Viele Bürger hatten in der Diskussion um das Gutachten in der Wildbader Trinkhalle etwas zu sagen Foto: Fritsch

Bonde erntet in Bad Wildbad Salven der Empörung. Vorstellung der Ergebnisse zum Nationalpark-Gutachten tritt in den Hintergrund.

Bad Wildbad - Es war ein Hexenkessel in der Bad Wildbader Trinkhalle: Angefangen mit dem Spießrutenlauf des Landesministers für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde, durch den Mittelgang, entwickelte sich die Vorstellung und Diskussion zum großen Nationalpark-Gutachten weitestgehend zum großen Aufschrei der Gegner.

Bemerkenswert bei den Protestaktionen war das kreative Potenzial, das die Gegner an den Tag legten: "Ihr Käferlein kommet, oh kommet doch all", "Bonde und Co machen uns Waldbauern k.o." oder auch "alle Langholzwagen stehen still, wenn Grün den Nationalpark will" waren nur einige der Sprüche, die auf diversen Medien zu sehen waren. Die Befürworter hielten mit Infoständen und Lebkuchenherzen dagegen.

Die Zeitspanne an dem Abend, bei der konstruktiv über das Gutachten diskutiert wurde, war überschaubar. Schon bei der Vorstellung der Ergebnisse kamen "Langweilig"-Rufe aus den Reihen der Gegner: "Kann man das nicht zusammenfassen?" Bei der Präsentation selbst war es zwar relativ ruhig, die stetigen Zwischenrufe ließen bei den Gegnern aber auf ein relativ geringes Interesse am Inhalt schließen.

Minister will mit Rhetorik Brücken bauen

Der Mann des Abends war zweifelsohne Moderator Bastian Kaiser von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Souverän und mit sehr viel Fingerspitzengefühl hielt er die Diskussion und die Kampfeslust der Gegner unter Kontrolle.

Oh Schwarzwald, oh Heimat wie bist du so schön – es waren zum Teil skurrile Bilder: 200 Menschen stehen auf, Rücken zur Bühne, um mit fester Stimme Strophen des Schwarzwaldliedes vorzutragen. Auf der Bühne steht der unterbrochene Redner Bonde, unter ihm hängt das riesige Anti-Nationalpark-Banner. In seiner Rede versuchte Bonde mit Rhetorik Brücken zu bauen: Formulierungen wie "Verantwortung für die Schöpfung zeigen" oder "unsere Heimat" sollten seine Zugehörigkeit zur Region demonstrieren.

Bei der anschließenden Diskussion der Inhalte bildeten sich Schlangen vor den drei Mikrofonen. Die Redezeit wurde aber oft zur Plattform der Gegner, um ihrem Ärger Luft zu machen: Wütend stürmt ein Gegner auf das Podium zu, um mit hochrotem Kopf Salven der Empörung auf Bonde zu feuern. Andere folgen dem Beispiel: "Wie können sie einfach so 10 000 Hektar Wald verrecken lassen", schallt es von anderer Seite durch den Saal. "Ökodiktatoren", "das hat mit Demokratie nichts mehr zu tun" – dem Podium schlägt bei vielen Beiträgen eine geballte Ladung Populismus ins Gesicht. So viel Anfeindung geht auch an einem Minister nicht spurlos vorbei. Doch auch die Befürworter konnten den einen oder anderen flammenden Appell durch das Mikrofon bringen – mit dankbarem Lächeln vom Podium.

Ein konstruktives Interesse am Inhalt blieb jedoch nicht ganz auf der Strecke: Detailfragen zur Borkenkäferproblematik und der genauen Umsetzung des Ausgleichs beim Holzeinschlag konnten die Gutachter kompetent beantworten, und so wurde der eigentliche Zweck der Veranstaltung nicht ganz verfehlt.

Gebetsmühlenartig wurde auf den außergewöhnlichen Bürgerbeteiligungsprozess hingewiesen, wenn der Dauervorwurf des "Überstülpens" im Raum stand. Allmählich verloren Gegner wie Befürworter das Interesse an der Diskussion. Der Zeiger der Uhr zog an der Zehn vorbei, und viele verließen vorzeitig den Saal. Beim Blick in die Gesichter auf dem Podium hätte der eine oder andere wohl auch gerne Feierabend gemacht. "Für das hab ich das Dortmund-Spiel verpasst", hörte man einen Besucher aus der Halle stürmen.

Bad Wildbad war die erste Veranstaltung dieser Art. Vier weitere werden folgen. Bondes Heimat steht als dritte Station auf dem Plan. Und der Minister weiß: Baiersbronn wird kein Spaziergang.