Das Warten auf den Bus im "Wartehäuschen" kann sich schon mal in die Länge ziehen. Foto: Schörg Foto: Schwarzwälder Bote

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

stellen Sie sich ein funktionierendes Bussystem vor. Ein System des ÖPNV, auf welches man vertrauen kann. Ein System, das für Sie da ist, wenn Sie es dringend brauchen. Zu schade, Sie leben im oberen Enztal!

Wenn Sie hier darauf hoffen, dass Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell von A nach B kommen, dann glauben Sie sicherlich auch an klimafreundliche Kohleverbrennung. Und sollten Sie doch mal an einer angeblichen Bushaltestelle stehen, verlassen Sie sich auf nichts und niemanden, der Bus könnte sich genauso gut erst 20 Minuten nach angegebener Zeit blicken lassen oder bereits genauso lange auf und davon sein.

Wenn Sie eine der wenigen Personen sind, welche irgendwo im Nirgendwo gute Erfahrungen gesammelt haben: Gratulation, mit diesem Glück hätten Sie auch im Lotto (einen Luxusschlitten oder ein E-Auto?) gewinnen können. Sie gehören nicht zu den Glückspilzen und dennoch fiel Ihre Entscheidung auf den Bus? Auf Sie wartet ein wichtiges Meeting und ein dringender Arzttermin? Sagen Sie beides lieber gleich ab, das wird nichts! Machen Sie es sich stattdessen zuhause gemütlich und schauen Sie fremden Leuten an der Bushaltestelle gegenüber dabei zu, wie sie auf die mangelnden und/ oder fehlerhaften Busfahrpläne hereinfallen. Das Gesicht desjenigen, der an der Haltestelle ankommt und mit weit aufgerissenen Augen das Schild liest "Diese Haltestelle wird heute wegen einer Drückjagd nicht angefahren!", ist besser als jede (noch so alte) Folge von "Verstehen Sie Spaß?"!

Also, tun Sie sich selbst den Gefallen und planen Sie bereits eine Woche vorher ihre Fahrt – mit dem Taxi oder der hilfsbereiten Nachbarin.

Übrigens, haben Sie bereits diese gut ausgebildeten Busfahrer, auf die immer Verlass ist, kennengelernt? Wir vom oberen Enztal nämlich nicht. Bringen Sie ihre Straßenschilder schnellstens in Sicherheit, denn die Fahrlehrlinge kommen und wollen Sie sowie Ihre Schilder gleich mitnehmen. Stellen Sie sich auch darauf ein, bis zu zehn Minuten auf der Stelle zu stehen, da unsere geliebten Busfahrer sich wieder einmal gegenseitig von ihrem stressigen Arbeitstag berichten.

Sind Sie ein Freund von mangelnder Hygiene, stellen Sie Ihr Immunsystem gern auf die Probe? Dann sind Sie in Linienbussen genau richtig, Kaugummis und Müll so weit das Auge reicht, von schnupfenden und niesenden Mitfahrenden ganz zu schweigen. Eine Jahrzehnte alte Schicht von Staub und anderen Umweltprodukten schmückt unsere Busse selbst in der Winterzeit.

Überlegen Sie sich lieber zweimal, ob Sie nicht eher das Fahrrad nehmen sollten - oder müssen Sie bei den geografischen Gegebenheiten dafür zunächst ein paar Monate mit dem Bus ins nächstgelegene Fitness-Studio pendeln?!   Der Autor ist Schüler der Klasse 11c des Enztal-Gymnasiums in Bad Wildbad