Lena Knöller vermisst während des Lockdowns vor allem den persönlichen Kontakt zu Freunden und Studienkollegen. Foto: Mutschler Foto: Schwarzwälder Bote

Corona: Anstatt Studium in Stuttgart heißt es für Lena Knöller aus Calmbach Online-Vorlesung im heimischen Zimmer

Seit März 2020 war wenig so, wie in einem normalen Jahr. Corona prägte den Alltag: Die Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen warfen vor allem die Lebensplanung bei vielen jungen Menschen über den Haufen – auch die von Lena Knöller.

Von Bernd Mutschler

Bad Wildbad. "Das Leben hat sich grundlegend verändert", erzählt Lena Knöller. Das ist natürlich derzeit nicht nur bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen so. Die damals 19-Jährige traf der erste Lockdown im März 2020 in ihrem zweiten Studiensemester. Seither war sie kaum an der Uni, der Unterricht findet komplett online statt. Mittlerweile schon zwei Semester lang, "fast mein ganzes Unileben", wie sie es ausdrückt. Das schränkt sie "ganz schön" ein. Und es verändert das Studium: viel mehr Stoff, mehr Aufgaben, der Austausch fehlt komplett. Für sie kann die virtuelle Realität "niemals" den persönlichen Austausch ersetzen. "Man fühlt sich nicht so als ob man studiert", beschreibt sie ihre Lage, die aus Online-Seminaren und -Vorlesungen und Seminararbeiten besteht und fast ausschließlich in der heimischen Wohnung stattfindet.

Zu Beginn hat sie, wie so viele andere auch, das neue Virus "erst nicht so ganz ernst genommen" und gedacht, vieles sei übertrieben. Ihr sei dann aber doch, auch im Vergleich zu manchen Freunden, relativ schnell klar geworden, "dass es sehr ernst ist". Beim ersten Lockdown dachte sie, "mein ganzes Leben wird anders", auch wenn sie zugibt, nicht komplett eingeschränkt zu sein. So fand sie es natürlich schade, dass Restaurants und Bars schließen mussten, "auch wenn ich nicht jede Woche im Club war". Viel "dramatischer" fand sie es, "dass man sich mit Freunden einschränken musste" und keine großen Feiern machen konnte. Und der eingeschränkte Kontakt zu ihrer Familie machte ihr zu schaffen. "Wir haben dann angefangen, uns virtuell zu treffen. Aber das ist kein Vergleich", erzählt sie. Auch der Sport fehlt ihr. Zu normalen Zeiten hat sie drei feste Termine in der Woche abends zum Tischtennis-Training, dazu die Punktspiele am Wochenende. "Das war eine Abwechslung und auch Ausgleich, der jetzt fehlt." Auch das gesellige Vereinsleben vermisst sie.

Dabei hat sie trotz allem Verständnis für die teilweise harten Maßnahmen. Auch wenn sie ein geselliger Mensch sei, hatte sie "kein Problem, dass man nicht mehr feiern gehen kann." Für sie ist klar, dass die Sicherheit vorgeht. "Ich verstehe es schon, aber es fehlt, auch wenn es so sein muss. Ich denke eher rational" erzählt sie. Aber sie sieht natürlich auch die Situation der Unternehmen, etwa von Einzelhändlern oder in der Gastronomie. "Das ist schlimm für die Gastronomen, aber niemand denkt an die. Da hängt auch so viel dran."

Jetzt im zweiten Lockdown ist sie "froh, dass noch Uni ist und man so einen einigermaßen geregelten Ablauf hat". Da gibt es dann durchaus auch Vorteile. So spart sie durch die Online-Vorlesungen die Fahrzeit nach Stuttgart und natürlich auch Geld. Außerdem hat sie keinen Stress, pünktlich da sein zu müssen.

Gemeinderatssitzungen weiter übertragen

Und bringt Corona noch weitere Vorteile? "Man verbringt mehr Zeit mit der Familie und macht auch mal wieder andere Dinge zusammen, entweder ein Spiel oder man redet intensiver", erzählt sie. "Ich war schon immer ein Familienmensch, aber das ist jetzt schon noch mehr geworden."

Auch bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Gemeinderat sieht die jüngste Stadträtin Bad Wildbads durchaus Vorteile. "Wer hätte vor Corona gedacht, dass möglich ist, in so einer kleinen Stadt virtuelle Gemeinderatssitzungen zu machen?" Das habe auch gut funktioniert und biete so auch für ältere Menschen die Chance, Sitzungen mitzuverfolgen. Diese Chance sei nur durch Corona entstanden und "es muss so sein, dass die Sitzungen weiter gestreamt werden. Dafür muss man sich einsetzen, denn der Aufwand hält sich in Grenzen."

Auch für die Digitalisierung in den Schulen könne Corona eine Chance sein. "Man sieht jetzt, dass in Deutschland die Digitalisierung des Bildungssystems nicht funktioniert hat." Sie selbst war bis 2019 auf dem Gymnasium und empfindet es als "Katastrophe, wenn man da noch mit dem Tageslichtprojektor arbeitet". Sie selbst sei zwar kein Freund davon, alles nur am Tablet und ohne Papier und Bücher zu machen. Dennoch sollte die Schule "darauf vorbereiten und vorbereitet sein". Das sei derzeit nicht der Fall: "Es kann nicht sein, dass man da noch so hintendran ist als eigentlich fortschrittliches Land, was man jetzt durch Corona erst so richtig gemerkt hat."

Sie hat bemerkt, dass durch Corona die Solidarität der Menschen untereinander wieder wachse und hofft, "dass das so beibehalten wird, dass man mehr auf Alte, Schwache, Kranke schaut und soziale Berufe hoffentlich mehr anerkennt und unterstützt und erkennt, was die wirklich wichtigen Berufe sind".

Erschreckend findet sie dagegen, wie viele Corona nicht richtig wahrnehmen, etwa die "›Querdenker‹, das macht mich traurig, wütend, sprachlos". Immerhin merke man aber auch, "dass die Populisten keine Antworten haben, man merkt die Inkompetenz."

Sie hat jetzt die Hoffnung, dass die Impfung die Krise zumindest dämpfen kann, wenn auch nicht ganz aus der Welt schaffen. Deshalb kann sie sich gut vorstellen, dass einige Einschränkungen erhalten bleiben, zum Beispiel die Maskenpflicht beim Einkaufen. In jedem Fall hofft sie, "dass der Solidaritätsgedanken bestehen bleibt. Der Zusammenhalt ist das Wichtigste in der Gesellschaft. Wenn der nicht da ist, geht alles den Bach runter."

Und natürlich hofft sie auf ein baldiges Ende der Corona-Krise und darauf, endlich wieder das machen zu können, was (nicht nur) die Jugendlichen gerne tun: "sich mit allen Freunden treffen, ohne zu zählen, sind wir zu viel." Außerdem wäre 2021 eigentlich das Jahr, in dem sie bislang am meisten Konzertkarten hatte und sie hofft, dass wenigstens noch ein paar davon stattfinden können. "Man ist halt jung und will auch mal sowas erleben", sagt sie und meint damit natürlich auch, im Urlaub frei dahin reisen zu können, wohin man möchte oder einfach Städtetrips und Tagesausflüge zu machen – und "mal wieder richtig shoppen gehen".

Denn dann hat man auch nicht mehr zu viel Zeit, über sich selbst und seine Situation nachzudenken. Sie gibt zu, dass sie auch oft an vielem gezweifelt hat, zum Beispiel auch, ob ihr Studium überhaupt das richtige ist. Und so geht es ihr wie vermutlich allen anderen, und sie drückt das aus, was viele denken, mit der Leichtigkeit und Unverblümtheit der Jugend: "Ich bin froh, wenn der Scheiß rum ist."

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