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Bad Wildbad "Gesundbrunnen für den Ruhebedürftigen"

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Die altgermanische, gelegentlich auch mit "t" geschriebene Hundingshütte, welche die alte Ansichtskarte zeigt, ist aus dem Wildbader Kurpark verschwunden.Fotos: Digitalarchiv Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Historische Wander- und Reiseliteratur verrät viel über die Entwicklung von Bad Wildbad und dem Enztal. Eine ehemalige Touristik-Gemeinschaft für den Nordschwarzwald hat 1928 ein solches Werk herausgegeben. Dort steht, dass "Wildbad, das mit seinen heißen Quellen die vielen Kriegswunden heilte, noch weltbekannter geworden" sei.

Bad Wildbad. 60 Ziele hatte eine in Pforzheim ansässige Touristik-Gemeinschaft für den Nordschwarzwald in ihrem 1928 erschienenen Buch beschrieben. Der Part über Bad Wildbad fiel länger aus als die meisten anderen Ziele. Schwärmerisch heißt es dort: "Eine Perle des Schwarzwaldes, umrahmt von herrlichen Wäldern, durchströmt vom klaren Bergfluss, ein Heilbad in des Wortes vollster Bedeutung für den Kranken, ein Jungborn und Gesundbrunnen für den Ruhebedürftigen, ein Stützpunkt zu den abwechslungsreichsten Wanderungen für den Gesunden, dabei bedeutender Wintersportplatz."

Hingewiesen wird auf Flussbäder, das vorzügliche Trinkwasser und "gut geleitete Gasthäuser und Hotels von den einfachsten bis zu den allen Anforderungen entsprechenden erstklassigen Häusern". Erwähnt ist, dass die Bergbahn "mühelos" die Höhen des Sommerbergs erschließt. Für die Stadt werden 5307 Einwohner und "gegen 25 000 Kurgäste im Jahre" angegeben.

Calmbach wird erwähnt

Auch Calmbach fehlt unter den touristischen Zielen mit einem Angebot von Fluss- und Wannenbädern nicht. Der heutige Stadtteil wird außerdem als "Stützpunkt zu Wanderungen, besonders ins waldesstille Kleinenztal" bezeichnet. Erwähnt sind 2757 Einwohner. Als "einfache Sommerfrische" ist mit den Häusern Ochsen und Sonne das 1237 Einwohner zählende Höfen ebenfalls kurz aufgenommen.

Entwicklung nach 1918

Welche bemerkenswerte Entwicklung Bad Wildbad nach dem Ersten Weltkrieg genommen hat – so entstand 1918 die Militärkuranstalt, deren Gebäude heute der Lehrerakademie dient –, lässt sich im Vergleich mit den Angaben aus einem Wanderbuch mit mehr als 300 Seiten ablesen, das 1909 erschienen ist. Herausgegeben hatte es damals der württembergische Schwarzwaldverein anlässlich seines 25-jährigen Bestehens. Autor war Julius Wais. Er gibt damals für Bad Wildbad noch 3734 Einwohner und eine jährliche Zahl von 15 000 Kurgästen an.

50 Pfennig Eintritt

Genannt werden vor 111 Jahren die sieben Hotels Königliches Badhotel, Klumpp, Bellevue (heute Quellenhof), Post, Russischer Hof, Concordia und das Bergbahnhotel auf dem Sommerberg. Für Touristen werden 15 Gasthäuser zusätzlich namentlich erwähnt, von denen Lamm, Sonne und Alte Linde bis heute bestehen. Viele haben im fast 50-seitigen Anzeigenteil eine Annonce geschaltet. Als Bäder genannt sind "das große Badegebäude am Kurplatz", das König-Karls-Bad als "prächtiger Renaissancebau" und das Katharinenstift. Von 50 Pfennig im Katharinenstift bis zu sechs Mark in den Fürstenbädern reichen die Eintrittspreise. "Die Thermen sprudeln aus 36 Bohrlöchern unmittelbar in die Badebassins", wird hervorgehoben.

"Prächtige Enzanlagen"

Erwähnt wird in dem Dokument von 1909 auch "das neue Schwimmbad" an der Olgastraße. Beschrieben werden im Stil eines Stadtführers die Bauten rund um den Kurplatz und "die prächtigen Enzanlagen mit dem Kurtheater, der altgermanischen Huntingshütte, dem Schwanenteich und so weiter". Das 1909 erbaute Bergbahnhotel und ein Netz schöner, ebener Waldwege werden – verbunden mit den Annehmlichkeiten der Bäderstadt – den Sommerberg "bald zu einem der beliebtesten Luftkurorte des Schwarzwalds" machen, prophezeit im Jahr nach der Inbetriebnahme der Bergbahn Wais in seinem Schwarzwaldführer.

"Im Zusammenhang mit dem Bau des Kurhauses (1909/10) wurde ein germanisches Kleindorf (Huntingshütte) geschaffen", schrieb Götz Bechtle im vom Calwer Kreisgeschichtsverein im Jahr 2017 herausgegebenen Buch "Das Wildbad im Schwarzwald". Vielleicht hing es mit den im 19. Jahrhundert zahlreichen England-Kurgästen zusammen, dass die Bezeichnung auf Wildbad bezogen teils mit "t" geschrieben wurde. Das englische Hunting bedeutet Jagd, und wie eine Jagdhütte sah die Anlage ein wenig aus. Der Name dürfte aber auf den Akteur Hunding aus der Wagner-Oper "Die Walküre" zurückgehen, bei der ähnlich mystische Bühnenbilder zur Darstellung gehören. Auch die Bauausstellung 1900 in Dresden könnte Pate gestanden haben. Denn dort fand sich eine Hundingshütte in der weitläufigen Ausstellung. In Abbildungen des dort auf Wagners Werk zurückgeführten Baus entsprechen Elemente durchaus der Gestaltung in Bad Wildbad.

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