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Bad Wildbad Lockvogel lässt Dealer auffliegen

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Bei den Durchsuchungen wurden von den Polizisten unter anderem im Ortenaukreis (siehe Bild) größere Mengen an Drogen und Geld sichergestellt. Foto: Archiv

Bad Wildbad/Tübingen - Der Fall war filmreif. Ein reicher Kanada-Heimkehrer, von einem falschen Freund um seinen vergrabenen Goldschatz gebracht, hatte auf seinem einsamen Bergbauernhof im hohen Nordschwarzwald begonnen, im großen Stil Cannabis anzubauen.

Zwei Personen aus Bad Wildbad-Calmbach sollten den Stoff von der Plantage verticken. Einer von ihnen war dann damals einem Lockvogel des Landeskriminalamts (LKA) auf den Leim gegangen.

Beim fingierten Kauf von 20 Kilo Marihuana gegen 100.000 Euro bar im Koffer auf einem B 28-Parkplatz nahe der Schwarzwaldhochstraße am Kniebis wurde er verhaftet. Das Trio flog auf.

Rund 440 000 Euro Gesamtgewinn hatten die drei Angeklagten laut Staatsanwaltschaft bis dahin schon aufgeteilt. Nach einem gerichtlichen Deal war der Geständige im Prozess vor gut einem Jahr mit einer relativ milden Strafe von zweieinhalb Jahren Haft davongekommen (wir berichteten).

Als minderschwerer Fall konnte die Sache schon der Menge wegen zunächst nicht durchgehen, wohl aber hatten viele Milderungsgründe für den Angeklagten gesprochen. Jetzt stand der mittlerweile 49-Jährige erneut vor dem Tübinger Landgericht, weil der Bundesgerichtshof in Karlsruhe seinem Revisionsantrag höchstrichterlich stattgegeben hatte.

Der zweite Dealer hatte sich im ersten Prozess zunächst einem Karlsruher Staranwalt anvertraut, der die Kammer mit Verfahrenskniffen und Befangenheitsanträgen provozierte, auf eine zu dünne Beweislage spekulierte und die gegen ein Geständnis angebotene Verständigung ablehnte. Das bekam seinem Mandanten, einem 38-jährigen Familienvater aus Calmbach, anfangs überhaupt nicht. Im Gerichtssaal in Handschellen gelegt, in Haft genommen und später von einem anderen Anwalt vertreten, musste er, nun reumütig und voll geständig, im abgetrennten Prozess am Ende nur noch für drei Monate Reststrafe von insgesamt zweieinviertel Jahren Haft ins Gefängnis.

Der gleich geständige 66-jährige Cannabisbauer erhielt – angesichts einschlägiger Vorstrafen und seiner sieben, sehr erheblichen Ernten aus rund 600 Cannabis-Pflanzen vom einsamen Hof hoch über Bad-Peterstal-Griesbach – eine fünfjährige Gefängnisstrafe aufgebrummt.

Verdeckter Ermittler im Einsatz

Der zu zweieinhalb Jahren verurteilte 49-Jährige hingegen konnte den Gerichtssaal zunächst sogar, unter strengen Auflagen, als freier Mann verlassen, zu späterer Strafverbüßung in gelockertem Vollzug, zumal er krank, sozial integriert und bis dahin unbescholten war. Auch sieben harte Wochen Untersuchungshaft wurden ihm angerechnet.

Der Fall hatte alles, was einen guten Krimi ausmacht: einen LKA-Agenten mit Tarn-Jaguar, Video-Überwachung entlegenster Orte, vor allem aber die Lebensgeschichte des jung nach Kanada ausgewanderten und wohlhabend in die alte Schwarzwaldheimat zurückgekehrten Mannes. Vor Gericht zitierte der angeklagte Ruheständler versonnen Goethe und Freud. Während eines längeren Krankenhausaufenthalts hatte ihm ein treuloser Treuhänder den vergrabenen Goldschatz geraubt, wohl verjubelt und sich später umgebracht. Der Geprellte wurde für einen Einbruch bei dem Betrüger geschnappt, verurteilt und verlegte sich zudem auch aus Frust über den Verlust auf den Cannabis-Anbau, wofür er dann schon einmal eine Bewährungsstrafe bekommen hatte.

Von seinem Freund, Geschäftspartner und späteren Mitangeklagten, der selber Drogen konsumierte, hatte sich der 49-Jährige gleichfalls zu einer kleinen Cannabis-Zucht bei Kunstlicht im Keller überreden lassen. Auf seinem Dachboden wurde der abgepackte Stoff versteckt. Nach einem Tipp aus der Szene setzte das Landeskriminalamt bei einem Reha-Aufenthalt einen verdeckten Ermittler auf den Mann an, getarnt als Mitpatient.

Übergabe am Kniebis

Der Undercover-Beamte erwarb nach und nach dessen Vertrauen, ließ bei ihm im Enztal seinen – angeblich von Marihuana-Transporten aus Holland eindeutig duftenden – Jaguar grundreinigen und verstrickte ihn schließlich in erste Marihuana-Deals: Zwei Kilo mittelstarker Stoff wechselten für 11 000 Euro den Besitzer. Den Wunsch des Kunden im Polizeidienst nach mehr Stoff versprach der Mann zu erfüllen. Über seinen Partner hatte er Verbindungen zum Cannabis-Bauern auf dem Einsiedlerhof geknüpft.

Die Überwachung einer Gebirgshütte mit versteckter Kamera und Mikro – der bekannten Haberer-Hütte, die als konspirativer Dealer-Treffpunkt diente – lieferte letzte Indizien. Man traf sich schließlich an einer Freudenstädter Tankstelle, fuhr zum Übergabe-Parkplatz am Kniebis, und der 49-Jährige holte den Plantagen-Stoff auf dem nahen Einödhof. Gegen 100 000 Euro im Koffer sollten dem verdeckten Ermittler im Jaguar 20 Kilo Marihuana-Blüten ausgehändigt werden. Direkt davor nahm ein vor Ort geschicktes Sonderkommando den Dealer fest, der keinen Widerstand leistete und sofort mit den Behörden kooperierte.

Kritik an Undercover-Methoden

Der Bundesgerichtshof hat Sachverhalt, Schuldspruch und Urteil zwar in der Sache rechtskräftig bestätigt, will aber den fünffachen Rauschgifthandel als eine zusammenhängende Tat bewertet wissen und legte der neuen Schwurgerichtskammer unter Vizepräsidentin Manuela Haußmann dezent eine Strafminderung nahe.

Das lässt sich durchaus als Kritik an den Undercover-Methoden des LKA deuten. Schon im ersten Prozess spielte die Frage eine Rolle, ob die Ermittler die angeklagte Haupttat nicht nur initiiert hätten, um an den Cannabis-Pflanzer und sein Dealer-Netz zu kommen, sondern womöglich sogar unrechtmäßig provoziert.

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