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Bad Wildbad Rat beschließt Zukunftsstrategie Tourismus

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Bei der zweiten Aufstiegshilfe könnte statt einer Waldrodelbahn auch ein "Kugelweg" entstehen. Als Vorbild sieht SPD-Gemeinderätin Lena Knöller den Kugelweg der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg in der Schweiz (Foto). Foto: Bergbahnen Meiringen-Hasliberg/David Birri Foto: Schwarzwälder Bote

Nur eine Woche nach der vergangenen Gemeinderatssitzung traf sich das Gremium erneut im Kursaal. Ein großes Thema auf der Tagesordnung der Sitzung, die abermals per Live-Stream im Internet übertragen wurde, war die Zukunftsstrategie Tourismus, die aus der Zukunftswerkstatt erarbeitet und präsentiert wurde.

Bad Wildbad. "Corona hat manches durcheinander gewirbelt", sagte Bad Wildbads Bürgermeister Klaus Mack in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstagabend, als das Thema "Zukunftsstrategie Tourismus" auf der Tagesordnung stand. Er erinnerte an das große Bürgerbeteiligungsprojekt mit mehr als 100 Teilnehmern im November und auch daran, dass man die zweite Veranstaltung im März kurz vor dem "Shutdown" gerade noch über die Bühne gebracht habe. Wichtig sei dabei die Frage gewesen, wie es die nächsten zehn Jahre weiter gehe. Dabei gelte es auch, Probleme zu benennen, so Mack weiter.

Die Zukunftsstrategie sei den Räten in der virtuellen Sitzung bereits bekannt gegeben worden und einige Punkte wie das neue Logo und etwa der Parkplatz an der Ladestraße seien bereits in der Umsetzung. Dennoch wolle man die Strategie noch öffentlich machen und so auch den Gemeinderäten die Gelegenheit zur Diskussion geben.

Alexander Seiz von der Tourismusberatungsfirma Kohl & Partner aus Schwäbisch Gmünd stellte in einer Präsentation die wichtigsten Eckpunkte vor. Das Strategiepapier sei in einem intensiven Beteiligungsprozess vor Auftreten der Corona-Pandemie entstanden. Zukunftsforscher würden durch Corona einige gesellschaftliche Veränderungen prognostizieren, so Seiz weiter. Darunter fiele etwa "Regionalisierung schlägt Globalisierung", mehr Nachhaltigkeit, eine neue Achtsamkeit und Sorgfalt im gegenseitigen Umgang oder auch die zunehmende Bedeutung naturorientierter touristischer Angebote. Dies passe alles sehr gut zu der für Bad Wildbad formulierten Strategie.

In den vergangenen Jahren habe Bad Wildbad eine "ganz tolle Stadt- und Tourismusentwicklung genommen", so Seitz. Dennoch profitierten nicht alle von dem Aufschwung. So stelle man sich bei der Neupositionierung die Frage: "Welchen Weg gehen wir?" Wichtig sei es, die Themen Gesundheit und Natur so zu bespielen, dass alle profitieren. "Wir wollen nicht den Sommerberg verhindern", sagte Seiz. Außerdem mag er "Tradition, aber wir müssen jünger und moderner werden und den Mut haben, neue Wege zu gehen". Da sieht er in Bad Wildbad "geniale Möglichkeiten", denn die Kombination der Bäder mit dem Naturangebot hätten nicht so viele Städte zu bieten. Deshalb habe man auch die Vision für Bad Wildbad so formuliert: "Wir sind die Kurstadt, die es geschafft hat, glanzvolle Historie mit modernem Outdoor-Abenteuer gelungen zu verbinden."

Bei der Vermarktung solle sich Bad Wildbad auf konkrete Zielgruppen fokussieren. Ganz vorne sieht Seiz hier die Lifestyle-Zielgruppen, die Wellness mit Natur-Aktiv-Angeboten verknüpfe. Dazu zählt er etwa die "LOHAS", vom englischen "Lifestyles of Health and Sustainability", also Menschen mit gesundheitsbewusstem, nachhaltigem Lebensstil, die "Best Ager", kaufkräftige, konsumfreudige, qualitätsbewusste Über-50-Jährige oder die "DINKS" mit doppeltem Einkommen und ohne Kinder (englisch: "Double Income no Kids") im Alter von 25 bis 45 Jahren.

Sieben Handlungsfelder

Zudem wurden sieben Handlungsfelder definiert, in denen verschiedene Projekte umgesetzt werden sollen. Die Priorisierung wurde auch durch die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt mit vorgenommen. An erster Stelle steht dabei das Thema Parkplätze und Parkleitsystem. Direkt auf Platz zwei folgt bereits die zweite Aufstiegshilfe.

Weitere wichtige Fokusprojekte sind auch neue Hotelprojekte – zum einen ein mögliches neues Wellnesshotel am Standort der jetzigen Vitaltherme im Rahmen des Konzeptes "Staatsbad 4.0" sowie die Schaffung alternativer Übernachtungsmöglichkeiten etwa mit einem Baumhaushotel auf dem Sommerberg. Insgesamt 14 dieser Fokusprojekte wurden definiert, "a baar weniger hätteds au doa", wie Seiz schmunzelnd-schwäbisch anmerkte. Dazu zählen unter anderem auch die Angebotsentwicklung im Einzelhandel, die Neukonzeption für den Bikepark oder die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Auch während der Corona-Zeit habe man "die Füße nicht stillgehalten", sagte die Touristik-Geschäftsführerin Stefanie Dickgiesser. So sei die Restart-Kampagne der Schwarzwald-Tourismus GmbH (STG) am 1. Juli mit der Öffnung des Palais Thermal gestartet. Ziel sei es, über eine spezielle "Landingpage" für Bad Wildbad Anfragen zu generieren. Die erste Buchung darüber habe es auch bereits gegeben. Auch das neue Logo werde bereits verwendet, derzeit würden die Materialien dazu angepasst, sodass es im September einen großen Rollout mit neuem Logo und dem Slogan "königlich wild" geben soll. Auch die Ausschreibungen für den Betrieb des Bikeparks seien am Laufen, so Dickgiesser weiter. Sie habe bereits erste Gespräche geführt und ist zuversichtlich, den Stadträten nach der Sommerpause erste Bewerber vorstellen zu können. Auch zwei neue "Foto­points" wurden aufgestellt (siehe Info-Kasten).

Bruno Knöller kündigte in der sich anschließenden Aussprache an, dass die SPD-Fraktion zustimmen werde und in fast allen Formulierungen des Beschlussvorschlags mit der Stadtverwaltung einer Meinung sei. Bei der Diskussion um die Aufstiegshilfe merkte er an, dass Mack in der Ausschuss-Sitzung befangen gewesen sei. Knöller sieht die Waldrodelbahn nicht als absolutes Muss. Von vielen Bürgern werde "eine zweite Aufstiegshilfe gefordert, nicht eine erste Hinuntersause". Schließlich solle es auf dem Sommerberg zwar königlich-wild zugehen, aber nicht wild durcheinander. Er könne sich auch die von seiner Fraktionskollegin Lena Knöller ins Spiel gebrachte Waldkugelbahn, einen Themenweg oder eine andere touristische Attraktion vorstellen, nicht zwingend eine Waldrodelbahn. Da seien bislang ja sowieso die Investoren nicht gerade Schlange gestanden.

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Uwe Göbel ist es wichtig, dass man durch die Zukunftswerkstatt mit einem "Wir-Gefühl" an die Sache herangehe, die gemeinsam mit den Bürgern erarbeitet worden sei.

Lena Knöller (SPD) präzisierte noch einmal ihre Idee der Waldkugelbahn, die sich an den Kugelweg der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg in der Schweiz anlehnen könnte – mit verschiedenen Stationen, an denen Jung und Alt ihre Freude mit den Holzkugelbahnen in vielen verschiedenen Formen haben könnten. So könne man einen attraktiven Wanderweg schaffen. Für sie ist es auch denkbar, den Weg an anderer Stelle zu errichten, wenn bei der Aufstiegshilfe doch eine andere Attraktion entstehen sollte – etwa in den Höhen­orten, um so die dortigen Wanderwege aufzuwerten.

Rita Locher, Vorsitzende der FWV/FDP-Fraktion, zeigte sich "fast erschlagen von der Menge an tollen Ideen", die es gebe. Sie wies darauf hin, dass es für einen möglichen Investor für eine Aufstiegshilfe in Form einer Seilbahn oder Gondel auch die Möglichkeit zur Refinanzierung, vielleicht durch eine Waldrodelbahn, geben müsse, damit das kein zweiter Zuschussbetrieb wie die Sommerbergbahn für die Stadtwerde.

Der Bürgermeister erwähnte, dass die Aufstiegshilfe eine Strategie von vielen sei. Es gehe vor allem darum, die Verkehrsströme zu entzerren. Ein reiner Lift oder eine Gondelbahn würden ein hohes Defizit bedeuten und "viele Attraktionen, die wirtschaftlich funktionieren, gibt es nicht". Dennoch sei man erst am Anfang des Prozesses und es sei gut, wenn auch weitere Ideen mit einfließen.

Nach der Diskussion beschloss der Gemeinderat einstimmig, die vorgestellte Strategie als Grundlage für die weitere touristische Arbeit Bad Wildbads zu sehen.

In Bad Wildbad stehen seit Montag zwei neue Fotopoints am Kurparkeingang an der Ladenzeile und auf dem Sommerberg, direkt neben der Bergstation der Sommerbergbahn. Sie zeigen das Äffle und das Pferdle, die zum Schutz der Corona-Pandemie eine Mund-Nasenschutzmaske im Bad-Wildbad-Design tragen. Die aus Hartschaumstoff gefertigten Banner sind mit einem Bilderrahmen aus heimischem Fichtenholz ummantelt. Das Holz stammt aus dem Stadtwald und das Konstrukt wurde von Mitarbeitern des Baubetriebshofes erstellt.

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