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Bad Wildbad "Fast ein eigener Stadtteil"

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Auf dem topografisch anspruchsvollen Wernerheim-Areal soll – mal wieder – ein Projekt entwickelt werden.Foto: Jänsch Foto: Schwarzwälder Bote

Die Geschichte um die Neugestaltung des Wernerheim-Areals ist eine fast unendliche. Nun gibt es einen erneuten Anlauf zur Bebauung des schwierigen Geländes am Eingang zur Bad Wildbader Innenstadt. 48 Wohneinheiten und Gewerbeflächen sollen entstehen.

Bad Wildbad. Das Areal zwischen Rennbach- und Charlottenstraße, direkt an der Auffahrt zum Touristenmagneten Sommerberg, hat eine bewegte Geschichte (siehe Infokasten), die spätestens seit 2005 auch immer wieder den Bad Wildbader Gemeinderat beschäftigt. Seit 2019 gehört das Grundstück an exponierter Lage und mit schwieriger Topografie der aus Wildbad stammenden Patricia Roller, die jetzt mit ihrem Mann Hartmut Esslinger in den USA lebt, aber immer wieder nach Bad Wildbad zurückkehrt.

Sie wollen auf dem Gelände insgesamt 48 Wohneinheiten bauen, zudem sollen Handel- und Gewerbeflächen am Kreisverkehr entstehen – also ganz nach dem Willen und den Plänen der Stadtverwaltung, für die so die Achse zwischen dem Bahnhof und den Parkhäusern bis hin zur Stadtmitte mit der Bergbahnstation fortgeführt werden soll.

Bürgermeister Klaus Mack sagte, man spreche bei dem Projekt "von einer großen, großen Investition" in Höhe von ungefähr 20 Millionen Euro. Das sei "das größte Wohnbauprojekt, das die Stadt je gesehen hat". Das zeige, man sei auf einem guten Weg, so der Schultes weiter, der daran erinnerte, dass im Mittelbereich Bad Wildbad, zu dem wohl auch Schömberg und Bad Herrenalb gehörten, 600 Wohnungen fehlten. "Es herrscht Wohnraumbedarf in der Region", ist er sich sicher – da kommt das Projekt gerade recht. Bei den etwa 50 Wohneinheiten rechnet er mit mindestens 100 Einwohnern, das sei "fast ein eigener Stadtteil", für den der Gemeinderat nun in der Sitzung am Dienstagabend den Grundsatzbeschluss diskutieren und fassen sollte.

Die beiden Investoren waren der Gemeinderatssitzung live aus Kalifornien zugeschaltet und stellten das Projekt vor. Man habe versucht, so zu planen, "dass wir selbst gern drin wohnen würden", sagte Esslinger, der als Designer bekannt wurde und so etwa mit Steve Jobs den ersten tragbaren Macintosh für Apple entwarf. Deshalb wolle man nicht einfach einen Klotz hinstellen, vielmehr sollen sich die Gebäude ins Stadtbild einpassen. Modern soll es sein, aber nicht kitschig – dennoch zum Schwarzwald passen. Entstehen sollen so nicht nur Eigentumswohnungen, sondern auch Einfamilienhäuser und Mietwohnungen. Es soll, so ergänzte Roller, eine "kleine Siedlung innerhalb der Stadt" werden, in der auch Ältere und Familien im Grünen wohnen und die Kinder spielen können. Das Grundstück sei nicht einfach, aber die Motivation sei gewesen, die drei Ebenen des Areals miteinander zu verbinden.

Christian Tubach, gemeinsam mit dem Architekturbüro Lieb aus Freudenstadt Planer des Areals, stellte das "tolle Konzept, das zeigt, was bei Gebäuden möglich ist", dann detailliert den Stadträten vor. Eigentlich habe man keine interne Straße geplant, habe sich dann aber doch dafür entschieden, wohl auch auf Drängen der Stadtverwaltung, die für eine öffentlich zugängliche Verbindung zwischen Rennbach- und Charlottenstraße war.

Am Kreisverkehr soll die bereits genannte Linie zwischen Bahnhof und Stadtmitte mit einem Sockel zur Innenstadt erschlossen werden. In diesem dreigeschossigen Bereich am Kreisverkehr sollen zwei Gewerbeeinheiten sowie eine Parkfläche für Geschäfte und Wohnbebauung entstehen. In diesem unteren Bereich des Grundstücks sei es wegen des Granituntergrundes nicht möglich, in den Berg hineinzugehen. Auf dem Sockel sollen dann, etwas nach hinten versetzt, zwei Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen entstehen. Dann folgen acht Reihen-/Einfamilienhäuser und im Bereich unterhalb der Charlottenstraße folgt dann der Bau mit den Eigentumswohnungen. Die Wohnungsgröße betrage, so Tubach, zwischen 60 und 100 Quadratmetern bei den Mietwohnungen, bei den Eigentumswohnungen geht es bis hin zu zwei großen Penthouse-Einheiten mit 180 Quadratmetern Wohnfläche. Alle Wohnungen sind barrierefrei. Über ein zentrales Blockheizkraftwerk soll ein eigenes "Fernwärmesystem" für alle Gebäude geschaffen werden. Tubach erwähnte, dass große Grünflächen und viele Bäume geplant seien. Bei den weiteren Planungen müsse aber noch vieles beachtet werden, etwa die Zufahrt für Müllabfuhr und Feuerwehr. Zudem will man für den Bereich Charlottenstraße eine "saubere Lösung" im Bereich des Wendehammers hinbekommen.

Stadtbaumeister Volkhard Leetz bedankte sich bei Tubach und den Architekten für die gute Zusammenarbeit. Für ihn sei die städtebauliche Situation wichtig und hier entstünde hochwertiges, junges Wohnen, Mietwohnungen und kleine Gewerbeflächen – "mehr kann man nicht anbieten".

Einmütige Zustimmung zu dem Projekt gab es aus allen Fraktionen. Martin Keppler (CDU) sagte in Richtung Mack, man habe "schon über das Wernerheim diskutiert, da waren sie noch gar nicht Bürgermeister". Es sei dem Gemeinderat immer wichtig gewesen, dass ein Bau entstehe, der Bad Wildbad als Stadt unterstütze. Dies sei nun ein "cleveres Projekt", das man in die Umsetzungsphase bringen müsse. Es gehe genau in die Richtung, die die CDU-Fraktion fordere: Familien in die Stadt bringen, die Stadt beleben. Der Sockelbau als belebte Fläche sei wichtig, um keinen Bruch im Besucherstrom zu haben. Somit sei es an der Zeit, ein wichtiges und deutliches Signal an den Investor zu senden, "dass das Projekt herzlich willkommen ist".

"Auch unsere Fraktion ist natürlich für das Projekt", sagte Rita Locher als Vorsitzende der FWV/FDP-Fraktion. Sie freute sich, dass sich wieder was auf dem Areal tut. Ein solches Finanz- und Bauvolumen sei für eine Stadt in der Größe von Bad Wildbad nicht alltäglich. Zudem sei sie immer dafür, die Innenverdichtung voranzubringen, da es in Bad Wildbad schwierig sei, neue Baugebiete auszuweisen. Da sei die Bebauung einer großen Baulücke an einem neuralgischen Punkt am Eingang zur Stadtmitte wichtig und eine attraktive Weiterentwicklung, die sich harmonisch in das Gelände einfüge und zudem den öffentlichen Parkraum nicht weiter belaste.

Jürgen Schrumpf (SPD) wies darauf hin, dass die Verhandlungen "mitunter schwierig und anstrengend" gewesen seien. "Es hat sich aber gelohnt", stellte er fest. Besonders freute er sich, dass von den rund 50 Wohneinheiten etwa die Hälfte zur Vermietung geplant sei. Es sei immer Forderung der SPD gewesen, "nicht nur für den Verkauf zu bauen". Man brauche in der Stadt zusätzlichen Wohnraum, auch für Neubürger: "Wir müssen Zuzug generieren, sonst ist unsere Infrastruktur nicht zu halten." Besonders freut es Schrumpf, dass alle Wohnungen barrierefrei sind.

Einstimmig war der Gemeinderat für den Grundsatzbeschluss und die Aussetzung des eingeleiteten Bebauungsplanverfahrens. Auch für den Auftrag, Mittel für die Erschließungsmaßnahme Charlottenstraße in den Haushaltsplan 2021 einzustellen und das Vorhaben nach Paragraf 34, Absatz 1 Baugesetzbuch, zu genehmigen, stimmte die Stadträte geschlossen. Fünf Enthaltungen vonseiten der FWV/FDP-Fraktion gab es lediglich bei Punkt vier des Beschlussvorschlags: "Die Verwaltung wird beauftragt, die Herstellung und Übernahme der innerörtlichen Erschließungsstraße und der Treppenanlage sowie den Kauf des für den Wendehammer an der Charlottenstraße benötigten Grundstücks vertraglich vorzubereiten. Die Details werden im Bau- und Umweltausschuss abgestimmt."

(boom). Bis Ende 2000 diente das Wernerheim am Eingang zur Bad Wildbader Innenstadt als Erholungsheim für Kriegsversehrte. Danach stand das Gebäude leer. Bereits 2005, also noch bevor Klaus Mack Bürgermeister von Bad Wildbad wurde, habe sich der Gemeinderat mit der Frage der möglichen Nachnutzung beschäftigt, erinnerte CDU-Stadtrat Martin Keppler in der Sitzung am Dienstagabend. Immer wieder habe es Planungen gegeben, die aber nie verwirklicht wurden. 2007 stieg die Stadtverwaltung in das Bebauungsplanverfahren "Rennbachstraße/Charlottenstraße" ein, da die Neuapostolische Kirche (NAK) die Absicht hatte, auf dem Areal sowohl ein Kirchengebäude als auch Wohn- und Geschäftsflächen zu bauen. 2011 wurde das alte Gebäude abgerissen, um Platz für Neues zu schaffen. Doch all dies scheiterte. Die Kirche fand keine Interessenten für die Flächen, ein von ihr beantragter Kirchenbau direkt am Kreisverkehr wurde 2012 im Gemeinderat endgültig abgelehnt, da von Verwaltungsseite direkt an der Straße Gewerbeflächen präferiert wurden. Noch 2014 schien eine Einigung mit der NAK in Sicht, 2016 gab die ihr Vorhaben dann aber endgültig auf – auch wegen veränderten Strukturen in der Kirchenbezirksverwaltung.

Ebenfalls 2016 stellte Mack dann das Wohnbauprojekt "Rennbachterrasse" vor. Ein Unternehmer aus Enzklösterle wollte in einem ersten Bauabschnitt bis 2018 19 Eigentumswohnungen errichten. Es gab sogar eine öffentliche Informationsveranstaltung zu dem Thema. "Es tut sich was in Wildbad", freute sich Bürgermeister Mack damals. Nur, getan hat sich danach nichts. Auch das Projekt "Rennbachterrasse" scheiterte, bevor es die Startlöcher so richtig verlassen hatte.

Nun folgt also der nächste Anlauf. Die aus Wildbad stammende und mit ihrem Mann Hartmut Esslinger zusammen in den USA im Silicon Valley als Unternehmerin tätige Patricia Roller stellte nach dem Erwerb des Wernerheim-Geländes dann im Frühjahr 2019 erste Pläne vor, die in Richtung Wohnen und Gewerbe gehen. Sie kommt immer wieder zu Familienbesuchen in die Bäderstadt. Schon 2006 hat sie hier investiert und in der König-Karl-Straße aus dem ehemaligen Hotel Schwarzwaldhof ein Wohn- und Geschäftshaus gemacht. In der jüngsten Sitzung am Dienstagabend machte dann der Gemeinderat den Weg frei für "diese innerörtliche Bebauung als wichtiges städtebauliches Wohnbauprojekt in Bad Wildbad. Der städtebauliche Impuls wird die Entwicklung der Stadt nachhaltig befördern und zur Deckung des vorhandenen Wohnraumbedarfs erheblich beitragen. Die Stadt sieht das Bauvorhaben gerade nach der Corona-Krise auch als wichtiges Aufbruchssignal und mutmachendes Element."

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