nächsten Förderperiode auch Herdenschutzhunde mit ins Programm aufzunehmen, die auf Wunsch des Schäfers eingesetzt werden können.  Gleichzeitig heben wir die Mittel für den Naturschutz deutlich an von ursprünglich 30 Millionen Euro 2011 auf 90 Millionen Euro im Jahr 2021. Ein Großteil dieses Geldes fließt in die Landschaftspflege und damit zu den Weidetierhaltern.

Wichtig ist allerdings, dass nicht nur die großen Betriebe Schutzmaßnahmen treffen, sondern auch die kleinen oder die Hobby-Tierhalter. Auch sie erhalten Förderungen. Denn Wölfe dürfen erst gar nicht lernen, dass die "weißen Rehe" leichter zu haben sind als die dunklen.  Doch unabhängig vom Wolf sind Nutztierhalter gut beraten, schon jetzt einen effektiven Herdenschutz zu gewährleisten. Nur so können sie das Haftungsrisiko vermeiden, falls die Tiere ausbrechen und Schaden entsteht. Dazu braucht es keinen Wolf, es gibt genügend unvernünftige Hundehalter.

Wie viele Wölfe gibt es Ihres Wissens derzeit im Südwesten?

Nach unseren Informationen halten sich derzeit einer oder zwei Wölfe in Baden-Württemberg auf.

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