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Bad Wildbad Was passiert nach Kontakt mit Corona-Infiziertem?

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Ausgang mit Mund-Nasen-Schutz erlaubt: Kurz vor Ende der "Quarantäne"-Zeit darf unser Redakteur offiziell an der Gemeinderatssitzung teilnehmen. Foto: Mutschler

Kontakt zu einer positiv auf Corona getesteten Person – und was nun? Unserem Redakteur ist genau das passiert. Am schlimmsten fand er dabei die lange Warterei, bis sich endlich das Gesundheitsamt meldet und die Ungewissheit beendet. Die ganze Geschichte lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Bad Wildbad - Es ist Mittwochmorgen, und ich bin auf dem Weg ins Geschäft, knapp dran (wie fast immer) und dann ist auch noch eine virtuelle Besprechung, zu der man pünktlich sein sollte. Auf der Fahrt klingelt das Handy und es meldet sich eine Person, mit der ich genau eine Woche zuvor einen Termin hatte. Er sei inzwischen positiv auf das Coronavirus getestet worden, teilt er mir mit, entschuldigt sich dafür – obwohl es da eigentlich nichts zu entschuldigen gibt – und schickt mir die Kontaktdaten und den Link zur Seite des Gesundheitsamtes Calw, auf der man sich eintragen kann, wenn man Kontakt mit positiv getesteten Personen gehabt hat.

Was also tun? Sofort umdrehen und den wichtigen Online-Termin verpassen? Doch erst noch ins Büro und danach ins Homeoffice? Sehr zum Leidwesen des Kollegen im Büro nebenan entscheide ich mich dafür, doch erst noch ins Büro zu gehen. Während er sich in seinem Zimmer verschanzt, lüfte ich ganz tapfer, meide den eigentlich dringend notwendigen Gang zur Toilette, melde meine Daten beim Gesundheitsamt, packe meine Siebensachen nach der Besprechung ein und mache mich auf den Weg nach Hause, um vorerst im Homeoffice zu arbeiten.

Auf der Heimfahrt kreisen die Gedanken natürlich nur um ein Thema: Was, wenn ich mich angesteckt habe und Symptome bekomme? Schließe ich mich in ein Zimmer ein und meide den Kontakt zu meiner Familie? Dazu überlege ich natürlich alle paar Minuten, wie nahe wir bei dem Gespräch zusammen gesessen sind. Mein Gegenüber hatte an dem Tag noch keine Symptome und saß recht weit weg. Aber waren es jetzt 1,80 oder 2,10 Meter? Der Raum war zudem groß und gut gelüftet.

Anhand eines Merkblattes, das auf der Internetseite des Gesundheitsamtes verfügbar ist, versuche ich eine Selbsteinschätzung. Die ist allerdings gar nicht so einfach. Je nachdem, wie man die Antworten auslegt, ist man nämlich ganz schnell Kontaktperson Kategorie eins. Oder Kategorie zwei. Oder eben gar keine Verdachtsperson.

Zwei Tage warten auf den Anruf vom Gesundheitsamt

Zu Hause angekommen, reichen die Reaktionen dann von Schock und Unglauben bis hin zu kindlicher Vorfreude. "Darf ich jetzt auch in Quarantäne?", fragt da etwa Kind eins, erfüllt von der puren Hoffnung, dem allzu stressigen Schulalltag mit Maskenpflicht und Zwangs-Lüften für einige Tage entkommen zu können. Der Schock sitzt dann eher auf der Seite der Göttergattin. Denn die denkt natürlich schon einen Schritt weiter. Was, wenn ich Symptome bekomme? Dann ist sie als Erzieherin plötzlich Kontaktperson Kategorie eins und daran "schuld", dass auf der Stelle ein ganzer Kindergarten geschlossen werden muss, von den Schulklassen der drei Lütten, die dann womöglich mitsamt Lehrern ebenfalls in Quarantäne geschickt werden, ganz zu schweigen.

Und dann ist da immer diese Unsicherheit. Was tun? Beim Gesundheitsamt soll man nicht selbst anrufen, ist auf dessen Webseite zu lesen: "Die Bearbeitung von positiv gemeldeten Fällen kann sich derzeit um mehrere Tage verzögern. Kontaktpersonen und positiv Getestete werden vom Gesundheitsamt angerufen. Rufen Sie bitte nicht vorher im Gesundheitsamt an!" Und das "nicht" ist auch noch schön fett gedruckt, dass man es auch wirklich gar nicht übersehen kann.

Gut, in Rücksprache mit dem Familienrat (und meinem Chef) entscheiden wir, dass ich zunächst von zu Hause aus weiter arbeite, Kontakte so weit beschränke, wie es nur irgendwie geht und auf die Rückmeldung vom Gesundheitsamt warte. Wie beim Fall der geschlossenen Grundschule in Höfen aktuell erst zu lesen war, kann genau das eine Weile dauern. Vor allem dann, wenn die Gesundheitsämter aus unterschiedlichen Landkreisen beteiligt sind.

Auf der Suche nach Anzeichen und Symptomen

Immer wieder höre ich in mich hinein, suche nach Symptomen. War der einzelne, trockene Husten jetzt ein Anzeichen für eine Corona-Infektion oder einfach nur, weil ich zu wenig getrunken und dadurch einen trockenen Hals habe? Da ich nach dem Trinken nicht mehr husten muss, entscheide ich mich für Letzteres. Genauso mit der laufenden Nase. Die läuft bei mir nämlich immer, wenn ich (zu) scharf gegessen habe. Was mehrmals wöchentlich vorkommt. Plötzlich aber ist da die Unsicherheit: Ist es doch Corona?

Komischerweise mache ich mir dabei die ganze Zeit über keine Sorgen um mich. Was aber ist, wenn der Kindergarten geschlossen werden muss, was ist mit dem mehr-als-90-jährigen Schwiegeropa, der im gleichen Haus wohnt? Was ist, wenn sich die Kinder anstecken? Vor der Angst um sich selbst steht die Angst, als "Superspreader" die ganze Umgebung zu "verseuchen". Und dann kommt immer wieder die Stimme der Vernunft aus den hintersten Gehirnwindungen gekrochen und flüstert mir ein, dass ich eigentlich alle Abstands- und Hygieneregeln eingehalten habe und mich somit eigentlich nicht angesteckt haben kann. Die "Was-wäre-Wenn"-Stimmen kann das aber nur kurzzeitig etwas dämpfen.

Es dauert mehr als zwei Tage, bis sich dann tatsächlich jemand vom zuständigen Gesundheitsamt meldet. Ich gebe zu, ich habe nicht mehr wirklich damit gerechnet. Nach meiner Schilderung folgt dann eine erste Erleichterung. Auch die wirklich nette Dame vom Gesundheitsamt stuft mich in Kategorie zwei ein. Das bedeutet: keine Quarantäne, kein Test. Aber sie empfiehlt (befiehlt) mir, noch bis Ablauf der eigentlichen Quarantäne-Zeit (zwei Wochen), wenn möglich, weiter im Homeoffice zu arbeiten. Falls Symptome auftreten sollten, stünde aber natürlich doch noch Quarantäne und Test an. Der Berg, der da in diesem Moment von meinem Herzen rumpelt, hätte eigentlich für ein mittelschweres Erdbeben sorgen müssen.

Neben Erleichterung schwingt immer auch Sorge mit

Neben der Erleichterung schwingt aber immer noch die Sorge mit, dass doch noch Symptome auftreten könnten. Mittlerweile ist es Freitagabend, zehn Tage nach dem Termin.

Von zu Hause arbeiten, ist in meinem Beruf zum Glück nicht allzu schwierig. Dank einigermaßen moderner Technik und guter Internetverbindung lässt sich sowas gut machen, vom harten Lockdown im Frühjahr bin ich sowieso noch homeoffice-gestählt. Und da ja jetzt, im Gegensatz zum Frühjahr, die Schulen offen sind und ich in der Homeoffice-Zeit nicht auch noch Vertretungslehrer und Erklärbär bei mäßig bis gar nicht motivierten "Vor-Pubertieren" bin, ist das alles problemlos machbar, schließlich haben die Leute, mit denen man sich sonst getroffen hätte, ja auch ein Telefon.

Ein Termin allerdings ist nicht zu verschieben. Am Dienstagabend ist in Bad Wildbad Gemeinderatssitzung und ich kann ja schlecht den kompletten Rat mitsamt der Verwaltung in mein viel zu enges, kleines Büro einladen, das normale Menschen "Kabuff" nennen würden. Zwar würde die Sitzung auch live im Internet übertragen, aber so ganz sicher, wie denn da die Qualität ist, bin ich mir nicht und bei auch nur geringen Übertragungsfehlern wird dann schnell mal ein Stadtrat oder gar der Bürgermeister falsch zitiert. Aber auf explizite Nachfrage beim Gesundheitsamt für diesen Fall wird mir sogar gestattet, diesen Termin wahrzunehmen, sofern der Abstand gewährleistet ist und ich die Maske für die Dauer der Sitzung auflasse. Das freilich auch nur deshalb, weil die 14 Tage ja nur wenige Stunden später sowieso vorbei wären. Und natürlich immer vorausgesetzt, dass bis dahin keine Symptome auftreten.

Da dem nicht so ist, darf ich also in die Sitzung. Und auch danach wieder ganz normal meiner Arbeit nachgehen. Freiheit, du hast mich wieder. Mal sehen, wie lange. Denn dieser eigentlich recht harmlose Fall zeigt, dass man trotz aller Sicherheitsvorkehrungen schnell in die Lage kommen kann. Klar ist: Schuld daran hat niemand. Wichtig ist nur, alles Mögliche dafür zu tun, dass man selbst nicht womöglich andere ansteckt. Deshalb auch vielen Dank an den Menschen, der sofort reagiert und mich über seine Infektion informiert hat. Nur durch so eine Reaktion und das strikte Einhalten der Regeln kann eine weitere Ausbreitung verhindert werden. Denn, so angenehm ein paar Tage Homeoffice auch sind: Die wahren Betroffenen, etwa aus der Gastronomie, der Hotellerie oder die Beschäftigten in den Kliniken – um nur einige zu nennen – halten nicht viel länger durch.

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