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Bad Wildbad Keine Beschlüsse bei Wildbader Konferenz

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Das Wildbader Hotel Quellenhof (rechts), der Ort der Konferenz, und die alte Trinkhalle.Foto: Stadtarchiv Bad Wildbad Foto: Schwarzwälder Bote

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Südwesten von den alliierten Siegermächten recht willkürlich in drei Teile geteilt: Nordbaden und Nordwürttemberg wurden zum Übergangsland Württemberg-Baden, der Süden Württembergs und Hohenzollern wurden zu Württemberg-Hohenzollern, aus Südbaden wurde Baden. Auch in Bad Wildbad gab es eine Konferenz der Ministerpräsidenten zu diesem Thema.

Bad Wildbad. Schon früh war klar, dass es bei dieser Aufteilung nicht bleiben sollte. Entweder sollte es eine Lösung entsprechend der gewachsenen geografischen und kulturellen Gebiete geben oder alle drei Teile sollten zu einem Bundesland vereinigt werden. Letzteres war das eigentliche Ziel. Aber diesem Vorhaben widersetzte sich Baden vehement, das eine Zweiteilung in ein Land Baden und in ein Land Württemberg bevorzugte und auf die Wiedervereinigung von Nord- und Südbaden hinarbeitete. Also verhandelten die Ministerpräsidenten/Staatspräsidenten dieser drei Länder – Reinhold Maier für Württemberg-Baden, Gebhard Müller für Württemberg-Hohenzollern und Leo Wohleb für Baden – kamen jedoch zu keinem wirklichen Ergebnis.

Eine neue Verhandlungsrunde begann im Jahr 1950. Zum ersten Treffen kam es am 15. April 1950 in Freudenstadt. Dabei machte Müller den Vorschlag, unter der Bevölkerung eine Informationsabstimmung durchzuführen, um die Stimmung der Menschen in den verschiedenen Ländern abzufragen. Diese unverbindliche Abstimmung wurde am 24. September 1950 durchgeführt. Die Bürger konnten sich entscheiden für "Ich wünsche die Vereinigung der drei Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern zum Südweststaat" oder für "Ich wünsche die Wiederherstellung des alten Landes Baden und des alten Landes Württemberg einschließlich Hohenzollern".

Die Befragung brachte folgendes Ergebnis: Die Menschen in Württemberg und in Hohenzollern sprachen sich zu mehr als 90 Prozent für ein gemeinsames Land aus, damals noch "Südweststaat" genannt. Die Nordbadener waren mit 57 Prozent ebenfalls dafür, die Südbadener jedoch mit etwa 60 Prozent dagegen. Im Landkreis Calw votierten 90,8 Prozent der Abstimmenden für den Südweststaat und 9,2 Prozent für die Wiederherstellung der beiden alten Länder. In den Orten, die heute zu Bad Wildbad gehören, gab es folgende Ergebnisse: In Aichelberg sprachen sich 77,5 Prozent für den Südweststaat aus, in Calmbach 94,6 Prozent und in Wildbad 93,9 Prozent.

Nach der unverbindlichen Abstimmung kam es zu zwei weiteren Verhandlungskonferenzen, in denen geklärt werden sollte, wie man mit dem Ergebnis umgehen solle, wie die Fragen für die endgültige Volksabstimmung formuliert werden sollten oder ob man die länderinternen Verhandlungen als gescheitert ansehen und die Sache an den Bund weitergeben müsse.

Post legt Leitungen zu den Regierungssitzen

Am 12. Oktober 1950 trafen sich die drei Minister-/Staatspräsidenten in Wildbad. Für dieses Treffen wurden durch die Bundespost extra Leitungen zum Konferenzort, dem Hotel Quellenhof, gelegt, um direkte Verbindungen zu den Regierungssitzen der drei Länder und des Bundes herzustellen. Die Presse hoffte auf "Wildbader Beschlüsse", die dazu beitragen würden, den Streit für und wider den "Südweststaat" beizulegen. Zuschauer versammelten sich vor dem Hotel Quellenhof, um die Regierungschefs bei der Anfahrt sehen zu können, vor allem auf Wohleb war man gespannt. Der erschien jedoch erst mit einer halben Stunde Verspätung. Maier war pünktlich, Müller hatte sogar noch Zeit gefunden, vorher dem Rathaus Wildbad einen Besuch abzustatten und dabei Bürgermeister Kißling, Baurat Bach und den Kreisdelegierten Colonel Blanc zu treffen.

Das Protokoll der Wildbader Konferenz wird im Staatsarchiv Sigmaringen aufbewahrt. Daraus ist unter anderem Folgendes zu entnehmen: Die drei Herren trafen sich nicht alleine im Hotel Quellenhof, auch einige Minister aus den drei Ländern saßen mit am Tisch. Die Konferenz begann um 15 Uhr und endete um 21.30 Uhr.

Laut Protokoll leitete Staatspräsident Müller die Verhandlung ein mit den Worten: "Er sei nach Wildbad gekommen mit Zweifeln, ob sich eine Einigung herstellen lasse." Ministerpräsident Maier bemerkte, dass "Württemberg-Baden gezeigt habe, dass es zu Konzessionen bereit sei. Man solle sich zu einigen versuchen". Staatspräsident Wohleb versicherte, "auch ihm liege am Zustandekommen einer Vereinbarung, die dem Ergebnis der Volksbefragung entspreche", und er fügte hinzu: "Auch wir sind zu Konzessionen bereit, wenn das alte Baden in irgendeiner Form wiederhergestellt wird. Ich wüsste nicht, wie eine Einigung im Rahmen des Südweststaates zustande kommen sollte." Alle drei Regierungschefs wollten möglichst die Zuständigkeit des Bundes vermeiden, die eintreten würde, wenn die Länder unter sich keine Einigung hinbekommen würden.

Viele Vorschläge und Vorwürfe

Es ging mit Vorschlägen und Vorwürfen noch eine Weile hin und her, Müller und Maier verfochten den gemeinsamen einheitlichen Staat, Wohleb wich nicht von seinem Standpunkt, dass er ein eigenständiges Baden wiederherstellen wolle. Er brachte allerdings den Gedanken einer engeren Arbeitsgemeinschaft der drei Länder ins Spiel, die vor allem in Sachen Gesetzgebung, in Schulangelegenheiten, bei gewissen wirtschaftlichen Angelegenheiten (wie Wasserversorgung, Siedlungswesen, Wohnungsbau, Holzwirtschaft) gemeinsam agieren sollte. Der Tenor der Konferenz war dennoch, wie es Müller gegenüber Wohleb aussprach: "Wir wollen den Südweststaat mit weitgehenden Konzessionen bezüglich des Eigenlebens der Länder, Sie wollen Zusammenarbeit unter Aufrechterhaltung der jetzt bestehenden Staaten." Nicht klar war der Runde zudem, wie lange denn die von Wohleb angeregte Arbeitsgemeinschaft Bestand haben solle, denn in den Augen der württembergischen Politiker konnte sie nur eine Übergangslösung sein.

Verhandlungsergebnis "gleich null"

Obwohl Ministerpräsident Maier zum Abschluss in der Runde bemerkte, "das Ergebnis der heutigen Verhandlung sei gleich null", wurde der Presse gegenüber Zuversicht verbreitet, dass es weitergehe. Müller erläuterte den Reportern: Die Landesregierungen von Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern hätten von den Vorschlägen des Landes Baden Kenntnis genommen, durch ein Verwaltungsabkommen eine Arbeitsgemeinschaft zwischen den drei Ländern Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern zu bilden.

Allerdings würden die beiden Regierungen darin den Vorschlag einer Übergangsregelung sehen, die in einer noch zu bestimmenden Frist ihr Ende finden müsse in Form einer konstitutiven Volksabstimmung. Die Regierungen von Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern würden in den nächsten Wochen die Vorschläge des Landes Baden beraten.

Der Kommentar im "Enztäler" vom 14. Oktober zu dieser Presseerklärung lautete: "Es wäre zwar unhöflich, aber nicht ganz unzutreffend, wenn man das Ergebnis der Beratungen mit den Worten charakterisieren wollte, dass die Berge kreißten und ein Mäuslein geboren wurde. Denn es ist sehr wenig, zu was man sich schließlich auf beiden Seiten bereitgefunden hat."

Die nächste Konferenz am 7. November 1950 in Baden-Baden brachte, wie zu erwarten war, auch keine entscheidenden Fortschritte. So wurde Ende November 1950 dem Bundestag und dem Bundesrat mitgeteilt, dass die länderinternen Verhandlungen als gescheitert angesehen werden müssen.

Daraufhin griff der Bund mittels eines Gesetzes ein, das eine Abstimmung in vier Bezirken (Nordbaden, Südbaden, Nordwürttemberg und Südwürttemberg-Hohenzollern) vorsah: Danach sollte der "Südweststaat" gebildet werden, wenn es in mindestens drei dieser vier Stimmbezirke zu einer Mehrheit für die Vereinigung kommen sollte. Vor allem in Südbaden gab es zwischen Gegnern und Verfechtern der Vereinigung Streit, böse Worte, Anfeindungen, harte Auseinandersetzungen. Als es am 9. Dezember 1951 zur Volksabstimmung kam, stimmten die Menschen in Nord- und in Südwürttemberg sowie in Nordbaden wiederum für die Vereinigung, in Südbaden waren 62 Prozent dagegen. Da aber drei der vier Stimmbezirke dafür votierten, war die Sache klar: Der "Südweststaat" konnte gebildet werden.

Aber welchen endgültigen Namen sollte dieses Bundesland bekommen? Die Vorschläge reichten von Alemannien über Baden-Schwaben bis Schwaben-Franken und Rheinschwaben. Man entschied sich dann – auch nicht gerade einmütig und freudig – für Baden-Württemberg. Erster Ministerpräsident des neuen Bundeslandes wurde Reinhold Maier (1952 bis 1953), ihm folgte Gebhard Müller (1953 bis 1958).

Hier könnte die Geschichte um den Südweststaat/Baden-Württemberg eigentlich zu Ende erzählt sein. Aber die Altbadener ließen noch lange nicht locker, ihr Kampf um die Wiederherstellung des früheren Landes Baden ging weiter. Sie zogen vor das Bundesverfassungsgericht und erhielten 1956 das Recht, die badische Bevölkerung darüber abstimmen zu lassen, ob sie im Bundesland Baden-Württemberg verbleiben möchte. Erst 14 Jahre später, im Juni 1970, kam es dann tatsächlich zu dieser Abstimmung. Das Ergebnis: Knapp 82 Prozent der badischen Bevölkerung sprachen sich für einen Verbleib beim Land Baden-Württemberg aus.

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