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Bad Wildbad Sie tragen auch hier zum Sicherheitsgefühl bei

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Die Nachtwanderer hielten ihr Bundestreffen in Bad Wildbad ab. Foto: Verstl Foto: Schwarzwälder Bote

Dafür kann ein Leben eigentlich kaum reichen: Albert Huchler war Pfarrer, Soldat, städtischer Vollzugsbeamter, Personenschützer, Mediator, Heilpraktiker und anderes mehr. Heute praktiziert er als Psychotherapeut in Weiler-Simmerberg (Kreis Lindau).

Bad Wildbad. Deeskalation und Kommunikation lautete das Thema seines Vortrags, den er anlässlich des Bundestreffens der Nachtwanderer in Bad Wildbad hielt.

Hilfe für Jugendliche

Die Gruppe in der Kurstadt arbeitet, wie Sprecher Ralf Kuhnle erläuterte, schon von Anfang an, also seit 2014, mit Huchler zusammen. Vielleicht ist es gerade die Vielzahl der Berufe, die Huchler ausgeübt hat, die ihn dafür prädestinieren, den Nachtwanderern und anderen sozial Engagierten zu helfen, Menschen in Not zu begegnen. Denn genau dies tun die Nachtwanderer, die auf Jugendliche zugehen, um sie bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten zu unterstützen.

Wer deeskalierend wirken will, dem helfen keine Techniken und Tricks. Es gelte, so das Credo Huchlers, das Herz der Menschen zu berühren. Denn in Vandalismus, Alkoholismus und Aggression zeige sich ein verletztes Selbstwertgefühl. Für den Therapeuten ist das eine Folge der Leistungsgesellschaft. Oft schon im Vorschulalter, in einer Phase, die für das spätere Leben besonders prägend ist, werden Kinder durch Vergleiche mit Geschwistern oder Spielkameraden unter Druck gesetzt. Sie werden nicht um ihrer selbst Willen geliebt, sondern die Liebe werde an Voraussetzungen geknüpft. Dies führe dazu, dass diese Menschen später nie mit sich zufrieden sind. Auch dann gebe es Anerkennung oft nur gegen Leistung – für Huchler eine Volkskrankheit.

Zuvor hatten am Freitagabend Ralf Kuhnle von den gastgebenden Bad Wildbader Nachtwanderern und Bürgermeister Klaus Mack die rund 70 Gäste im Forum König-Karls-Bad begrüßt. In ihren Grußworten hoben der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Blenke und der Erste Landesbeamte Zeno Danner hervor, dass es sich bei den Nachtwanderern keineswegs um eine Bürgerwehr handelt. Vielmehr gehe es darum, so der Landrat-Stellvertreter, den Jugendlichen das Gefühl zu geben, ernst genommen zu werden. Wer in Zusammenhang mit den Nachtwanderern von Hilfssheriffs rede, habe keine Ahnung, so Blenke. Vielmehr tragen diese Gruppen zum Sicherheitsgefühl bei, "so dass sich die Oma wieder auf die Straße trauen kann".

"Wir leisten Lobbyarbeit für die Jugendlichen. Wir sind rein präventiv tätig und machen keine Polizeiarbeit", erläutert Angelika Brauner aus Metzingen (Kreis Reutlingen), Verantwortliche für Deutschland Süd.

Die Gäste, die in der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen untergebracht waren, dürften sich wohl gefühlt haben im Nordschwarzwald. Dazu hat nicht nur das schöne Spätsommerwetter beigetragen, sondern auch die gute Organisation durch Ralf Kuhnle, der von Karla Arp, Jochen Borg, Thomas Günthner, Isabella Kuhnle und Hans Schabert tatkräftig unterstützt wurde.

"Wir brauchen eine Bürgerwehr!" Dieser Ruf wurde in Bad Wildbad laut, als es vor ein paar Jahren im Kurpark der 10 500-Einwohner-Stadt immer wieder Ärger mit Vandalismus durch alkoholisierte Jugendliche gab.

Doch von solchen mehr oder weniger selbst ernannten Hilfssheriffs hielt Bürgermeister Klaus Mack gar nichts. Der Zufall wollte es, dass ihm bei einem Weinfest in Öhringen (Hohenlohekreis) sein mit ihm befreundeter Amtskollege Thilo Michler von den Nachtwanderern erzählte, die in der Großen Kreisstadt unterwegs sind. Bei dieser Organisation handelt es sich keineswegs um Menschen, die bei Dunkelheit durch Wald und Flur streifen. Vielmehr sind es geschulte Ehrenamtliche, die nachts in Dreier-Gruppen unterwegs sind, um Ansprechpartner für Jugendliche zu sein. Sie treten für ein respektvolles Miteinander ein, wollen eine angenehme Atmosphäre schaffen, Vertrauen aufbauen und die jungen Menschen unterstützen. Alles, was ihnen die Jugendlichen erzählen, wird vertraulich behandelt. Letztlich geht es darum, das soziale Klima zu verbessern, Aggressionen und Vandalismus zu begrenzen.

So ist, wie Ralf Kuhnle anlässlich des Bundestreffens am Wochenende als Sprecher der gastgebenden Bad Wildbader Nachtwanderer berichtete, 2014 in der Kurstadt eine solche Gruppe entstanden. Und siehe da: Der Vandalismus ging, wie überall, wo Nachtwanderer aktiv sind, deutlich zurück.

Die Nachtwanderer sind eine dezentral organisierte Institution. Sie sind kein Verein und nicht in Verbänden organisiert, erläutert Angelika Brauner aus Metzingen (Kreis Reutlingen), Verantwortliche für Deutschland Süd. Es gibt für die bundesweit tätige Organisation dann nur noch einen Verantwortlichen für Norddeutschland.

Nachtwanderer gibt es bundesweit, der Schwerpunkt liegt in Baden-Württemberg. Zum Bundestreffen nach Bad Wildbad waren außer Teilnehmern aus dem Südwesten auch Gruppen aus Bremen, Niedersachsen und Bayern angereist. Das nächste Bundestreffen findet in zwei Jahren in Norddeutschland statt.

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