Stadtrat Bruno Knöller befürchtet bei einer Verwirklichung des Projektes Stuttgart 21, dass die Direktverbindung von Bad Wildbad nach Karlsruhe gekappt werden. Nina-Christiana Ebersbach von der Pressestelle der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), der Betreiberin der Strecke, dementierte diese Aussage. Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder-Bote

Bruno Knöller und Jürgen Schrumpf von der Bad Wildbader SPD-Fraktion sind gegen Stuttgart 21

Von Wolfgang Krokauer

 

Bad Wildbad. Im Stadtbild von Bad Wildbad sind Befürworter von Stuttgart 21 im Vorfeld der Volksabstimmung auf Plakatwänden inzwischen unübersehbar. Doch es gibt in der Kurstadt auch Gegner des Großprojektes in der Landeshauptstadt.

Zu ihnen gehören Bruno Knöller und Jürgen Schrumpf von der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Sie vertreten eine andere Meinung als ihr Fraktionskollege Dieter Gischer.

Für Bad Wildbad habe Stuttgart 21 "mehr Nach- als Vorteile" wetterte Knöller auf Nachfrage unserer Zeitung. Pforzheim und mit der Goldstadt das gesamte Obere Enztal geraten nach seiner Auffassung in den "Windschatten". So falle nach Stuttgart 21 die IC-Verbindung von Karlsruhe über Pforzheim und Stuttgart nach Nürnberg weg. Ob dies ursächlich mit dem neuen Tiefbahnhof zusammenhängt, konnte er nicht sagen. Bezüglich der Regionalzüge zwischen Pforzheim und Stuttgart gebe es hingegen noch keine Zusagen, so Knöller. Ziemlich sicher mit Stuttgart 21 hänge aber zusammen, dass die Direktverbindungen von Bad Wildbad nach Karlsruhe gekappt würden, so Knöller. Zudem befürchtet er, dass bei der Fahrt zum Flughafen in Bietigheim-Bissingen umgestiegen werden müsse. Auch in der jüngsten Sitzung des Verwaltungs-, Sozial- und Tourismusausschusses von Bad Wildbad hatte Knöller darüber geklagt, dass die direkte IC-Verbindung von Karlsruhe über Pforzheim und Stuttgart nach Nürnberg abgeschafft und die Direktverbindungen von Bad Wildbad nach Karlsruhe gekappt würden.

Knöllers Aussagen widersprach ein Vertreter des Kommunikationsteams des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm: "Das Land hat zugesagt, dass keine Region schlechter gestellt wird." Von Pforzheim nach Stuttgart fahre sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr alle zwei Stunden ein Zug, so dass zusammengenommen jede Stunde einer unterwegs sei. Das werde sich auf keinen Fall verschlechtern. Ob die direkte IC-Verbindung von Karlsruhe über Pforzheim und Stuttgart nach Nürnberg wegfalle, stehe noch nicht fest.

Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Betreiberin der S-Bahnen zwischen Bad Wildbad und der Fächerstadt, dementiert dies. So werde es auch in Zukunft durchgehende Verbindungen von Bad Wildbad nach Karlsruhe geben, sagte Nina-Christiana Ebersbach von der Pressestelle des Unternehmens. Das Projekt Stuttgart 21 habe darauf keinerlei Einfluss, versicherte sie. Allerdings könne sie nicht sagen, welche Fahrplanänderungen es in Zukunft geben werde.

Knöller bleibt dennoch bei seinen Aussagen und wirft der Bahn vor, "unseriös" zu agieren. "Dann soll die Bahn sagen, dass der IC weiterfährt", kommentiert er die Aussage des Konzerns. Der Stadtrat wirft dem Unternehmen vor, im Vorfeld der Volksabstimmung "die Leute für dumm zu verkaufen" und mit "Teilwahrheiten" zu operieren, um für Stuttgart 21 zu werben. Das Unternehmen habe lange geplant. Jetzt solle es konkret sagen, was besser werde. Mehr noch: Bevor es einen neuen Bahnhof baue, solle es zudem erst einmal dafür sorgen, dass die Züge pünktlicher würden. Ein schneller TGV von Karlsruhe nach Paris nütze nichts, wenn der Kunde zu spät in der Fächerstadt ankomme und dort herumstehe.

Auch Stadtrat Jürgen Schrumpf schimpft gegen Stuttgart 21. Er befürchtet, dass wegen der Kosten des Projektes später kein Geld mehr da sei, um die Verbindungen zwischen Calw und Weil der Stadt sowie zwischen Nagold und Herrenberg zu verwirklichen. Zudem sei die Barrierefreiheit des neuen Tiefbahnhofs "in keinster Weise gegeben".

Von Stuttgart 21 abgesehen forderte Knöller in der Sitzung des Verwaltungs-, Sozial- und Tourismusausschusses von Bad Wildbad dazu auf, dass die Kurstadt mit den übrigen Kommunen der Region einen Anforderungskatalog an die Bahn aufstellt, um nicht in den "Windschatten" zu geraten.