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Bad Wildbad Gefängnisstrafen für Überfall

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Am Tübinger Landgericht ging der Prozess im Fall des Überfalls auf ein Wildbader Geschäft zu Ende. Foto: Martin Bernklau

Tübingen/ Bad Wildbad. Wegen des bewaffneten Raubüberfalls auf den Lebensmittel-Markt "Milch-Günthner" in Bad Wildbad im Oktober vergangenen Jahres hat die Große Jugendkammer des Landgerichts Tübingen alle drei geständigen Täter zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt, zwei davon nach Jugendstrafrecht.

"Wir sind keine Gnadenbehörde", sagte der Vorsitzende Richter Martin Streicher in seiner Urteilsbegründung und meinte damit vor allem den zur Tatzeit seit ein paar Wochen erwachsenen Daniel S., der mit fünf Jahren die längste Gefängnisstrafe bekam, obwohl er nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme wohl eher nur ein späterer Mitläufer des Überfalls war: Er sollte für die Pläne der Jüngeren die Tatwaffe mitbringen, seinen Baseballschläger.

Den Raubüberfall des Trios wollte die Kammer nicht als minderschweren Fall werten und hielt sich genau an die gesetzlich vorgesehene Mindeststrafe. Die Staatsanwältin hatte für den erwachsenen Täter sogar noch drei Monate mehr gefordert. Für den seinerzeit 16-jährigen Tim (Name von der Redaktion geändert) und den – mit seinen 19 Jahren noch als heranwachsend beurteilten – Nico S., der mit dem Baseballschläger die Verkäuferin zum Öffnen der Kasse mit knapp 1800 Euro Papiergeld gezwungen hatte, verhängten die drei Berufsrichter und zwei Schöffen gleichermaßen eine Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren und entsprachen damit ziemlich genau den Anträgen von Staatsanwältin Kaija Seiler.

Trotz vieler Punkte, die das Landgericht zugunsten aller drei Angeklagten anführte, darunter die Geständnisse, die "glaubhafte Reue" der Täter und die schwierige Kindheit und Jugend, wollte die Kammer das Gewicht der Tat nicht mindern.

Alle drei jungen Männer waren bei alleinerziehenden Müttern und ohne Väter oder wenigstens prägende Vatergestalten aufgewachsen. Bei allen hatte es mehr oder minder deutliche Hinweise auf ADHS oder ADS gegeben, die Aufmerksamkeits-Störung ("Zappelphilipp"), die man bis heute mit dem – paradox beruhigenden – Aufputschmittel namens "Ritalin" zu behandeln versucht. Die drei Mütter waren während des Prozesses zugegen: die Mutter von Daniel S. zur Urteilsverkündung; die Mutter von Tim (Name von der Redaktion geändert) aus ihrem neuen Wohnort Solingen zu den Plädoyers angereist; und die Mutter des Haupttäters Nico S., die mit ihrem neuen Lebensgefährten bei keinem Termin fehlte.

Der Vorsitzende Richter hatte ihre unermüdlichen Bemühungen um den Sohn mit einer Mischung aus zynischem Spott und Anerkennung als "geradezu ein Arbeitsamt" charakterisiert. Sie weinte still während der gesamten Urteilsbegründung.

Der psychiatrische Gutachter Andreas Stevens hatte zunächst eine genauere Betrachtung der Familien- und Drogenprobleme für den erwachsenen Angeklagten Daniel in den Mittelpunkt gerückt. Er hielt dem Angeklagten in seiner abschließenden Einschätzung aber kaum schuldmindernde Umstände zugute. Für die jüngeren Angeklagten hatte der Jugendgerichtshelfer sich vorsichtig für Bewährungsstrafen und erzieherische Therapien vor allem gegen die Drogenprobleme ausgesprochen.

"Nicht die Mütter sind schuld"

Nicht immer war der juristisch hochversierte Richter Martin Streicher sicher in Ton und Tendenz. Der Mutter von Tim (Name von der Redaktion geändert), mit ihren drei Kindern von drei Vätern auch von den Jugendbehörden ziemlich alleingelassen, hatte er gnadenlos eine "gescheiterte Erziehung" attestiert. Sie hatte das in ihrem Schlusswort für den Sohn mit hörbarer Bitterkeit zur Kenntnis genommen. Aber am Ende sprach der Kammervorsitzende klare Worte und nahm solche Vorhaltungen indirekt zurück: "Nicht die Mütter sind schuld und auch nicht ADHS", sagte er. Es sei eine kurzfristig doch ziemlich planvolle und nicht gar so dilettantisch ausgeführte Tat gewesen, um "beim Chillen und Rumhängen" die "nicht wirklich ganz schlimmen Geldprobleme" der jungen Leute wegen der Kosten für Drogen aller Art und für die Handy-Verträge zu beheben. Das Strafrecht sehe dafür eben harte Strafen vor, und für erwachsene Täter erst recht.

Ihre Redaktion vor Ort

Bernd Mutschler

Fax: 07051 20077

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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