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Bad Wildbad Mit "Inga" in die Selbstständigkeit

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Aus der Arbeitslosigkeit machte sich Simone Bätzner (links) im Bildungsbereich selbstständig, unter anderem als Online-Dozentin für Business-Englisch. Unterstützt wurde sie dabei von der Agentur für Arbeit. Deren Geschäftsführerin Martina Lehmann informierte sich über ihren erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit. Foto: Mutschler Foto: Schwarzwälder Bote

Der beste Weg, Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern, ist, dafür zu sorgen, dass sie gar nicht entsteht. Das sagt Martina Lehmann, die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim. Am Beispiel von Simone Bätzner aus Calmbach stellte sie ein Agentur-Programm vor, das auch den Gang in die Selbstständigkeit ermöglicht.

Bad Wildbad-Calmbach. Auch hoch qualifizierte Menschen sind nicht vor Arbeitslosigkeit gefeit und können bei entsprechenden Rahmenbedingungen sogar in die Langzeitarbeitslosigkeit abrutschen. Dem soll mit entsprechenden Programmen entgegen gewirkt werden.

Ein solcher Fall ist Simone Bätzner aus Calmbach. Sie studierte europäische Betriebswirtschaftslehre und Sprachen in Großbritannien und war ab 2000 in der Erwachsenenbildung tätig, zuletzt im Berufsförderungswerk Schömberg als Reha-Ausbilderin für Deutsch, Englisch sowie Arbeits- und Lerntechniken. Die Arbeit mit psychisch kranken Menschen sei "sehr interessant und erfüllend gewesen", erzählt sie. Aber auch sehr energiezehrend. Und so geriet sie am Schluss mit Beruf, Kindern und einem selbstständigen Mann in eine schwierige Situation. "Ich habe gesehen, das bringt so nichts mehr und musste eine Pause machen", erzählt sie.

Bätzner sei, ergänzt Martina Lehmann, die Chefin der Agentur für Arbeit Pforzheim-Nagold, "durch ihr Engagement für Menschen in schwierigen Situationen selbst in so eine Situation gerutscht".

Zunächst wandte Bätzner sich also an die normalen Arbeitsvermittler. Die empfahlen sie dann aber schnell an ein anderes Team weiter: das "Inga"-Team. Der Begriff steht für Interne ganzheitliche Integrationsberatung und richtet sich an Menschen, "die ein hohes Risiko haben" in die Langzeitarbeitslosigkeit abzurutschen, erklärt Lehmann und führte als Beispiele schwierige persönliche Situationen oder gesundheitliche Probleme an. Hier sei es wichtig, diese Menschen intensiv zu begleiten. Das beginnt schon bei der Anzahl der Kunden, für die ein Vermittler der Agentur für Arbeit zuständig ist. Seien es bei "normalen" Vermittlern 270 Kunden, so betreue eine "Inga"-Beraterin lediglich 65 Kunden. "Das rechnet sich einfach", ist Lehmann überzeugt. Denn so könnten engere Kundenbeziehungen aufgebaut und komplexe Probleme auf einer vertrauensvollen Ebene besprochen werden. "Egal, welche Probleme da sind, die Beraterin kümmert sich", erzählt die Agenturchefin.

Über dieses Projekt seien unterschiedliche Dinge möglich. So könnten zum Beispiel Vorstellungsgespräche simuliert werden. Oder die Arbeitslosen nehmen an Kreativworkshops teil, in denen die Menschen malen können, wie sie ihre Situation sehen. Dieser Austausch mit anderen führe zu Netzwerken, die wiederum das "A und O" seien, wenn es um die Beendigung der Arbeitslosigkeit gehe.

Nun sei es nicht die Normalität, dass es aus dem "Inga"-Programm in die Selbstständigkeit geht, erzählt Lehmann. Aber bei Bätzner habe sich dieser Weg angeboten. Denn viele Angebote in ihrem Beruf seien weit weg gewesen, in Karlsruhe oder Stuttgart etwa, was sich bei Bätzners Situation mit Halbtagsarbeit und kleinen Kindern nicht angeboten habe.

So bestand die Gefahr, dass sie "in eine Situation gerät, wo man gar nicht mehr an sich glaubt, obwohl der Lebenslauf eigentlich perfekt war". Und so kam die Frage auf, ob sie es sich nicht vorstellen könne, ihre Arbeit selbst in die Hand zu nehmen und sich im Bildungsbereich selbstständig zu machen.

Selbstständigkeit nach reiflicher Überlegung

Nach reiflicher Überlegung, bei der auch die Risiken durchgesprochen worden seien, entschied sich die 46-jährige Bätzner für diesen Schritt. Denn "die Selbstständigkeit ist eine gute Möglichkeit, die Arbeitslosigkeit zu beenden", so Lehmann weiter. Um gefördert zu werden, musste Bätzner einen Businessplan aufstellen. Nach erfolgreicher Bewertung der Unterlagen kann auch für sechs Monate das Arbeitslosengeld weiter bezahlt werden sowie für neun Monate weitere 300 Euro für Sozialbeiträge.

Nach dieser erfolgreichen Prüfung machte sich Bätzner dann im November 2018 offiziell selbstständig. Seither gibt sie Kurse zur Abiturvorbereitung oder Integrationskurse "Deutsch als Fremdsprache". Außerdem ist sie für die Volkshochschule tätig, macht Bewerbungs-Coachings in Kooperation mit dem Jobcenter und hält als Online-Dozentin Vorlesungen für Business-Englisch. Zu Beginn arbeitete sie noch in einem Minijob in einer Pizzeria. "Ab Ende Januar ging es richtig los", sagt sie und erzählt, dass sie jetzt bereits bis nächsten März ausgebucht sei.

Sie möchte zusätzlich noch eine Online-Fortbildung für Dyskalkulie (Rechenschwäche), Dyslexie (Lese-/Rechtschreibschwäche) und Legasthenie machen. Dabei will sie aber darauf achten, dass sie sich nicht wieder zu viel aufbürdet: "Ich habe mir schwer vorgenommen, eins nach dem anderen zu machen."

Bätzner ist der Agentur für Arbeit und vor allem dem "Inga"-Team sehr dankbar. "Es war richtig toll, dass die Beraterin gleich gemerkt hat, wie ich ticke und das unterstützt hat", freut sie sich. Lehmann nennt das "stärkeorientierte Beratung", bei der den Menschen der Glaube an sich selbst zurückgegeben werde.

Ziel des "Inga"-Programmes sei es, die unterschiedlichen Begabungen zu fördern, damit jeder den individuell richtigen Weg finde und die Menschen nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschen.

Der Erfolg scheint Lehmann recht zu geben. Die Zahlen bei den Langzeitarbeitslosen seien im Agenturberzirk und im Kreis Calw überdurchschnittlich gesunken. Innerhalb von drei Jahren ging die Zahl im gesamten Agenturbezirk von 3967 auf 2525 zurück, ein Minus von 36,3 Prozent. Im Kreis Calw sanken die Zahlen sogar noch stärker, nämlich um 43,7 Prozent von 953 auf 537. Landesweit sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen um 26,5 Prozent. Natürlich habe auch die gute Konjunktur "uns in die Hände gespielt". Dennoch ist sie überzeugt, dass auch die Weiterentwicklung der Beratungsangebote, wie etwa "Inga", einen großen Teil daran habe: "Das ist richtig klasse". Dennoch dürfe man sich jetzt nicht auf den Erfolgen ausruhen, so Lehmann weiter. Denn: "Es gibt immer noch Menschen, die lange ohne Arbeit sind."

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