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Bad Wildbad Was ist denn überhaupt dieses "Glamping"?

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Die Bergbahn, die unweit des "Sleeperoo" verkehrt, stört wenig. Sommerberg-Touristen dagegen schon eher. Fotos: Winkler Foto: Schwarzwälder Bote

Bereits im zweiten Jahr steht der "Sleeperoo"-Schlafwürfel auf dem Sommerberg direkt unterhalb der Bergbahn-Station. Aber wie schläft es sich in dieser Mischung aus Zelt und überdimensionalem Schuhkarton mit Rundumsicht? Ein Selbstversuch.

Bad Wildbad. Der Begriff "Glamping" ist in aller Munde. Und was klingt, wie ein anglistisches Geschwür, ist auch eines. Denn das "Glamorous Camping", wie der Begriff ausgeschrieben heißt – also das Übernachten in der Natur ohne Verzicht auf lieb gewonnenen Luxus – ist wohl für alle diejenigen Warmduscher, die morgens gerne an ihrem "Flat White" Kaffee nippen, während sie von ihrem frisch geladenen Smartphone die ersten Instagram-Posts absetzen. Klingt irgendwie unsympathisch. Ich will es ausprobieren – im "Sleeperoo"-Würfel auf dem Wildbader Sommerberg.

Also buche ich eine Nacht. Weil es für das betreibende Unternehmen nicht sonderlich wirtschaftlich wäre, für jeden der Cubes (Deutsch: Würfel) an den zwischenzeitlich 44 verschiedenen Standorten eigene Rezeptionen zu betreiben, übernehmen diesen Service Partner – die sogenannten "Hosts". In Bad Wildbad ist Sommerberg-Hotel-Betreiber Heinrich Blezinger mein "Host". Er überreicht mir die notwendigen Codes für den Schlaf-Würfel und die Toiletten sowie die "Chill-Box" – ein Gruß des Hauses, der ein Sammelsurium aus allerlei Dingen beinhaltet. Saft und Wasser, Pappbecher, Klopapier, zwei, drei kleinere Tüten mit ausgefallenen Snacks und einen Pariser. Man weiß ja nie, wer einen nachts besuchen kommt. Ich hoffe ja darauf, "Problem-Wolf" "GW852m" im Morgengrauen ablichten zu können.

Blezinger selbst zeigt sich jedenfalls begeistert vom Würfel. Als er im Sleeperoo geschlafen habe, sei er in den frühen Morgenstunden von einer grasenden Rehkuh und ihrem Kitz geweckt worden, die direkt vor dem Bett zugegen waren. Klingt nach einer süßen Familien-Lovestory. Für einen echten Action-Film fehlt mir einfach der Wolf in diesem Motiv. Als ich ausstaffiert bin, mache ich mich auf den Weg zum Würfel.

Für zwei Personen ist das Platzangebot vollkommen ausreichend

Der weiße Kunststoff-Cube steht direkt unterhalb der Wildbader Bergbahnstation mit Blick ins Zentrum der Stadt. Was die Schlafkapsel genau ist, ist schwer zu fassen. Schließlich ist es weder Appartement, noch Zelt, noch Hostel. Es ist eben ein geräumiger, komfortabel ausgestatteter Würfel mit einer großen Matratze und 270-Grad-Rundum-Sicht – die einzige Seite, die dauerhaft blickdicht verschlossen bleibt, ist die Rückseite. Wer möchte, kann sogar ein Cabrio aus dem Würfel machen. Denn das Dach ist abnehmbar. In meinem Fall ist das leider nicht lange möglich, da es kurz nach Sonnenuntergang anfängt zu regnen. Dafür erzeugen die dicken Tropfen, die auf die Kunststoffplane fallen, im Innern eine monotone Geräuschkulisse, die für pure Gemütlichkeit sorgt.

Das Gerüst und der Boden des Würfels sind aus hochfestem Kunststoff. Die Seitenwände sowie das Dach sind aus robuster Plane und großen Kunststofffenstern. Die Seitenwände sind nicht zu öffnen, lediglich die Eingangstüre. Diese kann man auch nachts geöffnet lassen oder nur mit einem Fliegengitter verschließen. Für letztere Variante werde ich mich später entscheiden. Die großen Kunststofffenster und das komplett transparente Dach lassen sich blickdicht verschließen. Die erforderliche Plane für das Dachfenster habe ich allerdings erst am nächsten Morgen in einem der Staufächer gefunden.

Zu zweit auf der 1,60 Meter breiten und zwei Meter langen Matratze zu schlafen, dürfte noch mehr als komfortabel sein. Personen bis ungefähr 1,75 Meter können im Cube sogar ohne Probleme aufrecht stehen. Licht gibt es im Innern von batteriebetriebenen LED-Leuchten und einer Lampe mit Handaufzug. In den praktischen Staufächern im Boden und an der Rückenlehne kann man Kleidung und Lebensmittel verstauen.

Hier lässt es sich aushalten, denke ich mir noch im Schlummern, während der Regen weiter prasselt. Irgendwann nicke ich weg. Kurz nach fünf Uhr ist es mit der Glamping-Romantik allerdings vorbei. Ein so heftiges Gewitter zieht über Bad Wildbad, dass mir der erste grelle Blitz direkt durch das transparente Dach ins Gesicht leuchtet. Nach dem zweiten entscheide ich mich für einen geordneten Rückzug, weil ich nicht weiß, für welche äußeren Belastungen meine plastische Schlafkapsel so alles gewappnet ist.

Zwar habe ich gesehen, dass der Würfel starken Regen ab kann und traue ihm sicher einiges mehr zu. Nicht jedoch einen 100 Millionen Volt starken Blitz, der Lust hat, sich in meinem drei Quadratmeter großen Schlafgemach zu entladen, adäquat abzuleiten. Also renne ich im strömenden Regen zur Schlüsselbox, deren Code mir Host Blezinger beim Einchecken verraten hatte, gebe die Zahlenkombination ein und renne mit dem Schlüssel in der Hand weiter zum mir in diesem Zeitpunkt einzig zugänglichen Ort, den ich für geeigneter halte, um das Gewitter zu überstehen: die Toiletten der Sommerbergbahn. Ein Stunde später ist der Spuk vorbei und ich kann immer noch völlig durchnässt zurück in den ­Cube.

Nach weiteren drei Stunden ist Schluss mit Schlafen. Dann heißt es: Zusammenpacken, grob aufräumen und den "Sleeperoo" pünktlich um 10 Uhr wieder zu verschließen. Die kommende Nacht wird sicher weit weniger aufreibend. So hoffe ich jedenfalls. Das Wetter hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass aus der Glamping-Romantik ein Micro-Abenteuer geworden ist.

Fazit: Wer auf Glamping steht, der ist hier genau richtig. Der Blick über Bad Wildbad ist einzigartig, insbesondere wenn am Abend die Sonne untergeht und die Lichter der Stadt, die einem zu Füßen liegt, angehen. Unter der Woche ist man ab etwa 19 Uhr auch beinahe alleine auf dem Sommerberg. Am Wochenende dürfte jedoch durchaus länger Betrieb herrschen.

Kein fließend Wasser, kein Strom, keine Duschmöglichkeit

Allerdings muss man sich dessen bewusst sein, dass es im Sleeperoo kein fließend Wasser und keinen Strom gibt – also auch keine Kühlmöglichkeit für Lebensmittel. Stattdessen kann man die Gastronomie auf dem Sommerberg nutzen, die allerdings unter der Woche nicht sonderlich lange geöffnet hat. Die Toiletten teilt man sich mit allen anderen Sommerberg-Gästen, die sich vor der Talfahrt oder nach Ankunft auf dem Berg vor ihrem Ausflug zu Wildline, Baumwipfelpfad und Co. noch schnell erleichtern wollen. An dem Waschbecken direkt im Toilettenraum also, an dem sich diese Gäste nach dem Klogang die Hände waschen, habe ich mir die Zähne geputzt. Lecker. Auch Duschmöglichkeiten gibt es keine. Für viel mehr als eine Nacht taugt die Unterkunft also nicht.

Macht aber nichts. Einen wesentlich längeren Aufenthalt kann man sich im "Sleeperoo" ohnehin nicht leisten, ohne eine größere Lücke in die Haushaltskasse zu reißen. Schließlich kostet der Spaß ab 120 Euro die Nacht aufwärts. Ein Betrag, mit dem eingefleischte Camper beinahe zwei Wochen Zelturlaub an der Ostsee machen und daher erst einmal schlucken dürften. Zwar gilt der Festpreis für drei Personen. Aber für drei Erwachsene ist der Platz dann doch etwas dürftig. Eine junge Familie mit Kleinkind hingegen sollte noch komfortabel nächtigen können. Martina Peters, Pressesprecherin des Unternehmens, bestätigt diesen Eindruck. Gäste blieben selten länger als eine Nacht. Es ginge um das einmalige Erlebnis – die Nacht, den Ort und dich.

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