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Bad Wildbad "Schule ist mehr als Unterrichtspläne"

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Die Sanierungsmaßnahmen am Dach des Enztal-Gymnasiums stehen kurz vor dem Abschluss (links oben). Was mit der nach dem Abbruch des Hallenbades entstehenden freien Fläche wird, ist allerdings noch unklar.Fotos: Ferenbach Foto: Schwarzwälder Bote

Andreas Enderle weiß aus eigener Erfahrung, dass ein Schulbetrieb kein Wunschkonzert ist und es einer immer größeren Flexibilität bedarf, um alle Anforderungen und Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Und das nicht erst seit Corona.

Bad Wildbad. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten schildert der neue Schulleiter des Enztal-Gymnasiums, wie die Pandemie gewisse Defizite verstärkt aufgezeigt und die ein oder andere Entwicklung beschleunigt hat, wie etwa den digitalen Fernunterricht.

Zum 1. August hat der in Karlsruhe geborene Enderle die Nachfolge von Michael Lang, der nach 13 Jahren als Schulleiter in den Ruhestand verabschiedet wurde, angetreten. Davor war der 54-jährige Pädagoge, der in Karlsruhe Mathematik, Physik und Chemie studierte und sein Referendariat am Reuchlin- und am Theodor-Heuss-Gymnasium in Pforzheim absolvierte, bereits fünf Jahre lang stellvertretender Schulleiter in der Bäderstadt. Im Jahr 2009 wechselte der in Königsbach-Stein wohnende Pädagoge nach beruflichen Stationen als Gymnasiallehrer in Bruchsal, Horb und Remchingen als Abteilungsleiter an das Enztal-Gymnasium, an dessen Spitze er nun steht.

Etwas mehr als 50 Lehrer unterrichten an der dreizügigen Schule mit naturwissenschaftlichem und sprachlichem Profil aktuell 575 Schüler. Sie führt als einzige im Landkreis Calw in neun Schuljahren zum Abitur (G9).

"Durch die Umstellung auf G9 wird es in diesem Schuljahr kein Abitur geben. Bei den drei neuen Eingangsklassen waren wir zahlenmäßig fast am Limit, mussten aber keine Schüler abweisen", so Enderle im Hinblick auf das große Einzugsgebiet der Schule, das bis Neuweiler, Enzklösterle, Salmbach, Schömberg, Dobel und Bad Herrenalb reicht.

Einschränkungen wegen Corona

Um den Hygieneauflagen in der Coronapandemie gerecht zu werden, hat die Stadt Bad Wildbad das Reinigungspersonal an den Schulen und in den Sporthallen aufgestockt. "Wir haben jetzt auch vormittags eine Reinigungskraft im Haus, die regelmäßig etwa die Türgriffe, Handläufe und Toiletten desinfiziert. In den Klassenzimmern erledigen das in der Regel die Lehrer zusammen mit ihren Schülern. Dort werden alle 45 Minuten die Räume gelüftet und alle 90 Minuten die Tische desinfiziert", informiert Enderle. Außerhalb der Klassenzimmer und auf den Wegen zu den Sport- und Schwimmhallen herrscht Maskenpflicht. Einschränkungen im schulischen Angebot gibt es laut Enderle aktuell insbesondere im Musikunterricht und bei den Arbeitsgemeinschaften.

Unterstufenchor, Big Band, Theater- und Musical-AG müssen im ersten Halbjahr zwangspausieren. Bogy (Berufs- und Studienorientierung) und Schullandheimaufenthalte wurden auf das zweite Halbjahr verschoben, Ausflüge dürfen nur eintägig innerhalb der Klassengemeinschaft stattfinden. Nach zwei kostenlosen Corona-Tests für Lehrkräfte, die bis Ende November auch ohne einen begründeten Verdacht in Anspruch genommen werden können, plane die Landesregierung, diese auch weiterhin zur Verfügung zu stellen. Allerdings seien die Wartezeiten auf die Ergebnisse noch recht unterschiedlich. Enderle hofft auf Verbesserung.

Wichtiger Standortfaktor

Erfreulicherweise gab es in diesem Schuljahr aber noch keine Infizierten an seiner Schule. "Bei frühzeitig bekannten Ausfällen, etwa im Fall der Zugehörigkeit zur Risikogruppe oder Elternzeiten, stellt das Regierungspräsidium auf Antrag eine Ersatzkraft zur Verfügung. Je nach Fächerkombination finde sich aber nicht immer zeitnah ein geeigneter Nebenlehrer, beschreibt Enderle die Situation. Hinzu komme dann oft noch eine schulinterne Vertretungssituation, etwa bei Krankheit von Lehrkräften, die dann über Kürzungen, Zusammenlegungen und Mehrarbeit von Kollegen bestmöglich aufgefangen werden müsse.

Enderle sieht sich gut gerüstet für sein umfassendes Tätigkeitsfeld als Schulleiter, das neben fünf Unterrichtsstunden überwiegend aus Verwaltungs-, Organisations- und Koordinierungsaufgaben besteht. "Ich habe bereits in vorherigen Positionen Aufbauarbeit geleistet und Verantwortung übernommen, sowohl fachlich und gestalterisch, als auch in der Entscheidungsfindung", meint er.

Zwar entlasten ihn die beiden erfahrenen Schulsekretärinnen im Alltagsgeschäft, doch sind die hohe Belastung und die vielen Verpflichtungen, die nicht immer vorhersehbar sind, aus seiner Sicht ausschlaggebend für die derzeit mangelnde Bewerberzahl auf freie Schulleiterstellen.

Auch vermisse er den direkten Kontakt mit den Jugendlichen, den er durch sein Engagement bei "Jugend forscht", als Tischtennis-Trainer in seinem Verein TTG Kleinsteinbach/Singen, dessen Gründungsmitglied und Vorsitzender er ist, und bei "Jugend trainiert für Olympia" stets im Fokus hatte.

Enderle, jüngst auch zum Zweiten Vorsitzender des Fördervereins des Enztal-Gymnasiums gewählt, sieht in der Schule einen wichtigen Standortfaktor für die Kommune. Eine gute Vernetzung mit den Verantwortlichen in Stadtverwaltung und Gemeinderat, mit der Lehrerakademie, mit den Vereinen und Kulturträgern, den Hochschulen sowie der Wirtschaft ist ihm daher wichtig.

"Das Verfahren zur Besetzung der vakanten Stellvertreter-Position läuft, und ich hoffe, dass wir zum neuen Schuljahr Verstärkung bekommen werden. Zusammen mit den beiden Abteilungsleitern, Nancy Neuthinger und Matthias Maurer, haben wir uns schon unter Herrn Lang als Leitungsteam verstanden und in diesem Sinne führen wir das auch weiter und verteilen die Aufgaben, so gut es geht", so Enderle.

Neue Software für Klassenräume

Durch das zunehmende digitale Lernen würden Erwartungen geweckt, dabei aber übersehen, dass viele Kinder Schwierigkeiten im Umgang mit dem Arbeitsmaterial und dem selbst organisierten, strukturierten Lernen im Homeschooling hätten.

"Wir führen aktuell eine professionelle Lösung mit dem System ›Microsoft Teams‹ ein, welches eine bessere Rückmeldung des einzelnen Schülers ermöglicht. Die Lehrkräfte können Unterrichtsmaterial über eine Plattform in einem virtuellen Kursraum austauschen und so schülergerecht – auch mit Unterstützung von Videochats – fördern und fordern", beschreibt der Schulleiter das Vorgehen.

"Aktuell haben wir nur in einzelnen Fächern reinen Fernunterricht mit Kollegen der Risikogruppe, die fünf Prozent unseres Kollegiums ausmachen, bei landesweit neun Prozent. Selbst bei einem erneuten Lockdown mit Homeschooling werden schriftliche und mündliche Prüfungen weiterhin an der Schule stattfinden", betont Enderle. Noch diesen Herbst sollen mit Fördergeldern des Landes Tablets für die Schüler angeschafft und all denen leihweise überlassen werden, die noch kein mobiles Endgerät besitzen. Bereits in den Vorjahren konnten hier zumindest einzelne Klassensätze bereitgestellt werden.

Parallel seien Workshops mit den Eltern geplant, um diese im Umgang mit den Software-Systemen zu schulen. "Wir sind räumlich gut aufgestellt, haben erst ab Klasse elf Wanderklassen, im Falle eines Lockdowns mit Teilgruppen in den Klassenzimmern würden die Räume aber nicht ausreichen", erläutert der 54-Jährige. Die bestehenden Busfahrpläne engten Flexibilität und Gestaltungsspielräume ebenfalls ein. So konnten nach dem Lockdown aufgrund fehlender Verbindungen nicht kurzfristig Schichtmodelle für einen verlängerten Unterricht bis zum Nachmittag eingeführt werden oder während der Sommerferien alle Interessenten von außerhalb an den Lernbrücken teilnehmen.

Wunsch nach Verbesserungen

Nachdem nun ein Teil des Gymnasiumdaches saniert wurde, steht der Abriss des Hallenbades an. Zudem wird die ehemalige Hausmeisterwohnung aktuell nicht genutzt. Enderle könnte sich hier mittelfristig eine Erweiterung der Schule um neue Schülerarbeits- und Konferenzräume mit entsprechender technischer Ausstattung vorstellen. "Uns fehlen nicht nur eine Mensa, sondern vor allem Lerninseln, aber auch Lounges, für gemeinsames Arbeiten, Recherchieren und Austausch außerhalb des normalen Unterrichtes", sieht Enderle Möglichkeiten, die Schüler mehr an die Schule zu binden und die Lernkultur zu fördern.

Ein Outdoor-Allwetterspielfeld, das auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht, sowie eine lebendigere Gestaltung des von viel Beton und Asphalt geprägten Außenbereiches mit mehr Grünanlagen und Sitzmöglichkeiten sowie eine bauliche Veränderung des Physik-Traktes sind weitere Wünsche für die Zukunft.

"Ich möchte zeigen, dass Schule mehr ist als Unterrichtspläne. Ich kämpfe um die Sache, auch wenn die Meinungen mal auseinandergehen. Die Lehrkräfte versuche ich zu motivieren, ihre individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Schulgemeinschaft einzubringen. Im Kollegium möchte ich Nachwuchskräfte fördern", meint Enderle.

Dabei legt er großen Wert auf einen kollegialen Austausch in einer funktionierenden, flachen Hierarchie, aber auch im Miteinander mit den Nachbarschulen.

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